Gedanken am Totensonntag Corona: Wie das Schicksal eine Schwarzenbergerin herausfordert

Ab Montag müssen die Kinos in Sachsen erneut schließen. Auch Katharina Repp löscht das Licht in den vier Theatern im Erzgebirge und Vogtland, die sie seit nunmehr zehn Jahren betreibt. Zeit, inne zu halten nach einem schweren Jahr, in dem sie ihren Vater an Corona verlor und selbst schwer erkrankte.

Katharina Repp ist müde. "Ich hab keine Lust mehr. Es ist sehr anstrengend." Das Jahr war fordernd für sie. Sowohl privat als auch beruflich hatte sie viele Rückschläge zu verdauen. Nach zwei Jahren Pandemie hat sie, die alle in Schwarzenberg immer als positiven, lebensfrohen Menschen kennen und schätzen, einfach genug.

Erfolgreiches Kino in der Provinz

Vier Häuser unterhält die 34-Jährige in Schwarzenberg, Auerbach, Annaberg und Schneeberg. Seit zehn Jahren beweist sie, dass Kino in der Provinz funktionieren kann. Doch seit dem letzten Jahr muss auch sie ums Überleben kämpfen. "Ich bin in gewisser Weise froh, dass wir jetzt dicht machen", sagt Repp. "Wenn teilweise nur noch zwei oder acht Leute da sind, weißt du gar nicht mehr, wozu du den Strom einschaltest. Wenn so wenig Leute kommen, wie willst du denn da auch deine Mitarbeiter motivieren?"

2G ist für sie keine Lösung für die derzeitige Situation. "Es gibt hier einfach zu wenige, die geimpft sind", sagt Repp. Dabei sah es im Sommer noch gut aus für die Kinobetreiber. Die Fallzahlen waren niedrig, die Besucherzahlen hoch, die Maskenpflicht wurde gelockert. Doch damit kam der Leichtsinn. "Ich habe das ganz klar beobachtet: Es wurde kein Abstand mehr gehalten, als es ein bisschen lockerer wurde. Ich war dann auch sehr erschrocken, als die am Tresen alle so nebeneinander standen. Da habe ich dann gefragt: Wollt ihr nicht doch mal Abstand halten? Die Pandemie ist noch nicht vorbei."

Da wird man dann gleich hingestellt, als ob man übertreibt. Und ich kann ganz klar sagen: Nein. Ich war auch gerade 14 Tage in Quarantäne und hatte einen schweren Verlauf, trotz Impfung.

Katharina Repp Kinobetreiberin

Der Tod ihres Vaters

Für Katharina Repp ist es selbstverständlich, dass sie geimpft ist. Im Oktober starb ihr Vater an den Folgen einer Corona-Infektion. "Mein Vater war schwer krank und ich habe versucht, ihn impfen zu lassen, aber keinen Termin bekommen. Als er sich hätte impfen lassen können, durfte er es nicht mehr. Die Ärzte haben ihm am Ende ganz klar gesagt, ihm wäre viel erspart geblieben."

Im Sommer war ihr Vater auf der Palliativstation. Er erhielt eine Chemotherapie und erlitt infolge dessen mehrere Schlaganfälle. Als es ihm ein wenig besser ging, kam er nach Hause, um zumindest die Einschulung der Enkeltochter miterleben zu können. Als er schwere Erkältungssymptome zeigte, kam er zurück ins Krankenhaus. "Der Coronatest war positiv und man hat ihm gleich Entzündungshemmer gegeben." Als es ihm wieder besser ging, kam er zurück nach Hause. Der Plan war, eine erneute Chemotherapie und die Coronaimpfung, sobald der Körper wieder in der Lage ist, Antikörper zu bilden. Doch als er ins Krankenhaus kam, infizierte er sich erneut mit dem Virus. "Er hatte dann einen schweren Verlauf und hat am Ende selbst entschieden, zu gehen."

Auch die Kinobetreiberin erkrankte

Gut eine Woche nach dem Tod ihres Vaters erlitt Katharina Repp selbst eine schwere Corona-Infektion. Ihre Tochter hatte das Virus aus dem Hort mitgebracht. "Mir ging es wirklich richtig schlecht. Das Herzstolpern war das Schlimmste. Ich habe im Kino angerufen und meinen Mitarbeiter gebeten, mir Schmerzmittel aus der Apotheke zu holen, weil ich nicht mal die Treppe raufkam." Zwei Wochen lang hatte sie mit dem Virus zu kämpfen. Die Folgen merkt sie noch heute. "Ich bin oft müde und habe mit der Lunge zu kämpfen."

Im Gespräch mit Impfgegnern

Wenn sie jetzt in ihrem Umfeld Menschen wahrnimmt, die eine Impfung ablehnen, erzählt sie ihre Geschichte. "Ich akzeptiere die Meinung von anderen. Wir streiten uns schon viel zu viel in unserer Gesellschaft. Ich halte mich da zurück, sage aber auch ganz klipp und klar, wie es mir erging."

Wenn ich Leute höre, die sagen: Da liegen ja auch Geimpfte mit Corona auf der Intensivstation, dann weiß ich, die haben vielleicht Krebs und deren Immunsystem ist dermaßen desolat – natürlich liegen die da.

Katharina Repp Kinobetreiberin

Sicherer Ort Kino

Die Kinobetreiberin fügt sich in ihr Schicksal. Jede Auflage hat sie umgesetzt, auch wenn die Regeln mit jeder neuen Schutzverordnung komplizierter werden, sagt sie. Dafür, dass etwa die Gastronomie geöffnet bleiben kann, Kulturstätten jedoch schließen müssen, hat sie kein Verständnis. "In den Kinos herrschen die strengsten Auflagen", sagt Repp. "Wir haben uns entschieden, die Trauerfeier für meinen Vater nicht in einer Trauerhalle zu machen, wo es keine Lüftung gibt und 3G herrscht. Ich habe gesagt, wir machen das im Schneeberger Kino. Die Lüftung dort ist die modernste, die es gibt. Da drinnen habe ich weniger Angst als woanders." Es wurde ein würdevoller Abschied für den Vater, mit dem sie das Kino gemeinsam aufgebaut hatte.

Lage für viele Existenzbedrohend

Die erneute Schließung der Kinos ist auch für Katharina Repp ein harter Schlag. "Ich mache mir schon sorgen, wie ich über den Sommer kommen soll", gibt sie zu. "Die Kinos bauen sich in der Regel einen Puffer auf, wenn es im Sommer zu heiß sein sollte, damit wir dann gut in den Herbst starten können. Es wird schwierig werden und es ist schon schwierig."

Im Moment hofft sie noch, dass sie ihre Häuser spätestens am 15.12. wieder öffnen kann. Dann starten die ganz großen Filme wie etwa der neue "Spider-man", "Matrix: Resurrections" oder Steven Spielbergs "West Side Story" – Titel, die wichtig sind für das Überleben der Kinos. Aber Repp bleibt realistisch: "Wir gehen davon aus, dass wir länger zumachen müssen und noch mehr Einrichtungen geschlossen werden. Letztes Jahr haben sie uns gesagt: Ihr schließt einen Monat. Am Ende waren wir über ein halbes Jahr zu. Mal sehen, wie lange es diesmal dauert. Vielleicht sind es nur vier Monate."

Katharina Repp, Kinobetreiberin
Bildrechte: privat

Ich hoffe, dass wir jetzt nach vorne schauen können. Es wird weitergehen, aber wir müssen durchhalten. Wir schaffen das schon irgendwie, wenn wir zusammenhalten.

Katharina Repp Kinobetreiberin

In den kommenden Tagen will sie erst einmal zur Ruhe kommen, es sich in ihrem Kino gemütlich machen und all die Filme schauen, die sie zuletzt verpasst hatte.

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