Antrieb der Zukunft Stendal: Comeback der Dampflokomotive – aber mit Wasserstoff

Ein Mann steht vor einem Bücherregal
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

In Stendal wird bei der Firma Alstom seit geraumer Zeit an der Umrüstung von Lokomotiven auf umweltfreundlichen Wasserstoffantrieb gearbeitet. Ein erster Prototyp ist nun fertig und soll innerhalb des nächsten Jahres zur Marktreife geführt werden. Wenn eine solche Hybrid-Diesel-Lok auf Wasserstoff fährt, dann dampft es ganz schön – und weckt nostalgische Erinnerungen.

Diesel-Lok der Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter
Diese Rangierlok ist vergleichsweise umweltfreundlich mit Wasserstoff unterwegs – ein erfolgreicher Prototyp aus Stendal. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

"Das ist die Dampflok 4.0", sagt Jörg Neubauer mit einem Augenzwinkern. Der Stendaler Standortleiter des Alstom-Konzerns ist stolz auf die Innovation, die in Stendal mitentwickelt und spätestens 2024 marktreif umgesetzt werden soll. "Die Innovation liegt darin, dass wir es geschafft haben, einen alten, dreckigen Dieselmotor dazu zu bewegen, mit grünem Wasserstoff emissionsfrei zu laufen", so Neubauer. Die Lok kann dabei Dampf ablassen, ohne die Umwelt zu belasten. 

Jörg Neubauer von Alstom
Jörg Neubauer von Alstom ist stolz auf die Leistung seiner Mitarbeiter. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Zwei Faktoren haben die Ideen der Ingenieure befeuert, eine solche Hybridlösung für Rangierloks zu entwickeln. Einerseits sind die Loks sehr stabil und damit bis zu 70 Jahre einsatzfähig. Das heißt, dass viele Loks mit umweltbelastender Technik noch lange Laufzeiten haben.

Andererseits werden Rangierloks oft nicht effizient genutzt. "Sie stehen zu 80 Prozent still", sagt Neubauer. Dadurch sei der Dieselbetrieb für die Fahrzeuge nicht nur umweltschädlich, sondern vor allem überdurchschnittlich teuer.

Umrüstung auf Wasserstoff ist nicht teuer

Da Rangierloks ohnehin alle fünf, sechs Jahre aufwändig gewartet werden müssten, werde die Umrüstung der Fahrzeuge gar nicht einmal übermäßig so teuer, sagt der Stendaler Alstom-Chef. Da darüber hinaus je nach Einsatzbereich für die Loks auch Steuerabgaben entsprechend der Emissionen gezahlt werden müssen, rentiere sich ein Wasserstoffantrieb noch umso mehr. Rangierloks werden vor allem in Häfen und auf Firmengeländen, aber auch beim Gleisbau und bei Waggonreinigungen eingesetzt.

Und wie "grün" eine mit Wasserstoff betriebene Lok ist, machen einige Zahlen des Unternehmens deutlich. So stoße eine Diesel-Rangierlok jährlich rund 150 Tonnen CO2 aus. Mit einer auf Wasserstoff umgerüsteten Lok könnten bei einer Restlaufzeit von 15-20 Jahren bis zu 3.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Dies entspreche dem Ausstoß von rund 650 Autos. Es müssten dafür laut Unternehmensangaben 200.000 Bäume gepflanzt werden, um diese Menge an CO2 zu sparen.

Potential für Umrüstung ist da

Der Prototyp, der jetzt fertig geworden ist, wurde von den Verkehrsbetrieben Peine Salzgitter zur Verfügung gestellt. Eine Lok mit 700 Kilowatt-Leistung. Der elektrobetriebene Dieselmotor wurde um einen Wasserstoffantrieb ergänzt. "Nur noch zum Anfahren oder bei Extrembelastungen wird der Dieselantrieb genutzt", sagt Neubauer. "Unser Ziel ist es, dass die Motorleistung durch den nicht abfällt", sagt Neubauer. Noch sei man bei 90 Prozent, aber mit der Fortentwicklung werde man die Lücke noch schließen, ist er optimistisch.  

Innerhalb des kommenden Jahres soll das Projekt marktreif werden und dann ab 2024 umgesetzt werden. "Es gibt europaweit rund 4.000 Rangierloks", sagt Neubauer. Er sieht für Stendal ein Potenzial von einem Viertel dieser Loks. "Das sichert hier die Arbeitsplätze für die nächsten fünf bis zehn Jahre." Rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Traditionswerk, wo bereits seit 1873 Loks und Waggons in Stand gesetzt und auch umgerüstet werden. Seit 2002 gehört das Werk zum französischen Alstom-Konzern.

Werkshalle für Lok-Umrüstungen in Stendal
Die Rangierloks werden in einer Werkshalle in Stendal umgerüstet. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Forschung ist Zusammenarbeit

"Das Wasserstoff-Projekt ist eine Gemeinschaftsarbeit", sagt Neubauer. Verschiedene Ingenieure von verschiedenen Institutionen haben daran mitgearbeitet, aus Sachsen-Anhalt auch die Firma WTZ Roßlau gGmbH. Ferner die Technische Hochschule in Braunschweig.

Clemens Laue vom Forschungsunternehmen WTZ Roßlau gGmbH zeigt die Werte des Wasserstoffantriebs an einem Terminal.
Clemens Laue vom Forschungsunternehmen WTZ Roßlau gGmbH zeigt die Werte des Wasserstoffantriebs an einem Terminal. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Assoziierte Partner sind das Fraunhofer-Institut für Schicht und Oberflächentechnik sowie die Robert Bosch Elektronik GmbH. Über die Stadt Salzgitter und deren Verkehrsbetriebe konnte Fördergeld des Landes Niedersachsen aus einem Strukturfonds in Höhe von 1,5 Millionen Euro eingeworben werden.

Der Einsatz von Wasserstoff bei Loks sei ausschließlich bei den kleineren Rangierloks sinnvoll. "Große Loks gehören an die Oberleitung, wenn sie umweltschonend sein sollen", sagt Jörg Neubauer. Das heißt, sie fahren dann mit Elektroantrieb.

Mehr zum Thema Wasserstoff in Sachsen-Anhalt

MDR (Bernd-Volker Brahms, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. November 2022 | 19:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/a002af7f-e7d4-4d9f-9737-a3c359fd1ec4 was not found on this server.

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Mehr aus Sachsen-Anhalt