Rückblick Im Impfzentrum Löbau geht das Licht aus

Mobiliar und Kabinen raus, Bestuhlung wieder rein. Im Impfzentrum im Messe- und Veranstaltungspark Löbau ist großes Ausräumen angesagt. Rund 200.000 Impfdosen gegen das Coronavirus wurden hier seit Jahresbeginn verimpft. Am Dienstag kurz nach 18 Uhr wurde offiziell der letzte Pieks gesetzt. Doch das Impfen geht in Löbau weiter.

Ein Mann wird geimpft
Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in den vergangenen Wochen und Monaten täglich im Einsatz, um im Kreis Görlitz gegen das Coronavirus zu impfen. Den vorerst letzten Pieks im Impfzentrum gab es am Dienstag gegen 18 Uhr. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Es ist ruhig am Mittwochvormittag am Messe- und Veranstaltungsgelände in Löbau. Gestern noch standen hier am Eingang der großen Halle Sicherheitsmitarbeiter. Heute sind nur wenige Menschen zu sehen. Fast alle gehören zum Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Zusammenpacken, sauber machen und Aufkleber entfernen stehe auf der Tagesordnung. Auch Tom hat eine Aufgabe bekommen: "Ich mach die Markierungen vom Boden ab, die die Leute geleitet haben durchs Impfzentrum, damit sie auch wirklich wissen, wo sie hin müssen."

Ruhe nach dem Ansturm

Damit wird er den ganzen Tag beschäftigt sein. Wenige Meter weiter entfernt Jörg Seeliger aufgeklebte orange Pfeile von den Betonsäulen. Er ist von Anfang an dabei gewesen. Jetzt sei er etwas wehmütig, erzählt er. "Gestern der Tag war schon ein bisschen ruhiger - so untereinander. Selbst beim Einlass habe ich gemerkt, bei der Security herrschte eine Ruhe hier vorne - ganz in sich gekehrt."

Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren täglich im Löbauer Impfzentrum im Einsatz. Verantwortlich für sie und den reibungslosen Ablauf war Mike Schnitter vom DRK. Er freute sich über jeden, der sich hier hat impfen lassen: "Positiv waren die Tage, wo richtig viel los war, wo du abends nach Hause gehst oder abends die Zahlen bekommst und weißt: Es sind hier über tausend Menschen geimpft worden. Es ist zwar anstrengend, aber du weißt, dass die Leute es wollten. Die haben das Angebot angenommen."

Unangenehmes im Gepäck

Doch Schnitter und sein Team erlebten auch unangenehme Stunden. "Schade sind all die Sachen, die menschlich nicht nachvollziehbar sind", erinnert er sich. "Also warum muss ich irgendwelche Waffen, irgendwelche gefährlichen Gegenstände mit zum Impfen nehmen? Oder komische Gegenstände, Elektroschocker, warum muss ich sowas einstecken haben?"

Ganz vorbei ist die Zeit des Impfens auf dem Messe- und Veranstaltungsgelände allerdings nun noch nicht. Obwohl das Löbauer Impfzentrum offiziell geschlossen ist, geht es weiter. Schnitter erklärt, mit der Messegesellschaft habe man einen speziellen Deal ausgehandelt: Wenn ein mobiles Impfteam, das eigentlich in irgendeiner Kommune unterwegs wäre, Kapazitäten hat, können bis Ende September auch hier noch Impfungen angeboten werden.

Angriffe und Auseinandersetzungen

Am Ende der Halle sitzen drei Mitarbeiter vom mobilen Impfteam des Landkreises Görlitz. Steffen Herrmann vom ASB ist einer von ihnen und berichtet: "Wir haben sehr negative Erfahrung gemacht die letzten Wochen." In Zittau und Seifhennersdorf seien sie dabei gewesen, als zu Angriffen auf das mobile Team bei Schüler-Imfungen gekommen war. "Wir haben es live miterlebt. Dass sie die Angriffe vor den Kindern durchgeführt haben, war das Schlimme." Es ist Herrmann anzumerken: Der Schock sitze bei seinem Team und ihm tief.

Angst ist da. Angstgefühl vor jedem nächsten Termin. Zittau und Seifhennersdorf waren schon die Ausnahme, obwohl das dann am Dienstag in Görlitz auch schon wieder anfing. Aber dann war der Streifenwagen - Gott sei Dank - gleich um 8 Uhr mit da.

Steffen Herrmann Arbeiter-Samariter-Bund

Mobile Teams weiter unterwegs

Schon beim Ausladen sei das Team angepfiffen worden, berichtet Hermann weiter. "Der Arzt wurde angegriffen, als er kam. Ich möchte nicht wiederholen, was sie dem zugerufen haben. Das ist schon schlimm." Trotz dieser Vorfälle werden die zwei mobilen Impfteams auch im Herbst im Landkreis Görlitz unterwegs sein. Geplant ist ihr Einsatz in unterschiedlichen Gemeinden, hauptsächlich in kommunalen Einrichtungen, wie Vereins- oder Rathäusern.    

Quelle: MDR/jc/kp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 22. September 2021 | 16:30 Uhr

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