Überwintern statt in den Süden fliegen Tausende Kraniche bleiben in Sachsen-Anhalt

Eigentlich sind Kraniche Zugvögel. In diesem Jahr überwintern viele der Vögel zum ersten Mal im Landkreis Mansfeld-Südharz. Die hohe Zahl der Kraniche am Stausee Berga-Kelbra ist laut Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz sehr auffällig.

Viele Kraniche stehen im Wasser
In diesem Winter bleiben viele Kraniche in Sachsen-Anhalt, obwohl sie eigentlich nur auf der Durchreise sein dürften. Bildrechte: Axel Schonert

Normalerweise würden sie nach Frankreich, Spanien oder Nordafrika fliegen, doch in diesem Jahr überwintern tausende Kraniche im Landkreis Mansfeld-Südharz. Am Dienstag waren es noch 4.000 Tiere, so die Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz (LAG). "Rund um den Stausee Berga-Kelbra gab es Anfang Januar sogar noch 5.000 bis 10.000 Kraniche. Diese enorme Zahl ist in diesem Jahr wirklich auffällig", so Axel Schonert von der LAG Kranichschutz. Laut Schonert seien das die Auswirkungen des Klimawandels. Der Winter würde die Tiere nicht mehr verscheuchen.

Sollte es allerdings einen Wintereinbruch geben, bekämen die Vögel Probleme. Wenn Schnee liegt, kommen sie an ihre Nahrung nicht mehr heran. Kälte macht ihnen dagegen wenig aus. Sie müssten dann entscheiden, ob es sich lohnt, den Wintereinbruch abzuwarten oder kurzfristig eine kräftezehrende Winterflucht nach Frankreich zu unternehmen. "Das sind über 600 Kilometer, die sie dann in einem Ruck fliegen müssten", sagte Vogelkundler Schonert.

Kranichen geht es trotzdem nicht gut

Man könne laut Schonert nicht davon ausgehen, dass es den Kranichen ohne den weiten Flug nun besser gehen würde. Durch das Insektensterben gäbe es weniger Futter für junge Kraniche. Außerdem seien viele Brutgewässer ausgetrocknet.

Der Stausee in Mansfeld-Südharz Der Stausee Berga-Kelbra bzw. Helmestausee im Süden von Sachsen-Anhalt ist nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz einer der vier größten und wichtigsten Rastplätze für Kraniche in ganz Deutschland, zudem das Sprungbrett für zehntausende Kraniche für den Flug in wärmere Gebiete.

Vier Kraniche am Himmel
Kraniche können die Sachen-Anhalter in diesem Jahr den ganzen Winter über sehen. Bildrechte: Axel Schonert

Knapp 12.000 Brutpaare gibt es in Deutschland insgesamt. Einige Kraniche hätten jetzt im Januar in Sachsen-Anhalt sogar schon ihr Brutrevier bezogen und sich damit die besten Plätze gesichert. "Sie legen zwar noch keine Eier, aber sie verteidigen ihr Revier gegen andere Vögel", sagte Vogelkundler Schonert. Normalerweise brüten Kraniche ab März. Die Vögel waren über Jahrzehnte aus der mitteldeutschen Landschaft verschwunden und brüten erst wieder seit Ende der siebziger Jahre in Sachsen-Anhalt.

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dpa, MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 19. Januar 2022 | 16:30 Uhr

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