Kontroverse um Denkmal Streit in Bautzen um Wiederaufbau der Bismarck-Statue

Eigentlich scheint es eine noble Sache: Ein Bautzener Verein will auf eigene Kosten ein Denkmal wieder herrichten lassen. Nur ist in diesem Fall die historische Person umstritten und das Ansinnen des Vereins durchaus auch politisch zu bewerten.

Eine Postkartenansicht vom Czorneboh mit der Bismarck-Statue
Ein Verein für Liedgut und Heimatpflege will auf dem Czorneboh das Bismarck-Denkmal wieder errichten. Das stößt auf Kritik. Bildrechte: privat

Als "Eiserner Kanzler" mit Pickelhaube, in Offiziersmantel und geschmückt mit einem Eisernen Kreuz - so stand Otto von Bismarck einst neben dem Turm auf dem Czorneboh. Der böhmisch-deutsche Künstler Anton Schwarz hatte ihn aus Sandstein gehauen. 1950 ist die Statue zerstört worden und nur der Sockel geblieben.

Jetzt will der AfD-nahe Gesangsverein "Bautzener Liedertafel" im Bautzener Stadtwald auf dem Czorneboh das Bismarck-Denkmal wieder errichten. Das soll auf private Kosten des Vereins geschehen. Bautzen müsse allein die Denkmalpflege übernehmen. Dem Projekt hat der Hauptausschuss der Stadt in der vergangenen Woche bereits zugestimmt. Doch dagegen gibt es Vorbehalte.

Sorbisches Institut: Beispiellose Geschichtsvergessenheit

So haben Wissenschaftler des Sorbischen Instituts "Bestürzung und Unverständnis" geäußert. Der Wiederaufbau zeuge von beispielloser Geschichtsvergessenheit, heißt es in einem offenen Brief des Instituts: "Der Beschluss hebt eine historische Persönlichkeit auf den Sockel, die nicht im geringsten als positiver Bezugspunkt der Erinnerungskultur einer demokratischen, solidarischen und weltoffenen Gesellschaft taugt."

Bismarck strebte Germanisierung nationaler Minderheiten an

Otto von Bismarck - preußischer Ministerpräsident und deutscher Reichskanzler - stehe für die Politik eines autoritären, nationalistischen Obrigkeitsstaats. Er habe nach außen "Blut und Eisen" und nach innen mit "Zuckerbrot und Peitsche" regiert. Abwechselnd richtete sich Bismarcks Politik gegen Katholiken, Liberale, Sozialdemokraten sowie nationale Minderheiten.

"Bismarck selbst und auch alle seine Nachfolger haben in der Lausitz die Germanisierung der Sorben verfolgt, genauso wie sie die Germanisierung anderer nationaler Minderheiten in Deutschland verfolgt haben. Da hat man sich besonders auf dem Feld der Schulpolitik sehr engagiert, hat also die polnische Sprache, die sorbische Sprache, die tschechische Sprache, die dänische Sprache auch die französische Sprache an Schulen verboten und darauf gedrungen, dass Schülerinnen und Schüler nur das Deutsche anwenden", sagt Kulturwissenschaftler Friedrich Pollack vom Sorbischen Institut in Bautzen. Er hält die Entscheidung, das Denkmal wieder aufzubauen für unzeitgemäß.

Der Aussichtsturm auf dem Czorneboh.
Am Aussichtsturm auf dem Czorneboh soll wieder ein Bismarck-Denkmal stehen, geht es nach dem Verein "Bautzener Liedertafel". Bildrechte: privat

Ablehnung auch von Seiten der Domowina

Aus ähnlichen Gründen lehnt auch die Domowina die Rückkehr von Bismarck auf den Czorneboh ab. "Ungeachtet aller alltäglichen Spannungen haben sich die europäischen Völker Gott sei dank vom Denken Bismarcks verabschiedet, dass Krieg Teil der Politik ist. Deshalb wollen wir Bismarck nicht einmal geschenkt haben", erklärt Dawid Statnik, der Vorsitzende des sorbischen Dachverbandes.

Oberbürgermeister verteidigt das Projekt

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) versteht die "Hysterie" nicht, wenn es um die Auseinandersetzung mit der Geschichte geht, wie er gegenüber MDR SACHSEN sagt. Er habe für das Denkmal gestimmt. "Wir müssen uns unserer Geschichte stellen. Und für mich ist eins Fakt: Bismarck war kein Verbrecher und wir müssen ihn auch nicht als solchen behandeln." So hebt der OB Bismarcks Verdienste in der Sozialpolitik hervor. Auf die kritischen Seiten der Politik des ehemaligen Reichskanzlers wolle die Stadt mit einer Texttafel hinweisen.

Alexander Ahrens
Auf die kritischen Seiten von Bismarcks Politik wolle man mit einer Texttafel hinweisen, kündigt Bautzens SPD-OB an. Bildrechte: imago images / xcitepress

Zu diesen kritischen Seiten gehört, dass Bismarck in der Arbeiterbewegung einen "Reichsfeind" sah. Dazu gehörte neben dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein auch die revolutionäre Sozialdemokratische Arbeiterpartei, aus der später die SPD wurde. Und der gehört Ahrens noch immer an.

Gesangsverein mit rechtskonservativer Ausrichtung

Die "Bautzener Liedertafel - Verein für Liedgut und Heimatpflege" steht nicht nur für Tradition, sondern sympathisiert auch mit einer Politik am rechtskonservativen Rand. Mitglieder sangen beispielsweise auf Kundgebungen der AfD und beteiligten sich an Pegida-Demonstrationen. Der Verein tagt im Büro des AfD-Kreisverbandes in Bautzen. Die Vereinsvorsitzende Monika Maschinsky will sich bei MDR SACHSEN nicht näher zum Aufbau des Denkmals äußern. Sie begründet das damit, dass das Vorhaben in der Stadt derzeit zu kontrovers diskutiert werde. "Wenn es der 'Bautzener Liedertafel' gelingt, die einst barbarisch zerstörte Bismarckstatue wiederherzustellen und aufzurichten, wäre einem großen Künstler unserer Heimat Gerechtigkeit wiederfahren [sic.] und Genüge getan für sein einstiges Schaffen", schreibt Maschinsky in einem Brief an den Oberbürgermeister.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport | 13. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/19705a91-de51-4822-b563-ec591d127d3c was not found on this server.

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen