Justiz-Einheit "BSRD" Auf der Suche nach Waffen und Drogen im Jugendknast

Alkohol, Waffen, Drogen und Speichermedien sind in Jugendanstalten grundsätzlich untersagt. Das hält viele kreative Insassen jedoch nicht davon ab, diese hinein zu schmuggeln. In der Jugendanstalt in Raßnitz im Saalekreis sind nun die Haftzellen einiger Straftäter routinemäßig nach solchen verbotenen Gegenständen kontrolliert worden. Den Einsatz übernahm der Sicherheits- und Revisionsdienst "BSRD". Die besondere Justiz-Einheit ist auf großangelegte Aktionen sepzialisiert.

Justizbeamte des sogenannten besonderen Sicherheits- und Revisionsdienstes (BSRD) gehen zu einem Revisionseinsatz
Bildrechte: dpa

"Aufschluss!" hallt es um 6.00 Uhr morgens durch die Gänge im Haus 2 der Jugendanstalt in Raßnitz. Dann schließen knapp zwei Dutzend Vollzugsangestellte die Haftzellen der Insassen auf und betreten sie. Ruhig, aber bestimmt werden die jungen Straftäter nach draußen gebeten und in einen anderen Gebäudeteil überführt. Anschließend beginnen die in Schuss- und Stichwesten gekleideten Einsatzkräfte mit der Kontrolle der Zellen. Mit dabei sind Spürhunde, Detektoren und Rammböcke.

Spezialeinheit sucht nach Waffen und Drogen

Ein solcher Einsatz des sogenannten Besonderen Sicherheits- und Revisionsdienstes (BSRD) in den Haftanstalten Sachsen-Anhalts ist durchaus üblich. Etwa 12 Kontrollen würden pro Jahr durchgeführt, erklärt der Leiter der Einheit, Ralf Fiedler. Ziel sei es, verbotene Gegenstände wie Waffen oder Speichermedien sowie Alkohol und Drogen zu finden.

Auch Speichermedien sind verboten

Ein Justizbeamter des sogenannten besonderen Sicherheits- und Revisionsdienstes (BSRD) durchsucht einen Haftraum
Die BSRD-Beamten durchsuchen jede kleine Ecke nach verbotenen Gegenständen. Bildrechte: dpa

Bis ins kleinste Detail filzen die Beamten die Zellen. Steckdosen werden aufgeschraubt, Kleidungsstücke und Bettzeug gründlich inspiziert, selbst zwischen die gelagerten Weißbrotscheiben geht ein Blick. Den ersten Fund macht der dienstälteste Spürhund Nero: Er hat einen winzigen USB-Stick gefunden. Solche Speichermedien sind in den Vollzugsanstalten grundsätzlich verboten. Oft befände sich darauf Musik, die "sicher auch den Verfassungsschutz interessieren würde", erklärt Fiedler. Auch pornografisches Material werde darauf häufig entdeckt.

Alkohol aus Brot und Saft

Kurze Zeit später schlägt Nero wieder an: Diesmal ist es eine Plastikflasche, gefüllt mit einem unappetitlich aussehenden, braunen Inhalt. Das sei ein "Weinansatz", erklärt Fiedler. Da in der Einrichtung ein striktes Alkoholverbot herrsche, setzten einige Häftlinge ihren eigenen Alkohol an. Dazu gehöre meist nur etwas Brot, um durch die darin enthaltene Hefe den Gärungsprozess in Gang zu bringen, sowie zuckerhaltige Flüssigkeiten wie Säfte. "Bei solchen Sachen werden die Insassen durchaus kreativ", sagt Fiedler.

Eine Justizbeamtin des sogenannten besonderen Sicherheits- und Revisionsdienstes (BSRD) untersucht die Matratze in einem Haftraum
Etwa einmal pro Monat führen die Justizbeamten mit spezieller Zusatzausbildung eine Kontrolle in einer Jugendanstalt durch. Bildrechte: dpa

Der dritte Fund regt selbst Fiedler zum Schmunzeln an: Auf der Rückseite einer Pinnwand wurde ein mögliches Versteck für ein Handy geschürft. Doch statt eines Handys finden die Einsatzkräfte darin einen Taschenrechner mit einem Zettel auf dem steht "Zu spät". "Sowas nehmen wir sportlich.", sagt Fiedler.

Trockenhefe und Pfeffer werden sichergestellt

Gegen Mittag ziehen die Beamten schließlich Bilanz: Weitere Weinansätze habe man noch gefunden. Außerdem sei man auf Trockenhefe gestoßen, die ebenfalls zum Ansetzen von Alkohol genutzt werde. Auch Pfeffer, der vermischt mit Wasser wie Pfefferspray wirke, sei sichergestellt worden. Hinzu käme eine Zigarette, die mit Badezusatz befüllt gewesen sei. Beim Rauchen entfalte dies eine berauschende Wirkung, erklärte der Sprecher.

Zahl der Schmugglerdelikte ist rückläufig

Handy- und Drogenschmuggel sowie Körperverletzungen sind in Sachsen-Anhalts Gefängnissen nach wie vor ein Problem - auch wenn die Fallzahlen in allen Bereichen zurückgegangen sind. So wurden im vergangenen Jahr 74 Mobiltelefone sichergestellt, wie das Justizministerium in Magdeburg kürzlich mitteilte. Im Vorjahr waren es 96 Handys. Auch die Menge an gefundenen Drogen, darunter vor allem Cannabis und Amphetamine, sei in dem Zeitraum deutlich zurückgegangen. Sie habe sich halbiert.

dpa,MDR (sa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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