Ukraine-Konflikt Ukrainerin aus Chemnitz: "Es ist wie in einem Film"

Am frühen Donnerstagmorgen hat das russische Militär begonnen, Ziele in der Ukraine anzugreifen. Veronika Smalko vom Verein AG Ukraine-Chemnitz-Europa e.V. und gebürtige Ukrainerin steht in ständigem Kontakt mit ihren Verwandten und Bekannten vor Ort. MDR SACHSEN hat mit ihr am Donnerstagvormittag gesprochen.

Veronika Smalko vom AG Ukraine-Chemnitz-Europa e.V., eine Frau mit dunkelblonden Haaren, trägt eine Ukraine-Fahne um die Schultern.
Veronika Smalko am Sonnabend auf der Kundgebung in Chemnitz. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

"Ich habe Angst um Familie und Freunde in der Ukraine", erzählt Veronika Smalko vom Verein AG Ukraine-Chemnitz-Europa e.V.. Sie entschuldigt sich vorab, dass sie immer weinen muss, wenn sie darüber spricht. "Das Gefühl kann man nicht beschreiben", sagt sie.

Ihr Bruder hat sie erst vor kurzem mit seiner Frau und seinen Kindern in Chemnitz besucht. Er ist zurück in Kiew, Frau und Kinder sind noch bei Smalko und ihrer Familie geblieben.

Raketen in Kiew zu hören

Sie steht in ständigem Kontakt mit ihrem Bruder. "Er hat heute Morgen erzählt, dass er in Kiew die Raketen hören kann", so Smalko. "Und das liegt nicht direkt an der Grenze." Bis zum Schluss habe die Bevölkerung nicht wirklich daran geglaubt, dass der Krieg wirklich ausbrechen würde.

Mein Bruder hat gesagt, wenn ihm etwas passiert, soll ich mich um seine Kinder kümmern. Darüber weine ich sehr.

"Sie sind nicht vorbereitet, haben keine Lebensmittel und kein Wasser gekauft", sagt Smalko. Laut ihrem Bruder bilden sich lange Schlangen vor Lebensmittelläden und Tankstellen. Ob sie allerdings öffnen, ist unklar. Das Benzin an den Tanksäulen sei nahezu leer.

Menschen suchen Schutz in Kellern und Krankenhäusern

"Viele haben ihre Sachen gepackt und wollen nach Westen", erzählt die gebürtige Ukrainerin. "Allerdings gibt es in Kiew einen großen Stau, niemand kommt raus." Die Menschen seien beunruhigt, würden überlegen, wo die nächsten Keller sind, in denen sie Schutz suchen könnten. Eine Bekannte von Smalko, die unweit der Grenze lebt, sitze mit anderen in einem Krankenhaus - in der Hoffnung, dass ein Krankenhaus nicht bombardiert wird.

Wenn mir momentan jemand aus der Ukraine schreibt, ist es wie in einem Film. Ich kann es einfach nicht glauben.

Viele ihrer Bekannten, alle Männer und manche Frauen, wollen kämpfen. "Auch Menschen, die vorher nie zur Armee gehen wollten", sagt Smalko. Sie habe Bekannte, die 2014 nach der Besetzung der Krim umgezogen seien. "Die sagen, sie wollen jetzt keinen Schritt zurückweichen."

Sie und alle ihre ukrainischen Bekannten in Deutschland sitzen die ganze Zeit vor dem Fernseher und verfolgen die Nachrichten. "Und wir schreiben uns, wenn wir etwas Neues aus dem Land gehört haben", sagte sie. "Alle weinen alle zwei Minuten."

Enttäuscht von der Welt

Neben der Trauer und der Fassungslosigkeit herrscht auch Wut. "Wir haben acht Jahre lang versucht zu erklären, was in der Ukraine passiert", sagt Smalko. Es sei nicht plötzlich passiert. "Wir haben trotz allem gedacht, dass wir nicht alleine sind und sind jetzt sehr enttäuscht von der Welt."

Ihr Verein leistet auch humanitäre Hilfe in der Ukraine. Zurzeit würden sie allerdings abwarten. "Wir wissen nicht, was passiert und wo genau Hilfe nötig sein wird", erzählt Smalko. Bereits 2014, als Russland die Krim annektierte, leistete ihre Verein Hilfe. "Daher haben wir große Erfahrung." Sie müssten etwas tun, um zu helfen. "Nur sitzen und Nachrichten schauen, würden wir nicht überleben", so Smalko.

MDR (al)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 24. Februar 2022 | 19:00 Uhr

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