Staatsanwaltschaft Stendal Gefälschte Impfpässe: Ermittlungen in fast 100 Fällen

Ein Mann steht vor einem Bücherregal
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Die Ermittlungen um eine 32-jährige Arzthelferin aus Stendal zu Impfpass-Fälschungen weiten sich aus. Mittlerweile konnte die Polizei fast 100 Fälle ermitteln, bei denen die Frau aus Stendal Impfpässe gefälscht haben soll. Außerdem wurde nun bekannt, dass die Frau eine kriminelle Vorgeschichte hat.

Es ist der bislang größte Fall von Impfpass-Manipulationen in Sachsen-Anhalt: Ende 2021 soll er sich in einer Stendaler Arztpraxis zugetragen haben. Eine Helferin hat nach ersten Ermittlungen der Polizei mutmaßlich Dutzende Impfpässe gefälscht.

Mittlerweile sind es 90 bis 95 Prüffälle, wie Staatsanwalt Thomas Kramer auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mitteilt. Es habe eine Wohnungsdurchsuchung bei der Frau gegeben, dabei seien massenhaft Unterlagen gesichert worden. Sichergestellt seien bislang vier falsche Impfausweise und zwei gefälschte Impfzertifikate.

Mutmaßliche Fälscherin vorbestraft

Unterdessen wurde auch bekannt, dass die 32-jährige mutmaßliche Impfpassfälscherin vorbestraft ist. Sie wurde im Sommer 2012 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, wie Staatsanwalt Kramer bestätigt. Die mehrfache Mutter wurde wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Sie hatte ihren drei Monate alten Sohn vernachlässigt und schlichtweg verhungern lassen. Strafmildernd wurde berücksichtigt, dass sie drogenabhängig war.

Wie die Frau bei den jetzt bekannt gewordenen Impfpass-Manipulationen vorgegangen ist, wollte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen. Dazu liefen noch Ermittlungen. Es könne sein, dass sich noch weitere Fälle ergäben. Der Staatsanwalt fordert involvierte Beteiligte dazu auf, sich zu melden. Dies könne strafmildernd berücksichtigt werden. Klar sei, dass die Frau gegen Geld die Manipulationen vorgenommen hat. In der Stendaler Arztpraxis hatte sie Zugriff auf erforderliche Stempel und Unterlagen.

Falsche Impfnachweise überregional vertrieben

Die bisher bekannten Fälle weisen darauf hin, dass die mutmaßliche Täterin in irgendeiner Weise Werbung für ihr Angebot gemacht haben muss. Gerade einmal die Hälfte der Prüffälle kommt laut Staatsanwaltschaft aus dem Raum Stendal, die übrigen Fälle sind überregional, teils aus anderen Bundesländern.

Heraus sticht dabei ein Mann, der 300 Kilometer aus Brandenburg angereist war, um sich eine nicht durchgeführte Impfung bestätigen zu lassen. Er sprach beim Arzt vor, legte Bargeld auf den Tisch und erbat das Zertifikat. Laut Staatsanwalt habe der Arzt das Geld zurückgewiesen und umgehend die Polizei eingeschaltet. Aufgeflogen waren die Fälschungen allerdings schon vorher. Eine Kollegin hatte Unregelmäßigkeiten registriert und ihrem Chef mitgeteilt.

Abnehmer traf auf Polizei

Der Mann aus Brandenburg kam sogar noch ein zweites Mal in die Praxis in Stendal und traf dort per Zufall auf einen ermittelnden Polizisten. Dieser fasste die Gelegenheit beim Schopfe und nahm den Mann mit auf die Wache, um diesen zu vernehmen.  

Bis zur möglichen Anklageerhebung in dem Fall werde es noch eine Zeit dauern. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen", sagte Thomas Kramer.

Bei den Empfängern der gefälschten Impfpässe und Zertifikate handele es sich um "Otto-Normalverbraucher", wie es der Staatsanwalt ausdrückte. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sich verstärkt Mitarbeitende etwa aus dem Gesundheits- und Pflegebereich darunter befänden. Für diese Personengruppe soll ab 16. März eine Impflicht für die Ausübung ihres Berufes eingeführt werden.   

MDR (Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 03. Februar 2022 | 06:30 Uhr

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