Auszeichnung Chemnitz dankt engagierten Bürgern mit Friedenspreis

Eigentlich wird der Chemnitzer Friedenspreis immer am 5. März zur Erinnerung an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg verliehen. Pandemiebedingt musste der Festakt um einige Monate verschoben werden. Doch nun wurde gefeiert. Den Hauptpreis erhält ein Verein, der schwerkranken Menschen eine Stimme gibt.

Verleihung des 19. Chemnitzer Friedenspreises im Stadtverordnetensaal des Rathauses. Die Ehrenpreisträgerin 2022 ist Renate Aris (l.), die hier von Sven Schulze, Oberbürgermeister, geehrt wird.
Für ihre Arbeit im Jüdischen Frauenverein und ihr Engagement an Schulen wurde die Holocaustüberlebende Renate Aris von dem Chemnitzer OB Sven Schulze mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Bildrechte: Kristin Schmidt

In Chemnitz ist am Donnerstagabend der 19. Friedenspreis vergeben worden. Drei engagierte Menschen, ein Verein und eine Arbeitsgruppe sind in diesem Jahr geehrt worden, teilte die Stadt Chemnitz mit. Initiiert wird die Verleihung seit 2004 vom Bürgerverein "Für Chemnitz". Dieser ehrt Menschen oder Initiativen, die sich für Demokratie, Toleranz, Integration und karikative Arbeit einsetzen.

Aufklären der Vergangenheit wegen

Mit dem Ehrenpreis wurde in diesem Jahr Renate Aris für ihre Lebensleistung ausgezeichnet. Die Preisträgerin wurde im Jahr 1936 in Dresden geboren. Sie schaffte als Kind, was sechs Millionen anderen Juden nicht gelang: Sie entging der Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten im Konzentrationslager und konnte sich verstecken. Aris überlebte den Luftangriff auf Dresden und kam 1969 nach Karl-Marx-Stadt. Seitdem gestaltet sie das Leben in der kleinen jüdischen Gemeinde aktiv mit. Renate Aris gründete dort auch den Jüdischen Frauenverein. Ihr wichtigstes Anliegen: aufklären. Unermüdlich geht sie in Schulen und beantwortet als Zeitzeugin die Fragen junger Menschen, lobte die Friedenspreisjury. Außerdem organisiert sie Führungen durch die Chemnitzer Synagoge.

Herzenswünsche Schwerkranker erfüllen

Den ersten Preis erhielt der Verein Lukas Stern. Der im Jahr 2016 gegründete Verein will die Herzenswünsche schwer erkrankter Menschen erfüllen. Die zehn ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins kümmern sich dabei vor allem um Kinder und Jugendliche. Sie führen Menschen zusammen, die helfen können und Betroffene, die Hilfe benötigen. Durch sein Engagement macht der Verein auf das Schicksal leidender Menschen aufmerksam.

Mit großem persönlichen Einsatz sorgen sie dafür, dass leidende Menschen gehört werden und etwas abbekommen vom Glück.

aus der Laudatio der Jury für den Lukas Stern e.V.

Verleihung des 19. Chemnitzer Friedenspreises im Stadtverordnetensaal des Rathauses. Mit dem ersten Preis wurde in diesem Jahr Lukas Stern e. V. ausgezeichnet.
Annette Neuerburg, Christian Frank und Daniela Lieberwirth (v.li.) vom Verein Lukas Stern e. V. erhielten den ersten Preis. Der 2016 gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Herzenswünsche Schwerkranker zu erfüllen. Bildrechte: Kristin Schmidt

Herzlichkeit als Botschaft aus Chemnitz

Mit dem zweiten Preis wurde Hans Viktor Alexis Fährmann ausgezeichnet. Fährmann setzt sich für Werte wie gegenseitiges Verständnis, Verständigung und gegen Vorurteile ein. Diese Werte vertritt er auch über die Stadtgrenze von Chemnitz hinaus. Sein größtes Projekt: Ein Couchsurfing-Netzwerk mit 4.000 Gastgebern in Chemnitz. Über dieses können Reisende über das Internet eine kostenlose Unterkunft bekommen.

Notleidenden Kindern helfen

Den dritten Preis hat die Jury an die Unicef AG Chemnitz verliehen. Die Arbeitsgruppe setzt sich seit mehr als 30 Jahren weltweit dafür ein, dass Kinderrechte umgesetzt und geschützt werden. Dabei fördert sie Bildungsprojekte, Schulneubauten und die Bildung von Kindern in Krisengebieten. In Schulen in Chemnitz und Umgebung klärt die Arbeitsgruppe Kinder und Jugendliche über ihre notleidenden Altersgenossen in Entwicklungsländern auf. Zudem sammeln die Unicef-Engagierten Spenden.

Erinnerung visuell erlebbar machen

Für seinen selbst gedrehten Film wurde der Gymnasiast Jakob Dost mit dem Kinder- und Jugendpreis ausgezeichnet. Der Schüler erkundete die Geschichte der Jüdischen Gemeinde von Chemnitz. Das Ergebnis ist der Film "Wir bleiben da - 135 Jahre jüdische Geschichte Chemnitz". Darin erzählt der junge Filmemacher die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Chemnitz informativ und bilderreich. Zudem geht er auf die Herausforderungen ein, vor denen die Gemeinde steht.

Chemnitzer Friedenspreis für 2023 ausgelobt

Der Chemnitzer Friedenspreis 2023 wurde bereits ausgelobt. Der Preis wird im nächsten Jahr zum 20. Mal vergeben. Bewerbungen und Vorschläge können ab sofort eingereicht werden. Vorschläge bis 16. Januar 2023 per E-Mail an: bv-fuer-chemnitz@gmx.de.

MDR (phb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten des Studios Chemnitz | 01. September 2022 | 18:30 Uhr

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