Wiedereröffnung der Görlitzer Synagoge "Ein starkes Zeichen"

Vor 110 Jahren geweiht, überstand sie durch glückliche Umstände die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938. Zu DDR-Zeiten verfiel die Görlitzer Synagoge zunehmend. Ein Förderkreis bemühte sich nach der Wende um die Restaurierung und Nutzung des Baudenkmals, das sich im Besitz der Stadt befindet. Künftig wird die Synagoge als Kulturzentrum dienen, aber auch eine sakrale Nutzung ist vorgesehen.

Innenansicht der Synagoge Görlitz.
Blick in den Kuppelsaal: die festliche Wiedereröffnung der Synagoge am Montag. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Nach jahrelanger Sanierung ist die ehemalige Görlitzer Synagoge als Kulturzentrum wiedereröffnet worden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) rief dabei am Montagabend dazu auf, gegen Judenhass aufzustehen. "Antisemitismus ist ein Angriff auf Menschlichkeit, Demokratie und damit auf uns alle", sagte sie. Das Görlitzer Kulturzentrum könne einen Beitrag zur Wissensvermittlung leisten, gerade für Heranwachsende. Sie hoffe, dass die Geschichte des Ortes das Verantwortungsbewusstsein seiner Gäste schärft.

Alex Jacobowitz (r), Vorsitzender und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz, und Fritz Tarjan, Musiker aus Budapest, stehen vor Beginn der Wiedereröffnung vor der Synagoge.
Alex Jacobowitz (r.), Vorsitzender und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz, und Fritz Tarjan, Musiker aus Budapest, vor Beginn der Wiedereröffnungs-Feier. Bildrechte: dpa

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der aus Görlitz stammt, beschrieb die Anstrengungen rund um die Neueröffnung mit einem Vergleich: "Denkmalschutz ist wie eine Schwangerschaft. Man kann nicht halb schwanger sein." Außerdem sprach der CDU-Politiker vom "schönsten Bau zwischen Dresden und Breslau", der vor 30 Jahren noch eine "furchtbare Ruine" gewesen sei.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) nannte die Sanierung eine "unglaubliche Geschichte und ein starkes Zeichen". Feuerwehrleute hätten das Feuer der Progromnacht in dem Jugendstilgebäude gelöscht. Am Tag darauf sei der Davidstern abmontiert worden. Auch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland meldete sich zu Wort und sprach von einem "glücklichen Tag für Sachsen und Deutschland". Die Synagoge sei ein "eindrucksvoller Beweis, dass jüdisches Leben hierzulande blüht und trotz dunkler Epochen untrennbar zu Deutschland und Europa gehört".

12,6 Millionen Euro Gesamtkosten

Die Görlitzer Synagoge hatte als einzige auf dem Gebiet des heutigen Freistaats Sachsen die Pogromnacht vom 9. November 1938 überstanden. Die Jüdische Gemeinde musste sich 1939 auflösen, viele ihrer Mitglieder kamen in NS-Vernichtungslagern um. 1963 ging die Synagoge in das Eigentum der Stadt über und verfiel zusehends.

Der monumentale Jugendstilbau war seit 1991 in mehreren Etappen saniert worden. Die Gesamtkosten beziffert die Stadt Görlitz auf 12,6 Millionen Euro. Der Bund hatte die Arbeiten mit 2,8 Millionen Euro unterstützt. Viele Details im Innenraum konnten rekonstruiert werden wie auch die frühere  Wochentagssynagoge im Seitenflügel.

Görlitz - Kulturforum Görlitzer Synagoge
Bildrechte: Nikolai Schmidt

Kulturforum und Gebetshaus

Bis 2022 soll auch wieder der Davidstern auf der Kuppel glänzen. Für dessen Rückkehr haben die Gemeindemitglieder 70.000 Euro gespendet. In der kleinen Wochentagssynagoge gibt es auch künftig wieder Gottesdienste. Ansonsten soll die Synagoge als Kulturforum mit Veranstaltungen ein Ort der Begegnung sein.

Aufwendig saniert - zahlreiche Details, wie der "Löwenfries"
Die Einweihung der Synagoge am 7. März 1911 war ein großes Ereignis. Der farbige Kuppelbau mit der Farbigkeit im Inneren trägt die Handschrift der Architekten William Lossow und Hans Max Kühne. Ihr Büro entwarf auch das Dresdner Schauspielhaus und den Leipziger Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Alte Synagoge In Görlitz gibt es zwei Synagogen. Die Alte Synagoge in der Altstadt von 1853 wird heute als Literaturhaus genutzt.

Das griechische Wort "Synagoge" bedeutet soviel wie "Haus der Versammlung" oder "Haus der Zusammenkunft". Ein solches Versammlungshaus hatten die Juden in Görlitz schon im Mittelalter. Nach der großen Pest von 1348/49 vertrieb man sie aus der Stadt und für etwa 500 Jahre gab es keine jüdische Gemeinde, die in einer Synagoge zusammenkam.

Quelle: mdr/Literaturhaus Görlitz

Quelle: MDR/st

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