Bröckelnder Putz und schmorende Steckdosen Grundschulkinder in Halle demonstrieren für Sanierung ihrer Schule

Fenster sind undicht, Steckdosen schmoren durch, Putz bröckelt von den Wänden. Regelmäßig ist die Sanierung der Grundschule "Westliche Neustadt" in Halle verschoben worden. Nun sollen kleinere Reparaturen die größten Mängel beheben. Wann die Grundsanierung erfolgt, ist immernoch ungewiss.

Eine Schülergruppe demonstiert auf dem Schulhof.
Schüler rufen: "Schreibt uns nicht ab, wir sind auch wichtig!". Bildrechte: MDR/Hannes Leonard

Pünktlich um 9:50 Uhr am Freitagmorgen erklingen Trommelschläge über Halle-Neustadt. Wie schon so oft, protestieren die rund 450 Kinder der Grundschule "Westliche Neustadt" gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern gegen die Zustände an der Schule. Gemeinsam schreien sie: "Schreibt uns nicht ab, wir sind auch wichtig!"

Die paar Passanten, die in dem Moment vorbeigehen, schauen kurz irritiert und ziehen dann weiter. Die Kinder haben aber merklich Spaß daran, sich für ihre Belange einzusetzen.

Mich stört, dass wir die Turnhalle nicht nutzen können. Da dürfen wir viele Geräte nicht benutzen, weil sie kaputt sind.

Schülersprecherin Celine aus der Klasse 4a

Auf dem Schulhof würden Spielgeräte fehlen – ohne die sei es schon manchmal langweilig, erklärt Schülersprecherin Celine weiter.

Lange Mängelliste: Schüler haben ein Recht auf sichere Schule

Der bauliche Zustand des 1975 errichteten Schulplattenbaus ist alles andere als optimal. "Ehemalige Schüler sagen immer: 'Da hat sich ja seit unserer Kindheit nichts verändert'", erzählt Schulleiterin Annette Winkler. Sie hat den Verfall des Schulhauses über Jahre aus nächster Nähe beobachten können. Vor 15 Jahren ist Winkler als Lehrerin an die Schule gekommen, seit vier Jahren ist sie den Hut auf.

An einem Schulgebäude in Halle Neustadt hängt ein Tranparent mit der Aufschrift: Schreibt uns nicht ab - wir sind auch wichtig!
Mit vielen Aktionen machen Lehrkärfte, Schülerinnen und Schüler auf die vielen baulichen Mängel aufmerksam. Bildrechte: MDR/Hannes Leonard

Schulleiterin Winkler hat ein A4-Blatt zweiseitig bedruckt, vor sich liegen. Darauf in Stichpunkten aufgelistet die Mängel, die ihrer Meinung nach dringend behoben werden sollten. "Von der Fassade am Haupteingang sind kleine Steinbrocken runtergefallen, haben ein Kind am Arm getroffen. Deshalb hat die Stadt den Eingang gesperrt", Winkler kommt kaum zum Luft holen, "Wir haben in den Wänden massive Risse, innen und außen. Bei starkem Regen kommt Wasser durch die Fenster. Die Steckdosen schmoren regelmäßig durch. Das Wasser muss nach dem Wochenende lange ablaufen, weil es anfangs braun aus den Leitungen kommt." Auf der Liste stehen noch viele weiter Punkte.

Zustand sorgt bei Lehrkräften für hohen Krankenstand

Denn klar ist auch, die reinen baulichen Mängel sind nur eine Seite der Medaille. Viele Kinder kämen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, erklärt die Schulleiterin. Man kann die Schule deshalb auch als "Brennpunkt-Schule" bezeichnen. Fehlende Spielgeräte im Außenbereich sorgen für Konflikte unter den Schülern, weil die Ablenkung fehlt. Unter den Lehrenden herrsche ein hoher Krankenstand, unabhängig von Corona, durch die Mehrbelastung, die sie zu schultern hätten, erläutert Winkler.

Bei der Stadt Halle, die für das Schulgebäude verantwortlich ist, sind die Probleme bekannt. Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT heißt es: "die Mittel [für eine Sanierung] waren im Haushaltsplan 2022 enthalten. Infolge der Bedenken der Kommunalaufsicht zur Finanzlage der Stadt musste dieses rein kreditfinanzierte Projekt nunmehr bis auf Weiteres zurückgestellt werden." Von der Entscheidung haben Winkler und ihre Kollegen aus der Zeitung erfahren. Sie fragen sich, wie weiter? "Wir haben keine Perspektive", sagt Winkler.

Stadt will nachbessern, Grundsanierung weiter ungewiss

Immerhin sollen jetzt "im Rahmen des Gesamtprogramms 'IT an Schulen' die Elektrik, die Beleuchtung, die IT-Verkabelung und die Ausstattung für schnelles Internet vorgezogen und realisiert" werden. "Die Situation im Außenbereich wird verbessert – Errichtung von Sitz- und Spielelementen wird umgesetzt", teilt die Stadtverwaltung mit.

Bleibt zu hoffen, dass die Maßnahmen umgesetzt sind, bevor noch mehr Schaden angerichtet ist. Winkler und ihre Kolleginnen und Kollegen wollen jedenfalls weiter Druck machen, um auf "diese Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen". Schließlich hätten die Schülerinnen und Schüler ein Recht auf gute Lernbedingungen und eine sichere Schule.

MDR (Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 11. März 2022 | 16:30 Uhr

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