Ein Clown für alle Fälle Nele Jäger aus Magdeburg ist staatlich anerkannte Clown-Schauspielerin

Stephan Schulz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es gibt Berufe, die sind so selten, dass man sich fast nicht vorstellen kann, dass es sie tatsächlich gibt. Zu diesen Berufen gehört auch der "staatlich anerkannte Clown". Nele Jäger hat eine Clownschule besucht und sich mit der Ausbildung einen Kindheitstraum erfüllt. Inzwischen ist sie mit ihrem Mann von Köln nach Magdeburg gezogen, wo sie erfolgreich als Clownin und Pantomimin arbeitet.

Nele Jäger verkleidet als Clown.
Nele Jäger ist für ein Studium nach Magdeburg gezogen und bringt jetzt anderen bei, Clown zu sein. Bildrechte: Patrick Wamsganz

Nele Jäger sitzt im Café Herzstück in Magdeburg und trinkt eine Maracuja-Schorle. Die 35-Jährige ist weder geschminkt noch trägt sie die für einen Clown typische rote Nase. "Man muss sich nicht verkleiden, um ein Clown zu sein", sagt sie. "Aber das innere Kind sollte man sich bewahren. Das ist eigentlich das Wichtigste."

Michael Prosi, der neben Nele Jäger sitzt und sich eine Tasse Kaffee gönnt, tiefschwarz und ohne Zucker, nickt bestätigend. Dann lachen die beiden, herzerfrischend wie Kinder. Sie sind ein Paar, nicht verheiratet, aber schon seit vielen Jahren zusammen. Fremden gegenüber sprechen sie von "meine Frau" und "mein Mann". "Wir lieben uns nicht auf dem Papier", sagt Nele Jäger, während aus ihren Augen der Schalk blitzt. Dann flüstert sie: "Wir lieben uns im Herzen." Wieder lachen beide, als würden sie die Welt und sich nicht allzu ernst nehmen.

Nele Jäger besitzt schon von Berufs wegen ein ausgeprägtes Unterhaltungstalent. Sie hat zwei Jahre eine Clownschule in Mainz besucht und darf sich seit ihrer bestandenen Abschlussprüfung "Staatlich anerkannte Clownschauspielerin" nennen. Michael Prosi, ihr Mann ohne Heiratsurkunde, ist nicht weniger talentiert. Er ist ausgebildeter Zirkuspädagoge und Artist. Die beiden waren viel auf Reisen. Sie haben in Köln, Berlin und in verschiedenen Städten in Frankreich und Spanien gelebt. Dabei hat Nele Jäger ihre ersten Erfahrungen als Clown gesammelt. Sie gab Workshops, trat in Variety-Shows auf und wirkte eine Saison lang im ersten deutschen Baumhaushotel bei Görlitz in der "Fantastischen Dinnershow" mit.

Clowns sind mehr als nur lustig

"Ich habe mir mit meinem Beruf einen Kindheitswunsch erfüllt", sagt die junge Frau. "Als kleines Mädchen habe ich mir oft von meinen Eltern Eintrittskarten für den Zirkus Roncalli gewünscht. Später, in der Schule, hatte ich dann einen Lehrer, der hat immer gesagt: Du musst auf die Bühne."

Nach zwei Jahren harter Ausbildung in Clownstechniken, Tanz, Gesang und Pantomime ließ sich Nele Jäger ihr Unterhaltungstalent staatlich zertifizieren. Dabei kommt bes aber gar nicht darauf an, ständig lustig zu sein und zu lachen. Diese Vorstellung vom Clown sei etwas antiquiert, sagt Nele Jäger.

Nele Jäger verkleidet als Clown.
Lebt ihren Traum als Clown: Nele Jäger. Bildrechte: Kristin Plumbohm

"Der Clown kann auch traurig sein, er kann wütend sein, denn er hat alle Gefühle, die wir auch haben. Beim Clown ist es nur so, dass alle Gefühle für ihn wichtig sind. Er denkt jetzt nicht, dieses oder dieses Gefühl ist unangebracht, das muss ich unterdrücken. So ist ein Clown nicht. Wenn ein Gefühl da ist, dann lebt er es auch aus." Raus aus dem Kopf, rein in den Körper, auf das eigene Herz hören, das sei das Wesen eines Clowns, sagt Nele Jäger. Und danach lebt sie.

Als sie in Köln einen gehörlosen Tänzer und eine gehörlose Tuchkünstlerin kennenlernte, wollte sie unbedingt deren Sprache erlernen. Und so traf sie die Entscheidung, nach Magdeburg zu ziehen, um hier, an der Hochschule Magdeburg-Stendal, Gebärdensprachdolmetschen zu studieren. Michael Prosi entschied sich kurzerhand, seinen Lebensmittelpunkt auch nach Magdeburg zu verlegen: "Ich bin quasi meiner Liebe hinterhergezogen."

Clown-Workshops für Schreibtischtäter und Co.

Nele Jäger verdient sich in der Elbestadt ihren Lebensunterhalt nun – neben dem Studium – mit Clownerie, Pantomime und Theaterauftritten. Und sie gibt Clown- und Pantomime-Workshops für Erwachsene, die in den Räumlichkeiten des Kulturkollektivs in der Arndtstraße in Magdeburg stattfinden. Ende Februar ist es wieder soweit, dann können Anfänger in die unendlichen Welten der Clownerie eintauchen.

"In meinen Workshops geht es darum, die Phantasie anzuregen. Ich helfe den Teilnehmern, in ihren eigenen Körper zu kommen, sich wieder mehr zu spüren und nicht so verkopft zu sein. Wir machen uns gemeinsam auf die Suche nach dem inneren Clown, um zu gucken, was in uns steckt." Das Clownsein erweckt eine ganz neue Lebensfreude, sagt Nele Jäger gern zu ihren Kursteilnehmern.

Und so tauchen Menschen aus ganz unterschiedlichen Motiven mit ihr in die Welt der Clownerie ein. Es gibt Büroangestellte, die sich vor ihren Computern langweilen und endlich mal wieder etwas Verrücktes machen wollen. Aber auch Teilnehmer, die später einmal als Klinikclown arbeiten möchten. Oder Schauspieler und Artisten, die ihre Auftritte etwas humorvoller gestalten wollen. Quasi jede Berufsgruppe klopft bei Nele Jäger an.

Mein Gefühl sagt mir, dass alles gut wird.

Michael Prosi Zirkuspädagoge
Ein Mann und Kinder halten ein Mädchen in die Höhe.
Michael Prosi übt mit Kindern Zirkusdisziplinen und schafft so unvergessliche Momente für Kinder, Eltern und Großeltern. Bildrechte: Nele Jäger

Sie ist ein Clown für alle Fälle, der das Beste aus Erwachsenen herausholt, während Partner Michael Prosi die Talente von Kindern fördert. Als Zirkuspädagoge arbeitet der 41-Jährige mit Schulen zusammen, um Kinder im Rahmen von Projektwochen oder Workshops in verschiedenen Zirkusdisziplinen zu unterrichten. Er reist aber genauso gern zu privaten Kindergeburtstagen und übt mit den Geburtstagsgästen zu jonglieren, aber auch das Balancieren auf einem Drahtseil, das Zaubern. Und er bringt ihnen bei, was ein kleiner Fakir können muss, um vor nichts in der Welt mehr Angst zu haben.

Über Nacht arbeitslos

"So ein Kindergeburtstag endet nicht selten mit einer unvergesslichen Zirkusvorstellung für die Eltern und Großeltern des Geburtstagskindes und mit glücklichen und stolzen kleinen Geburtstagsgästen", sagt Michael Prosi, für den es in der Corona-Pandemie nicht so gut lief. Fast alle Aufträge wurden abgesagt. Der Zirkuspädagoge war über Nacht arbeitslos.

Doch er hat nie seinen Optimismus verloren. "In diesem Jahr werden wir alle wieder auf die Bühne zurückkehren", sagt er, und es klingt, als meine er damit nicht nur sich und seine Frau, sondern alle Künstler, die wegen der hochansteckenden Fledermausviren nicht mehr arbeiten konnten. "Mein Gefühl sagt mir, dass alles gut wird", meint Michael Prosi. Und das ist ein Satz, den Nele Jäger gern hört. Denn wie sagt sie doch so gern: "Nicht der Kopf bestimmt das Leben eines Clowns, sondern das Gefühl."

MDR (Stephan Schulz, Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 20. Januar 2022 | 14:40 Uhr

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