Rechtsextremismus Schulterschluss von Freien Sachsen und AfD bei Demo in Zwickau

Bei einer Demonstration in Zwickau hat sich am Sonntag gezeigt: Die Freien Sachsen und die Alternative für Deutschland (AfD) rücken erneut öffentlich zusammen und formulieren neben Regierungskritik auch den Vorwurf, deutsche Politiker würden gegen das eigene Volk handeln. Gegenprotest gab es kaum. Anders in Plauen: Dort gab es mehrere kleine Kundgebungen gegen den Demonstrationszug der rechtsextremen Kleinstpartei "Dritter Weg". Die sorgte 2019 für einen Eklat. Wie verlief es dieses Jahr?

Menschen mit Transparenten
Die Freien Sachsen und die "Volksstimme Bürgerbündnis Zwickau" ziehen durch Zwickau. An der Spitze läuft Jörg Reichenbach (l.), Mitglied im AfD-Kreisverband in Zwickau. Er sprach auch auf einer Kundgebung auf dem Zwickauer Markt. Bildrechte: av Chemnitz

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In Zwickau haben am Sonntag die AfD und die vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachteten Freien Sachsen den Schulterschluss gesucht und erneut gemeinsam gegen die Regierungspolitik demonstriert. Etwa 1.400 Menschen konnten laut Polizeiangaben durch die Aufrufe der rechtsextremen Freien Sachsen und der "Volksstimme Bürgerbündnis Zwickau" mobilisiert werden. Bei der Demonstration sprachen als Hauptredner Horst Berghöfer (Volksstimme) Andreas Hofmann - besser bekannt als DJ Happy Vibes - und der Bad Schlemaer NPD-Stadtrat Stefan Hartung von den Freien Sachsen sowie Jörg Reichenbach. Er ist Mitglied im AfD-Kreisverband in Zwickau, wollte aber nicht in seiner Parteifunktion auf der Zwickauer Demo sprechen.

Bundesregierung zum Rücktritt aufgefordert und Wirtschaftspolitik kritisiert

In ihren Ansprachen prangerten die Redner die aktuelle Regierung an und forderten deren Rücktritt. Der Bundesregierung wurde vorgeworfen, das Land absichtlich in eine Reihe von Krisen laufen zu lassen. Die Interessen des Volkes würden missachtet. Die Politik würde zudem die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zerstören, so der einheitliche Tenor. Das Regierungshandeln in der Wirtschaftspolitik wurde mit sozialistischer Planwirtschaft verglichen, in der zum Beispiel die Elektromobilität staatlich verordnet werde.

Demonstration auf einem großen Platz mit Personen, die Sachsen-Flaggen und Plakate halten mit Aufschriften wie "Habeck verhaften"
Etwa 1.400 Personen waren laut Polizeiangaben den Protestankündigungen der rechtsextremen Partei Freie Sachsen gefolgt. Ebenso mobilisiert hatte die "Volksstimme Bürgerbündnis Zwickau". Bildrechte: News 5

Verschwörungsideologische Thesen treffen auf wenig Gegenprotest

Die Redner forderten die Freiheit Deutschlands von einer angeblichen "Besetzung durch die USA" sowie den Austritt Deutschlands aus dem Verteidigungsbündnis Nato, den Austritt Sachsens aus der Bundesrepublik und wiederholten verschwörungsideologische Thesen von gleichgeschalteten Medien und einer übergeordneten Weltherrschaft reicher Menschen und Eliten.

Nach der ersten Kundgebung auf dem Zwickauer Hauptmarkt zogen die Demonstrierenden durch die Innenstadt, um sich dann erneut auf dem Hauptmarkt zu versammeln. Dagegen demonstrierte ein gutes Dutzend Personen der linken Szene. 60 Polizeikräfte waren in Zwickau im Einsatz. Anzeigen wurden laut Polizei bis zum Abend keine erstattet.

Menschen mit Transparenten
Linker Gegenprotest in Zwickau versteckt sich hinter Bannern und Plakaten. Bildrechte: AV Chemnitz

Rechtsextreme Kleinstpartei "Dritter Weg" demonstriert in Plauen

In Plauen sind fast zeitgleich am Sonnabendnachmittag Anhänger der rechtsextremen Kleinstpartei "Dritter Weg" durch die Innenstadt gezogen. Nach Polizeiangaben demonstrierten 230 Mitglieder in der Stadt. Im Vorfeld wurden die Demonstrationsauflagen eingeschränkt. So war es den Mitgliedern des Dritten Weges untersagt, im Block und Gleichschritt zu marschieren, Uniformen zu tragen sowie Marschtakt zu spielen.

Menschen mit Transparenten
Den Anhängern des rechtsextremen "Dritten Weges" gestattete die Versammlungsbehörde das Aufstellen eines Galgens. Daran hing ein Plakat mit der Aufschrift "Rechtsstaatlichkeit Grundrechte". Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Laut Jens Mittenzwey von der Versammlungsbehörde Plauen wurden diese Vorgaben durch den Dritten Weg eingehalten: "Es war heute ein gänzlich anderes Bild als 2019." Der Dritte Weg war damals in uniformer Kleidung im Stil der Sturmabteilung (SA) mit Fackeln und im Gleichschritt durch die Plauener Innenstadt marschiert. Das sei dieses Mal nicht der Fall gewesen, sagt Mittenzwey.

In Plauen gab es am Sonntag vier verschiedene Demonstrationen gegen den "Dritten Weg" mit 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, informierte die Polizei. "Nazis raus"-Sprechchöre waren mehrfach zu hören.

MDR (phb, swi)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 02. Oktober 2022 | 19:00 Uhr

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