Hilfsfristen Rettungsdienst und Notarzt in zu vielen Fällen zu langsam

In Sachsen-Anhalt gelten für Notärzte und den Rettungsdienst Hilfsfristen, also in welchem Zeitraum sie bei Notfällen am Einsatzort sein müssen. Zahlen aus dem Innenministerium für das vergangene Jahr zeigen: Oft können die Fristen nicht eingehalten werden.

Mann in Rettungsdienstjacke vor Rettungswagen
Notarzt und Rettungsdienst erfüllen in Sachsen-Anhalt oft nicht die zeitlichen Vorgaben. Bildrechte: dpa

Die sogenannte Hilfsfrist für den Rettungsdienst in Sachsen-Anhalt beträgt zwölf Minuten. In diesem Zeitfenster sollen die Retter bei Notfällen am Einsatzort ankommen. Bei Notärzten beträgt der Zeitraum 20 Minuten. Vorgabe ist, dass die Hilfsfristen in 95 Prozent der Fälle eingehalten werden sollen.

In unserem Podcast "Was bleibt" haben wir über das Problem auch 2020 schon berichtet:

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MDR SACHSEN-ANHALT Fr 03.07.2020 13:13Uhr 55:00 min

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Zahlen aus dem Innenministerium für 2021 zeigen jetzt: Weder Rettungsdienst noch Notarzt können die Vorgaben immer einhalten. Landesweit schafft es der Rettungsdienst nur in knapp 83 Prozent der Fälle, in weniger als zwölf Minuten vor Ort zu sein. Die Quote hat sich damit im Vergleich zu 2020 um einen Punkt verschlechtert. Notärzte konnten ihre Quote im vergangenen Jahr zu etwas mehr als 94 Prozent erfüllen. Das ist eine leichte Verbesserung um einen halben Prozentpunkt im Vergleich zu 2020.

Große Unterschiede bei Rettungsdienst

Beim Rettungsdienst schwankt die Einhaltung der Richtwerte zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt sehr stark. Während die Retter in Dessau-Roßlau in rund 92 Prozent der Fälle innerhalb der Vorgabe vor Ort sind (2020: 86 Prozent), beträgt die Quote im Jerichower Land nur etwas mehr als 68 Prozent (2020: 74 Prozent).

Bei den Notärzten ist die Schwankung etwas geringer. In der Börde sind die Ärzte fast in jedem Notfall innerhalb der geforderten 20 Minuten vor Ort: rund 98 Prozent (2020: 88 Prozent). Im Kreis Wittenberg schafften die Notärzte nur in rund 85 Prozent der Fälle die Einhaltung des Richtwertes (2020: 86 Prozent).

Die Zahlen hat erneut SPD-Landtagsmitglied Rüdiger Erben beim Innenministerium abgefragt. Bereits im vergangenen Jahr hatte er die Bilanz kritisiert. Sachsen-Anhalt trete bei der Einhaltung der Hilfsfristen auf der Stelle, sagte Erben damals. Das Netz der Rettungswachen und die Zahl der dort stationierten Rettungswachen seien zu klein. In diesem Jahr sagte Erben MDR SACHSEN-ANHALT, die Aufsichtsbehörden wie das Ministerium oder das Landesverwaltungsamt müssten dafür sorgen, dass die Fristen eingehalten werden.

Innenministerium verweist auf Kreise und Städte

Das Innenministerium hatte im vergangenen Jahr darauf verwiesen, dass die Hilfsfrist nur eine Planungsvorgabe für die Träger des Rettungsdienstes sei. Sie hätten die Rettungsmittel zu bestimmen, so dass unter gewöhnlichen Bedingungen die Fristen eingehalten werden könnten. Zudem seien die kreisfreien Städte und die Landkreise für die Organisation und die Finanzierung der Rettungsdienste zuständig.

MDR (Manuel Mohr, Mario Köhne)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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