Gesichtserkennung Polizei Chemnitz setzt auf Super-Recognizer

Im Krimi sind sich Zeugen bei Gegenüberstellungen oft nicht sicher, ob sie eine verdächtige Person wiedererkennen. In der Realität sieht das oft nicht anders aus. Nur wenige Menschen besitzen die Fähigkeit, sich Gesichter genau einzuprägen. Die Polizei Chemnitz hat diese sogenannte Super-Recognizer im Einsatz, die sich Gesichter perfekt merken und so bei der Aufklärung von Straftaten helfen.

In einer unscharfen Masse von Demonstranten sind zwei einzelne Köpfe scharf, rot eingekreist und mit Pfeil versehen
Super-Recogniser können Personen auf Videomaterial wiedererkennen. (Die erkennbaren Personen wurden von der Redaktion zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte verfremdet) Bildrechte: MDR/dpa

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Bei der sächsischen Polizei werden im Kampf gegen Kriminelle sogenannte Super-Recognizer eingesetzt. Diese Menschen besitzen die Fähigkeit, sich Gesichter überdurchschnittlich stark einprägen und sie später wiedererkennen, auch wenn sich die Person äußerlich verändert hat.

Die Polizeidirektion Chemnitz teilte dazu am Donnerstag mit, dass sich für ein entsprechendes Pilotprojekt mehr als 800 Polizisten einem wissenschaftlichen Test der Universität Greenwich unterzogen haben. Bei 23 der Beamtinnen und Beamten wurden diese besonderen Fähigkeiten nachgewiesen.

Super-Recognizer Super-Recognizer haben die angeborene Fähigkeit, ein Gesicht unter Tausenden wieder zu entdecken. Sie sind im Gegensatz zu anderen Menschen besonders gut darin, Gesichter auch nach Jahren wiederzuerkennen, auch wenn sich die Personen äußerlich verändert haben.
Bisher weiß man wenig darüber, ob und was im Gehirn von Super-Recognisern anders abläuft als bei "normalen" Menschen. Quelle: Stangl – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Chemnitzer Kripo-Chefin Kürschner: Wir sind begeistert von diesen Fähigkeiten

Zum Zug kommen sie demnach bei der Auswertung von Videoaufzeichnungen oder bei der Suche nach Tatverdächtigen, die in polizeilichen Systemen nicht mit Bild erfasst sind. So sei es einer Wiedererkennerin, wie die entsprechenden Beamtinnen und Beamten auch genannt werden, gelungen, einen Ladendiebstahl in Chemnitz aufzuklären. Sie erkannte den zuvor nicht bekannten und vermummten Täter auf Bildern mehrerer Überwachungskameras.

"Wir sind begeistert von diesen Fähigkeiten", schwärmte die Leiterin der Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz, Kriminaldirektorin Mandy Kürschner. Mithilfe der Spezialisten sei es in vielen Fällen schneller und effektiver möglich, Straftäter zu identifizieren. Zudem könnten sie helfen, unbekannte Zeugen oder Opfer von Straftaten ausfindig zu machen.

Diebstahl im Laden
Eine Chemnitzer Wiedererkennerin konnte einen Ladendieb auf Überwachunsbildern identifizieren. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox.com

Wir sind begeistert von diesen Fähigkeiten.

Mandy Kürschner Leiterin der Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz

"Wiedererkenner" der Chemnitzer Polizei entdecken Fußball-Gewalttäter

Seit Jahresbeginn wird bei der Polizeidirektion Chemnitz diese Fähigkeit zur Aufklärung von Straftaten eingesetzt. Dazu arbeiten zwei Chemnitzer Polizisten hauptamtlich als sogenannte Wiedererkenner, die anderen werden bei Bedarf herangezogen. Wie die Polizei weiter mitteilt, hätten die Spezialisten hätten etwa die Soko "Hauptallee" in Dresden unterstützt, um auf vielen Stunden Videomaterial Gewalttäter der Ausschreitungen rund um das Fußballspiel von Dynamo Dresden gegen Türkgücü München im Mai 2021 ausfindig zu machen. Das sei erfolgreich gewesen, sagte der wie Soko-Leiter Enrico Lange. "Wir hatten ein kurzes Video, auf dem 42 meist vermummte Randalierer zu sehen waren." Sie zu identifizieren, sei für Ermittler eine Sisyphusarbeit. "Irgendwann kamen wir nicht mehr weiter", sagte Lange, doch mit Hilfe der Wiedererkenner sei es gelungen, 33 der 42 Personen aus dem Video zu identifizieren.

Fans von Dynamo Dresden werfen Holzpfähle in Richtung der Polizei
Um die Täter der Ausschreitungen nach dem Spiel Dynamo Dresden gegen Türkgücü München zu ermitteln, setzte die Polizei erfolgreich Wiedererkenner ein. Bildrechte: dpa

Das Projekt zu den Wiedererkennern läuft zunächst bis Jahresende, dann müsse das Innenministerium entscheiden, wie es damit weiter gehe, hieß es. Lange sprach sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen dafür aus, solche Spezialisten auch in anderen Polizeidirektionen zu etablieren.

Wiedererkenner ermitteln auch in anderen Bundesländern

In anderen Bundesländern sind Super-Recognizer bereits seit einigen Jahren fester Bestandteil der Ermittlerteams. In Nordrhein-Westfalen setzte man bereits nach den Ausschreitungen in der Kölner Silvesternacht 2015 Wiedererkenner, die aus Großbritannien geliehen wurden, ein, um Verdächtige zu finden. In Baden-Württemberg werden seit 2021 bereits bei der Ausbildung der Beamten solche Wiedererkenner identifiziert und in den entsprechenden Bereichen eingesetzt. Die Berliner Polizei ist zur Zeit auf der Suche nach entsprechend talentierten Polizistinnen und Polizisten.

An der University of Greenwich ist ein Online-Test für jedermann abrufbar, bei dem man selbst seine Fähigkeiten bei der Gesichtserkennung testen kann.

MDR dpa/(tfr)

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