Seltene Krankheit Erstmals Bornavirus-Infektion bei Menschen in Sachsen-Anhalt

Lange Zeit wurde angenommen, dass das Bornavirus nur Nutztiere befällt. Nur wenige Erkrankungen von Menschen waren bekannt. Den ersten Fall in Sachsen-Anhalt gibt es nun im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Die Frau ist offenbar bereits seit Monaten erkrankt.

Blutproben in einem Labor
Bei einer Frau aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld wurde die Infektion mit dem sogenannten Bornavirus nachgewiesen. Bildrechte: IMAGO / Westend61

In Sachsen-Anhalt wurde erstmals eine Infektion mit dem sogenannten Borna Disease Virus 1 nachgewiesen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gehe von einer bestätigten Diagnose bei einer 58 Jahre alten Frau aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld aus, teilte das Landesamt für Verbraucherschutz mit.

Die Frau sei bereits zum Jahresende 2020 schwer erkrankt mit Kopfschmerzen, Hautblutungen, septischem Krankheitsbild und veränderter Bewusstseinslage. Ihr Gesundheitszustand habe sich so weit verschlechtert, dass sie derzeit in einem Pflegeheim betreut wird und nicht ansprechbar sei.

#MDRklärt So wird das Bornavirus auf Menschen übertragen

Lange Zeit wurde angenommen, dass das Bornavirus nur Nutztiere befällt. Den ersten Fall in Sachsen-Anhalt gibt es nun im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. #MDRklärt zeigt, was es mit dem Bornavirus auf sich hat.

So wird das Bornavirus auf Menschen übertragen
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In Sachsen-Anhalt wurde erstmals eine Infektion mit dem sogenannten Borna Disease Virus 1 nachgewiesen. Das Robert Koch-Institut gehe von einer bestätigten Diagnose bei einer 58 Jahre alten Frau aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld aus.
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Eigentlich befällt das Virus Nutztiere. Bei Pferden, Schafen und Säugetieren in Mitteleuropa ist das Virus schon lange bekannt. Beim Menschen kann das Virus schwere Gehirn-Entzündungen verursachen.
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Zwar sind dem RKI zufolge Erkrankungen bei Menschen selten, endeten jedoch überwiegend tödlich. Die Frau aus Anhalt-Bitterfeld ist der dritte Fall nördlich von Bayern.
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Wie eine Infektionskette aussieht ist unklar. In Deutschland gelten Spitzmäuse als natürliche Überträger. Die Viren werden vermutlich über deren Speichel, Urin und Kot ausgeschieden.
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Der Mensch könne sich wahrscheinlich sowohl über den direkten Kontakt mit der Spitzmaus oder ihren Ausscheidungen als auch über verunreinigte Lebensmittel, Wasser oder das Einatmen kontaminierten Staubs infizieren.
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Eventuell können aber auch Hauskatzen, die Freigänger sind, eine Rolle spielen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei unwahrscheinlich, ebenso eine Übertragung durch infizierte Pferde, Schafe und andere Haus- und Heimtiere.
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir am 11. Oktober 2021 | 14:00 Uhr
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Bornavirus befällt vor allem Nutztiere

Bei Pferden, Schafen und Säugetieren in Mitteleuropa ist das Virus schon seit Langem bekannt. Es kann bei Menschen schwere Gehirn-Entzündungen verursachen. Zwar sind dem RKI zufolge Erkrankungen bei Menschen selten, endeten jedoch überwiegend tödlich.

Wie verläuft eine Bornavirus-Erkrankung?

Die Betroffenen leiden zu Beginn zumeist an Kopfschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Später kommt es zu neurologischen Symptomen, wie Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen. Im weiteren Verlauf kann es innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zum Koma kommen. Eine spezifische Therapie gegen die Bornavirus-Infektion gibt es bislang nicht.

Nach einem 2017 in Brandenburg bestätigten Fall, der tödlich endete, und einem aktuellen Fall aus Thüringen handelt es sich laut RKI bei der Frau aus Anhalt-Bitterfeld um den dritten Fall nördlich von Bayern. Bislang galt vor allem der Freistaat als Infektionsgebiet. Das Landesamt für Verbraucherschutz rechnet in Zukunft daher mit weiteren menschlichen Infektionen.

Ähnliche Fälle schon früher in Sachsen-Anhalt

Das Bornavirus ist verwandt mit den Tollwut- und den Masern-Erregern. Es ist aber nicht identisch mit dem Bunthörnchen-Bornavirus, das bereits in den Jahren 2011 bis 2013 für den Tod dreier Bunthörnchen-Züchter in Sachsen-Anhalt verantwortlich war.

Unklare Infektionsketten

In Deutschland gelten Spitzmäuse als natürliche Überträger der Viren. Wie er in die Menschen gelangt ist, ist bislang unklar. Dem Landesamt zufolge werden die Viren vermutlich über deren Speichel, Urin und Kot ausgeschieden.

Der Mensch könne sich wahrscheinlich sowohl über den direkten Kontakt mit der Spitzmaus oder ihren Ausscheidungen als auch über verunreinigte Lebensmittel, Wasser oder das Einatmen kontaminierten Staubs infizieren.

Eventuell können aber auch laut Landesamt Hauskatzen, die Freigänger sind, eine Rolle bei der Übertragung spielen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei unwahrscheinlich, ebenso eine Übertragung durch infizierte Pferde, Schafe und andere Haus- und Heimtiere.

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dpa, MDR/Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 11. Oktober 2021 | 14:00 Uhr

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