Übersicht mit Karte Dorf- und Hofläden in Ihrer Region: Wie viele es gibt und wie es noch mehr werden könnten

Schließt im Dorf der letzte Nahversorger, bleibt den Menschen nur die Autofahrt zum nächstgelegenen Supermarkt. Oder: Sie eröffnen vor Ort einen eigenen Laden. Wie viele dieser Dorf- und Hofläden es in Sachsen-Anhalt gibt und wie sie langfristig wirtschaftlich überleben können, zeigt eine wissenschaftliche Studie.

Keine Arztpraxis, kein Friseur, kein Supermarkt: Diese Entwicklung erleben Dörfer in ländlichen, dünn besiedelten Regionen im Zuge des demografischen Wandels. Doch gerade eine intakte Nahversorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs ist ein ganz wesentlicher Faktor dafür, dass die Lebenssituation in ländlichen Regionen als zufriedenstellend empfunden wird.

Vielfach ist es dann das ehrenamtliche Engagement der Ortsansässigen, die die Rolle des Nahversorgers übernehmen. Sei es durch Fahrdienste in benachbarte Ortschaften oder einen eigenen Dorf- oder Hofladen. Außerhalb der drei großen kreisfreien Städte Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau, die über ein dichtes Netz an Einkaufsmöglichkeiten verfügen, existieren in Sachsen-Anhalts Landkreisen momentan über 100 solcher genossenschaftlich und oder individuell geführten Geschäfte:

Unterschied zwischen Dorfladen und Hofladen In der Wissenschaft wird unter einem Dorfladen ein stationäres Gewerbe verstanden, welches in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern Güter des täglichen Bedarfs anbietet.

Ein Hofladen hingegen führt nicht immer alle Waren des täglichen Bedarfs, sondern konzentriert sich meistens auf landwirtschaftliche Erzeugnisse eines oder mehrerer Betriebe aus der nahen Umgebung.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten durch kurze Öffnungszeiten

Entstanden ist die Dorf- und Hofladen-Übersicht im Rahmen eines Forschungsprojekts des TECLA e. V. – einem Verein, der sich der Unterstützung älterer und hilfsbedürftiger Personen in ihrem Bestreben nach einer autonomen Lebensführung verschrieben hat – in Zusammenarbeit mit der Hochschule Harz. Ziel der Forschenden war es, der Frage nachzugehen, inwieweit bereits existierende oder künftige Dorf- und Hofläden mithilfe technischer Aufrüstung in die Lage versetzt werden können, ihre Öffnungszeiten auszuweiten – und das auch ohne zusätzliches Personal.

Denn in den allermeisten Fällen haben die kleinen Geschäfte nur wenige Stunden am Tag geöffnet, sodass nicht alle Berufstätigen das lokale Einkaufsangebot wahrnehmen können und auf Supermärkte und Discounter in Nachbargemeinden ausweichen. Viele Geschäfte sind so dauerhaft in ihrer Wirtschaftlichkeit gefährdet. Abhilfe könnten Selbstzahlsysteme schaffen, die es theoretisch möglich machen, Geschäfte rund um die Uhr geöffnet zu lassen.

Moderne Bezahlsysteme können für mehr Kundschaft sorgen

Die Forschungsgruppe betont in ihrer Machbarkeitsstudie aber ausdrücklich, dass es nicht darum gehen soll, "das vorhandene Personal zu ersetzen oder dessen Einsatzzeiten zu reduzieren" – sondern um eine "echte" Erweiterung der Öffnungszeiten und die damit einhergehende Vergrößerung des Absatz- und Entwicklungspotenzials der Dorfläden als wichtige Nahversorger.

Ergebnis der Studie: Der Betrieb eines Dorfladens mit personalfreien Öffnungszeiten ist weder "unbezahlbarer technischer Wunschtraum" noch ein "unrealistisches ScienceFiction-Szenario", sondern bei vertretbaren Kosten mit bereits am Markt verfügbarer Technologie realisierbar. Wie das funktionieren kann, zeigt aktuell ein Beispiel aus Thüringen.

Im Mühlhäuser Ortsteil Grabe gab der Stadtrat grünes Licht für einen digitalen 24-Stunden-Markt. Zutritt erfolgt nach vorheriger Anmeldung mit einer Chipkarte, bezahlt wird an Selbstbedienungskassen:

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MDR THÜRINGEN JOURNAL So 12.09.2021 19:00Uhr 02:07 min

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Quelle: MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 07. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

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