Krankenhäuser in Magdeburg Trümper über Probleme bei Klinik-Fusion: "Wäre absoluter Vertrauensmissbrauch"

Thomas Vorreyer
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Die Fusionsgespräche zwischen dem Klinikum Magdeburg und dem Uniklinikum Magdeburg stagnierten lange. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper fordert jetzt eine klare Positionierung vom Land. Kritisch wertete Trümper Berichte über interne Aussagen des Vorstands des Uniklinikum. Der soll nun abgelöst werden, wenn es nach Linken-Fraktionschefin Eva von Angern geht. Aufsichtsratschef Armin Willingmann will sich vor der nächsten Sitzung des Gremiums nicht äußern.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper auf einer Pressekonferenz in Magdeburg am 27. Januar 2021
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Angesichts von Problemen bei der angestrebten Fusion zwischen dem landeseigenen Uniklinikum Magdeburg und dem städtischen Klinikum Magdeburg hat Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ein klares Bekenntnis der Landesregierung gefordert. Die Landesregierung müsse erklären, ob sie die Fusion wolle, so Trümper am Montag gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT. Ansonsten werde man nie zu vernünftigen Entscheidungen kommen.

Trümper: Brauchen nur einen Ansprechpartner

Trümper bestätigte, dass der Entwurf eines gemeinsamen Grundlagenvertrages aus dem Uniklinikum letzte Woche beim Klinikum Magdeburg eingegangen sei. Dieser hatte sich nach MDR-Recherchen monatelang verzögert, weil der Vorstand des Uniklinikums die medizinische Fakultät erst nachträglich umfassend in den Prozess eingebunden hatte. Trümper forderte zur Klärung der Verhältnisse auf. Man könne nicht mit Klinikumsvorstand und Fakultät gleichzeitig reden, sondern brauche "einen Ansprechpartner".

Ähnlich äußerte sich der Ärztliche Direktor des städtischen Klinikums, Jörg Franke. Er sagte außerdem: "Wir brauchen eine Aussage von beiden Eigentümerinnen, Stadt und Land, wohin sie wollen, was sie dafür benötigen." Über den nun vorliegenden Vertragsentwurf werde Ende April der Aufsichtsrat des Klinikums Magdeburg abstimmen.

MDR SACHSEN-ANHALT hatte zudem berichtet, dass im Uniklinikum der Wettbewerb mit dem städtischen Klinikum trotz der Gespräche zuletzt weiter angeheizt wurde. So sollen leitende Ärzte seitens des Klinikumsvorstands in einer internen Runde dazu aufgefordert worden sein, Patienten aus dem Klinikum Magdeburg "wegzuholen". "Wenn das stimmen sollte, wäre das ein absoluter Vertrauensmissbrauch", sagte Trümper.

Jörg Franke sieht den Fusionsprozess derweil nicht gefährdet:  Die Konkurrenz bestehe, die Notwendigkeit zum Zusammengehen aber auch.

Ziel: Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Uniklinikum und Klinikum Magdeburg streben eigentlich eine Zusammenarbeit "auf Augenhöhe" an. Ursprünglich wollte man binnen zwei Jahren klären, wie ein neues Großkrankenhaus aussehen könnte. Der Zeitplan sei laut Trümper nun aber nicht mehr zu halten. Unbeachtet dessen sollen die bisherigen Kooperationen in Bereichen wie der Gynäkologie oder der Kardiologie fortgesetzt werden.

Personelle Konsequenzen forderte die Chefin der Linksfraktion im Landtag, Eva von Angern. "Es muss jetzt vom Aufsichtsrat die Reißleine gezogen werden", sagte von Angern. Bisherige Versuche, für Ruhe am Uniklinikum zu sorgen, hätten in den letzten zweieinhalb Jahren nichts gebracht.

Am Uniklinikum Magdeburg verzögert sich derzeit ein wichtiges Bauprojekt erneut um mehrere Monate: Offenbar aufgrund von Fehlplanungen wird das neue zehn Millionen Euro teure Container-Bettenhaus zudem weniger Betten Platz bieten, als ursprünglich veranschlagt. Zudem herrscht in Teilen der Führungsebene allem Anschein nach eine feindselige Stimmung, die auch weitreichende Strukturreformen belastet.

Linke befürchten Abwanderung von Medizinern

Für den Fall, dass man jetzt nicht handle und den Ärztlichen Direktor und die Kaufmännische Direktorin nicht von ihren Aufgaben entbinde, erwartet von Angern deshalb einen großen Abgang bei der Ärzteschaft. Sie kündigte an, dass ihre Fraktion die Vorgänge in den Fachausschüssen des Landtags thematisieren wolle.

Selbiges plant die grüne Landtagsfraktion. Laut Olaf Meister, haushaltspolitischer Sprecher und Magdeburger Abgeordneter, sei eine bessere Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den beiden öffentlichen Klinika wichtig, um eine hochwertige Gesundheitsversorgung in der Stadt zu sichern. Noch stärkere Auseinandersetzungen "wären da nicht hilfreich, sondern verschärfen das Problem", so Meister.

Willingmann will sich vorerst nicht äußern

Der Vorsitzende des Aufsichtsrat des Uniklinikums, Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD), ließ die Recherchen unkommentiert. Man wolle nicht den Beratungen des Aufsichtsrats vorgreifen, hieß es aus seinem Haus. Dasselbe ließ Finanzminister Michael Richter (CDU) mitteilen. Auch er sitzt im Aufsichtsrat. Die nächste Sitzung des Gremiums ist derzeit für Mitte April geplant.

Update vom 22. März 2022, 19:00 Uhr: Wir haben den Beitrag seit erstmaliger Veröffentlichung um weitere Stellungnahmen ergänzt.

MDR (Thomas Vorreyer, Mario Köhne)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 21. März 2022 | 17:00 Uhr

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