"Bettensteuer" Wittenberg führt neue Abgabe für Touristen ein

Statt einer Kurtaxe für Übernachtungsgäste wird in Wittenberg ein sogenannter Gästebeitrag eingeführt. Den sollen auch Tagesbesucher zahlen, die touristische Angebote wahrnehmen. Auch in Naumburg sollen Besucherinnen und Besucher in Zukunft mehr Geld zahlen. Der Branchenverband für Hotels und Gastronomie kritisiert die geplanten Gästebeiträge.

In einer Fußgängerzone in Lutherstadt Wittenberg laufen mehrere Menschen, andere sitzen in Cafés am Straßenrand.
In Wittenberg müssen bald auch Tagesbesucher eine Abgabe zahlen. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Der Wittenberger Stadtrat hat die Einführung eines sogenannten Gästebeitrags am Mittwochabend beschlossen. Wie eine Sprecherin der Stadt MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, stimmten die Räte mehrheitlich für eine stufenweise Einführung der Abgabe.

Dehoga kritisiert Gästebeiträge

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Sachsen-Anhalt kritisiert die geplanten Gästebeiträge in Kommunen. Neben Wittenberg will auch Naumburg ab 2023 einen Gästebeitrag einführen. In beiden Fällen zahlen Besucherinnen und Besucher in Zukunft mehr.

Die Einführung des Gästebeitrages könne aus Sicht der Gäste kaum nachvollziehbar sein, so die Dehoga. Hotel- und Restaurantbesuch seien für einige Menschen bereits zum Luxusgut geworden. Der Verband warnte davor, dass Gäste wegbleiben und die Branche leiden würde. Außerdem kritisierte er den bürokratischen Aufwand einer Abgabe.

Wittenberg: Gästebeitrag mit Vorteilskarte

In Wittenberg sollen in Zukunft nicht nur Übernachtungsgäste, sondern auch Tagestouristen eine Abgabe von zwei Euro zahlen. Die Stadt rechnet mit Jahreseinnahmen von mindestens 240.000 Euro. Ab 2023 soll der neue Beitrag zunächst für Übernachtungsgäste fälig werden, ab 2024 dann auch für Tagesgäste.

Für die Einführung hatte die Stadt mehrere Modelle geprüft. Touristinnen und Touristen sollen dann eine Vorteilskarte erhalten, und damit etwa ermäßigten Eintritt in Museen.

Wer nach Wittenberg reist und nur eine Bockwurst auf dem Marktplatz isst, zahlt natürlich nichts.

Torsten Zugehör Oberbürgermeister Wittenberg

Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) sagte MDR SACHSEN-ANHALT bei Hotels sei der Beitrag über das elektronische Buchungssystem leicht umzusetzen. Die Stadt werde auf die Hotels zugehen.

Tagesgäste müssen zahlen, wenn sie eines der eintrittspflichtigen Wittenberger Museen wie das Luther- oder das Melanchthonhaus besuchen. Hier erfolge die Erhebung über die Kassensysteme. "Aber", so Zugehör, "wer nach Wittenberg reist und nur eine Bockwurst auf dem Marktplatz isst, zahlt natürlich nichts."

Naumburg: Gästebeitrag statt Kurtaxe

In Naumburg wurde kürzlich ebenfalls ein Gästebeitrag von 2,40 Euro pro Person und Übernachtung vom Gemeinderat beschlossen. Bisher gibt es in Naumburg eine Kurtaxe für Übernachtungsgäste, die während der Hauptsaison 2 Euro, während der Nebensaison 1,50 Euro pro Tag und pro Person kostet. Der Gästebeitrag soll die Kurtaxe ersetzen und das ganze Jahr gelten.

Die neue Regelung soll am 1. Januar 2023 in Kraft treten und für das gesamte Gemeindegebiet gelten. Die Kurtaxe ist bisher nur in bestimmten Gebieten fällig. Mit den Einnahmen will die Stadt nach eigenen Angaben die touristische Infrastruktur erhalten und erweitern.

dpa,MDR (Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Oktober 2022 | 16:00 Uhr

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