Trockenheit und Dürre Wasserentnahmeverbot: Auf Kontrollgang im Salzlandkreis

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Es ist trocken, zu trocken. Flusspegel und Grundwasserstände sinken. Auch im Salzlandkreis. Dort hat der Landkreis in dieser Woche verfügt, dass von 8 bis 18 Uhr kein Brunnenwasser mehr abgepumpt werden darf. Aber halten sich die Anwohner auch daran? Die Behörden schauen nach. Ein Ortstermin im Salzlandkreis.

Wasserentnahmeverbot
Ines Helmecke vom Salzlandkreis dokumentiert und kontrolliert die Wassernutzung. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Die Sonne brennt und auf dem Zwiebelfeld vor uns, irgendwo im Salzlandkreis, wirft eine Pumpe Wasser auf die trockenen Pflanzen. Und das mitten in der Mittagshitze. Ines Helmecke, Sachgebietsleiterin bei der Unteren Wasserbehörde, ist die Beregnungsanlage sofort aufgefallen. Sie hält an, fotografiert, telefoniert. Sie fragt bei einer Kollegin nach, ob der Landwirt eine Ausnahmegenehmigung hat, auch tagsüber bewässern zu dürfen.

Das können wir ja prüfen, ob er in dieser Ausnahme auch eine Beregnungsverbotszeit hat, wenngleich es aus dem Bewusstsein heraus auch sein sollte, dass man nicht um diese Zeit beregnet, wenn es warm ist, selbst wenn ich Inhaber einer Erlaubnis bin.

Ines Helmecke Unteren Wasserbehörde Salzlandkreis

Und dafür gibt es Gründe. Die Grundwasserpegel sinken. Sie liegen deutlich unter dem langjährigen Mittel. Flüsse und Seen führen weniger Wasser. Seit dieser Woche gelten im Landkreis deshalb weitere Einschränkungen. Zwischen 8 und 18 Uhr darf kein Brunnenwasser mehr hochgepumpt werden. Es drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro.

"Hintergrund dieser Uhrzeit ist natürlich, wie es allen länglich bekannt ist, dass während der Tageszeit, wenn Sonne scheint, Wasser verdunstet. Das soll damit vermieden werden", sagt Thomas Michling, Fachbereichsleiter beim Salzlandkreis. Der Landkreis kann Ausnahmegenehmigungen erteilen "bei bestimmten Bereichen, die im gesamtgesellschaftlichen System tätig sind – Lebensmittelhersteller oder bestimmte Betriebe, die eben Wasser benötigen zu ihrer Produktion", erklärt Michling. Das seien aber Einzelfallentscheidungen.

Die Mitarbeitenden der Wasserbehörde halten die Augen offen, wenn sie im Landkreis unterwegs sind. Ines Helmecke schaut zum Beispiel nach Pumpen oder Schläuchen. Auf einem Feld am Rande eines Ascherslebener Ortsteils steht eine große Trommel.

Salzlandkreis Kontrolle des Wasserentnahmeverbots

Der vertrocknete Rasen eines Sportplatzes im Sommer.
Auch der Sportplatz in Atzendorf bräuchte dingend Wasser. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Der vertrocknete Rasen eines Sportplatzes im Sommer.
Auch der Sportplatz in Atzendorf bräuchte dingend Wasser. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Eine Beregnungsanlage, die tagsüber auf einem Zwiebelfeld läuft
Ein seltener Anblick in diesen Tagen: Eine Beregnungsanlage, die tagsüber auf einem Zwiebelfeld läuft. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Auf der rechten Bildseite ist ein bewässerter grüner Acker zu sehen, auf der linken  Bildhälfte ist ein ausgetrocknetes Majoranfeld.
Ein bewässerter Acker – daneben ein unbewässertes Majoranfeld Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
5.	Eine Beregnungsanlage auf einem Feld
Manche Landwirte haben eine Ausnahmegenehmigung und dürfen ihre Felder bewässern. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
 Ein Rohr kommt auf einem Feld aus dem Boden, damit wird Grundwasser gefördert.
Grundwasser hochzupumpen ist tagsüber im Landkreis nicht erlaubt. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Eine Frau steht an einem Dorfteich und schaut in die Kamera.
Ines Helmecke von der unteren Wasserbehörde des Salzlandkreises schaut auf den Pegel eines Dorfteichs Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
1.	Ein abgeerntetes Feld im Salzlandkreis – Niederschläge sind ausgeblieben.
  • Ein abgeerntetes Feld im Salzlandkreis – Niederschläge sind ausgeblieben.
Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Ein Dorfteich mit wenig Wasser.
Der Pegel des Dorfteiches liegt deutlich unter dem langjährigen Mittel. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Eine Frau steht mit dem Rücken zur Kamera und fotografiert einen Bewässerungsanlage auf einem Feld.
Ines Helmecke vom Salzlandkreis dokumentiert die Situation. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
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Auf einer Seite des Ackers: dunkler, bewässerter Boden. Dunkelbraun. Auf dem kargen Majoranfeld daneben bereiten Landarbeiter gerade die Bewässerungsanlage für den Abend vor. Ines Helmecke schaut vorbei, fragt nach, wie der Majoran wächst. "Wünschen Sie uns Regen", hört sie zum Abschied noch aus dem Führerhaus des Traktors.

Weiter geht die Fahrt durch trockene Landschaften. Die Dürre ist sichtbar: auf Äckern, auf Wiesen. Grün sind diese nur noch, wenn sie künstlich gewässert oder beregnet werden. Einigermaßen. Wie auf dem Sportplatz in Atzendorf. Am Rand des Platzes gibt es einen Brunnen. Auf dem Sportplatz liegen Schläuche: eine Beregnungsanlage. Den Rasen zu bewässern ist wichtig, damit er bespielbar bleibt.

Bewässerung ist auch eine logistische Aufgabe

Den Platz in der Mittagssonne zu sprengen – auf diese Idee wäre hier ohnehin niemand gekommen. Jetzt aber abends mit Brunnenwasser zu beregnen – frühestens ab 18:00 Uhr – das ist eine logistische Herausforderung für den Verein. Denn: Bis die Bewässerungsanlage durchgelaufen ist, dauert es Stunden, also bis weit in den Abend oder die Nacht.

Verdorrt ist der Rasen in so einigen Parzellen in einer Kleingartenanlage in Egeln. Ungefähr zwölf Gießkannen pro Tag brauche er, rechnet einer der Gärtner vor. Für Paprika, Sellerie, Kohlrabi. Im Garten gibt es einen Brunnen, wie in vielen Gärten hier. "Sie dürften sich schon die Fässer auffüllen, am Abend und damit gießen", sagt Ines Helmecke bei einem Gespräch am Gartenzaun.

Menschen haben Verständnis für Wasserentnahmeverbote

Das letzte Mal geregnet habe es hier vor zwei, drei Wochen, sagt eine andere Gärtnerin. "Unser Rasen sieht gerade eher nach Savanne aus", sagt sie. Gewässert wird nur, was später noch geerntet werden soll: Kartoffeln, Gemüse. Ines Helmecke ist nach der Fahrt durch den Landkreis zufrieden.

Ich bin sehr erfreut darüber, dass wir jetzt zuletzt bei der Kleingartenanlage, wo wir waren, auf Verständnis stoßen und es nicht so gesehen wird, man verbietet uns wieder was, sondern die Notwendigkeit gesehen wird.

Ines Helmecke Sachgebietsleiterin bei der Unteren Wasserbehörde

Ein Bewusstsein zu schärfen, für den Umgang mit Ressourcen, das ist ihr wichtig. Und dabei hilft es, im Gespräch zu bleiben.

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MDR (Tom Gräbe, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. August 2022 | 12:08 Uhr

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