Falschparker Wo, wann und wofür es die meisten Knöllchen in Magdeburg gibt

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Vom minimalen Ablaufen des Parkscheins bis hin zum vorsätzlichen Zuparken einer Feuerwehrzufahrt zählt der "Tatbestandskatalog für Verkehrsordnungswidrigkeiten" zahlreiche Park- und Halteverstöße. Mithilfe bislang unveröffentlichter Daten hat MDR SACHSEN-ANHALT Knöllchen-Hotspots in Magdeburg ermittelt und die Arbeit des Ordnungsamts überprüft.

Falschparker versperren Teile eines Radweges in Magdeburg.
Mehr als 200 "Knöllchen" werden an Falschparker pro Tag in Magdeburg verteilt. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Im Jahr 2020 sowie in der ersten Jahreshälfte 2021 sind in Magdeburg etwa 113.000 Park- und Halteverstöße geahndet worden. Anders ausgedrückt bedeutet das: An jedem einzelnen Tag wurden durchschnittlich rund 200 der umgangssprachlichen "Knöllchen" verteilt. Jedes Jahr fließen dadurch mehr als eine Million Euro in den Haushalt der Landeshauptstadt.

Zu jedem einzelnen dieser Knöllchen liegen MDR SACHSEN-ANHALT detaillierte Angaben des Ordnungsamts vor. Dazu gehören nicht nur Datum, Uhrzeit und Straßenname, sondern auch die genaue Bezeichnung des Delikts, die Höhe des festgesetzten Bußgelds und der Hersteller-Namen des Fahrzeugs. Gemeinsam mit vergleichbaren Zahlen aus den Jahren 2018 und 2019 lassen sich fünf wesentliche Fakten über Falschparker und die Arbeit des Ordnungsamts in Magdeburg ableiten.

1. Jedes dritte Delikt ist Parken ohne Parkschein

Obwohl im offiziellen Tatbestandskatalog mehr als 150 verschiedene Park- und Halteverstöße aufgeführt sind, ist das Parken ohne gültigen Parkschein das Delikt, das mit weitem Abstand am häufigsten geahndet wurde. Allein auf dieses Vergehen entfallen in Magdeburg etwa ein Drittel aller Knöllchen, die pro Jahr verteilt werden.

Weitere häufig geahndete Vergehen in den vergangenen Jahren waren das verbotswidrige Parken auf einem Gehweg sowie das unzulässige Abstellen des Fahrzeugs im eingeschränkten oder absoluten Halteverbot. All diese Delikte werden übrigens seit Inkrafttreten des neuen Bußgeldkatalogs im November 2021 mit deutlich höheren Strafen geahndet.

2. Die meisten Verstöße gibt es in der Altstadt

Der Großteil aller Knöllchen wird in Magdeburgs Altstadt verteilt. Welche Straßen genau die "Hotspots" der Parkverstöße sind, erfahren Sie im folgenden Video:

Ein Verkehrsschild, das Parkzeiten anzeigt 1 min
Bildrechte: MDR/Susanne Scharfenberg
1 min

In diesem Video sehen Sie, wo es die meisten Falschparker in Magdeburg gibt.

00:23 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/video-falsch-parken-magdeburg-100.html

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Video

3. Parkvergehen werden meist zwischen 7 Uhr und 19 Uhr registriert

Wir sind gerade dabei, die Verkehrsüberwachung so zu strukturieren, dass auch bis 22 Uhr der ruhende Straßenverkehr intensiver kontrolliert werden kann.

Gerd vom Baur – Leiter des ordnungsamtlichen Außendienstes in Magdeburg

Dieses Zitat stammt aus einem MDR-Interview im Dezember 2019 mit dem Leiter des ordnungsamtlichen Außendienstes in Magdeburg. Denn schon aus den Daten für das Jahr 2018 wurde ersichtlich, dass über 95 Prozent aller Knöllchen in Magdeburg im Zeitraum zwischen 7 Uhr und 19 Uhr verteilt wurden.

Damalige Begründung: Rund die Hälfte aller Knöllchen in Magdeburg ist auf Verstöße gegen Parkzeit-Regelungen zurückzuführen. Dazu gehören vor allem die Zonen, in denen tagsüber nur gegen Gebühr mit Parkschein geparkt werden darf. Innerhalb dieses Zeitraums – zum Beispiel zwischen 8 und 20 Uhr – werden dann sehr viele Delikte festgestellt, davor und danach nicht. Zudem sei nach 20 Uhr schlichtweg kaum noch Personal im Einsatz.

Mit Blick auf die Daten der Jahre 2020 und 2021 ist festzustellen, dass die vor mehr als zwei Jahren angekündigte Umstrukturierung der Kontrollen in den Abendstunden bis zur Jahresmitte 2021 nicht stattgefunden hat oder als solche zumindest nicht in den Daten des Ordnungsamts ersichtlich ist.

Die Frage nach dem "Warum" war Teil eines umfangreichen Fragenkatalogs von MDR SACHSEN-ANHALT an die Stadt Magdeburg. Trotz Erinnerung ließ die Stadt bis zum jetzigen Zeitpunkt die gestellten Fragen fast vollständig unbeantwortet.

4. Dienstag ist Knöllchen-Tag

Aus der Knöllchen-Analyse der vergangenen Jahre wird deutlich, dass an Wochenenden und insbesondere sonntags sowie generell an Feiertagen deutlich weniger Park- und Halteverstöße geahndet wurden als wochentags. Dienstags wurden über alle Jahre hinweg die meisten Knöllchen verteilt.

2019 begründete die Stadt diese Verteilung mit der Begründung, dass in vielen Bereichen am Wochenende keine Parkscheine gelöst werden müssen und es damit auch deutlich weniger Vergehen gibt. Darüber hinaus sei am Wochenende deutlich weniger Personal für Kontrollen verfügbar als unter der Woche. Ausnahmen davon seien Sondereinsätze bei größeren Ereignissen wie dem Weihnachtsmarkt sowie Sport- oder Musikveranstaltungen.

5. Auch Trabis bekommen noch ein Knöllchen

Neu in den Daten des Ordnungsamts für die Jahre 2020 und 2021 sind Angaben zum Fahrzeughersteller. Insgesamt entspricht die Verteilung der Parkvergehen dabei ungefähr auch dem Anteil der jeweils zugelassenen Fahrzeuge eines Herstellers in Sachsen-Anhalt.

So wurden sowohl 2020 als auch 2021 am häufigsten Fabrikate von

  • VW,
  • Mercedes-Benz,
  • Audi,
  • Skoda und
  • Opel


bei Park- und Halteverstößen registriert. Doch auch besonders alte oder teure Fahrzeuge bleiben nicht verschont. In den Daten finden sich beispielsweise sowohl Fahrzeug-Modelle von Trabant und Barkas als auch einige Ferraris, Maseratis und Rolls-Royce.

Völlig unabhängig vom Fabrikat erhält die Stadt Magdeburg regelmäßig Anzeigen eines Magdeburgers, der Falschparker zur Rechenschaft ziehen möchte. Was seine Beweggründe dafür sind und warum sowohl die Stadt als auch die Beschuldigten wenig erfreulich darauf reagieren, können Sie hier nachlesen:

Woher die Daten stammen

Die analysierten Daten werden in dieser Detailtiefe normalerweise nicht von der Stadt Magdeburg veröffentlicht. Ein Bürger der Stadt hat jedoch über die Webseite fragdenstaat.de von seinen Rechten gemäß Informationszugangsgesetz Gebrauch gemacht und "Rohdaten der Ordnungswidrigkeiten im ruhenden Verkehr" in Magdeburg bei der Stadt angefragt. Diese Daten lagen MDR SACHSEN-ANHALT exklusiv für eine Auswertung vor.

MDR (Manuel Mohr, Alexandra Ketterer, Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 05. März 2022 | 08:30 Uhr

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