Ehrenamt Mit der Wasserwacht unterwegs auf der Talsperre Kriebstein

In diesem Sommer kann man in Sachsen wieder einigermaßen unbeschwert die Sonnentage an und im Wasser genießen. Wer als Schwimmer oder mit dem Boot unterwegs ist, denkt nicht an erster Stelle an die Gefahr, sondern eher an Spaß und Entspannung. Damit im schlimmsten Fall jedoch schnell geholfen werden kann, sind die ehrenamtlichen Retter der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes an den Gewässern im Einsatz.

Ein Mann mit Rettungsweste sitzt mit Funkgerät am Steuer eines Bootes.
Wolfgang Herzig von der Wasserrettern, die an der Talsperre Kriebstein eingesetzt sind. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Ein sonniger Morgen an der Talsperre Kriebstein. Ein paar Paddler sind unterwegs, die Ausflugsschiffe sind bereits voll besetzt. Auch ein auffälliges rotes Boot dreht langsam seine Runden über das ruhige Wasser. Zwei Retter von der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes sind auf Kontrollfahrt.

Am Steuer des feuerroten DRK-Bootes mit einem 70 PS starken Außenbordmotor sitzt an diesem Wochenende Wolfgang Herzig. Obwohl seine Mitfahrerin Liane Patzelt ihn vor 25 Jahren zur Wasserwacht gebracht hat - als Bootsführer hat er an diesem Tag das Sagen und trifft die Entscheidungen. "Das ist so abgesprochen", sagt Herzig. "Der Bootsführer ist der Wachleiter an diesem Tag, aber wir arbeiten selbstverständlich Hand in Hand." Seit 1995 ist er dabei. "Frau Patzelt hat das organisiert", lacht er. Zuerst war er als Rettungsschwimmer eingesetzt, irgendwann auch an der Ostsee und in verschiedenen Freibädern. "Ich bin dann auch hier auf der Talsperre Kriebstein mitgefahren auf dem Boot." Viele Lehrgänge später, nach der Ausbildung zum Rettungssanitäter und später als Bootsführer, sitzt er nun selbst an vielen Wochenenden im Jahr am Steuer des DRK-Bootes. "Ich bin sozusagen mit dem Wasser groß geworden. Man lernt viel und findet nette Kollegen."

Man muss für diesen Dienst schon besonders gestrickt sein.

Wolfgang Herzig Wasserwacht Döbeln-Hainichen

In einem Boot mit Außenbordmotor und der Aufschrift "Deutsches Rotes Kreuz" fahren ein Mann und eine Frau auf einem See.
Auf Kontrollfahrt - die Helfer der Wasserwacht zeigen Präsenz und können auch spontan helfen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Wasserretter sind wie eine Familie

Obwohl Wolfgang Herzig seit vielen Jahren in Leipzig wohnt und arbeitet, nimmt er für den Dienst an "seiner" Talsperre Kriebstein den langen Weg in Kauf. "Das hat mit den Kolleginnen und Kollegen hier zu tun. Die meisten kennen sich schon sehr lange und haben ein freundschaftliches Verhältnis", sagt Herzig. "Das schweißt zusammen und man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann."

Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes Die Gründung der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) geht auf Hochwasserereignisse in Regensburg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits 1874 wurden dort zwei Wasserrettungstrupps aufstellt. Der erste Einsatz der Wasserretter des DRK ist für das Donau-Hochwasser 1883 belegt. Er gilt als die Geburtsstunde der heutigen Wasserwacht. Aktuell engagieren sich deutschlandweit etwa 75.000 Ehrenamtliche in ihrer Freizeit in etwa 1.200 Stationen bei der Wasserwacht des DRK. Neben der Rettung im und am Wasser gehört auch die Schwimmausbildung, die Absicherung von Badestellen und Veranstaltungen am und im Wasser zu den Aufgaben der Wasserwacht.

Quelle: DRK

Blick von einem Boot auf ein Haus am Ufer eines Gewässers mit Bootssteg und Bootsgarage.
Die Station der Wasserwacht liegt etwa in der Mitte der Talsperre Kriebstein. Von hier aus starten die Wasserretter ihre Einsätze. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Ohne Ehrenamt geht nichts bei der Wasserwacht

Die Wache ist in Absprache mit dem Zweckverband Kriebsteintalsperre an den Wochenenden zwischen Ostern und Oktober von 9 bis 18 Uhr besetzt. Dazu kommt die Absicherung der Veranstaltungen auf der Seebühne, meist an den Abenden. Auch die Lehrgänge und Schulungen der Wasserwacht finden ausschließlich an Wochenenden statt. Denn die 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wasserwacht Döbeln arbeiten wie alle Wasserretter des DRK ehrenamtlich. Es gibt einen Dienstplan für die Stationen der Wasserwacht. Doch die Ehrenamtler müssen Beruf und Familie mit ihren Einsätzen in Einklang bringen. Allein die Station in Kriebstein muss schließlich an den Sommerwochenenden mit einem Bootsführer und ein bis zwei Rettungsschwimmern besetzt sein.

Retter helfen in (fast) allen Lebenslagen

Im Falle eines Falles wird die Wasserwacht an der Talsperre Kriebstein über eingehende Notrufe von der Leitstelle informiert. Das kann ein Badeunfall sein oder ein gekentertes Boot, bei dem die Insassen in Not geraten sind. Aber auch Wanderer, die möglicherweise auf dem Rundweg um die Talsperre stürzen und sich nicht allein helfen können, werden mit dem Boot abgeholt. Das fährt sie zu Übergabestellen, die mit dem Krankenwagen erreichbar sind. "Manchmal klopfen aber auch Leute an die Tür der Station, die einen Insektenstich haben", sagt Liane Patzelt. "Auch da helfen wir natürlich." Aber auch bei den Veranstaltungen auf der Seebühne sind die Retter gefragt. Dort geht es dann weniger um die Rettung aus dem Wasser, sondern um Fälle von Sonnenstich oder Überanstrengung bei Hitze.

Ein Mann sitzt am Steuer eines Bootes mit Außenbordmotor auf einem See. Am Aufbau eine Fahne und ein Suchscheinwerfer.
Nicht immer können die Wasserretter so entspannt sein. Bei einem Notruf müssen sie innerhalb von Minuten am Einsatzort sein. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Bis zum Mittagessen, das sich die Wasserretter auch selbst mitbringen, bleibt es an der Talsperre Kriebstein ruhig - keine Einsätze, nur eine kleine Kontrollfahrt und eine Rettungsübung. Der "gerettete" Junge ist der Neffe von Wolfgang Herzig und kann selbstverständlich schon hervorragend schwimmen. Aber bei einer echten Rettung müssen alle Handgriffe sitzen und werden deshalb geübt. Damit sind die Helfer der Wasserwacht auf den Fall der Fälle vorbereitet und bereit, in wenigen Minuten am Einsatzort zu sein.

Blick über die Bugklappe eines Bootes auf einen Jungen, der im Wasser mit beiden Armen winkt.
Zum Glück nur eine Übung: Der "ertrinkende" Junge ist Herzigs Neffe Tjark, der eigentlich schon ein sehr guter Schwimmer ist. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Quelle: MDR/tfr

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