Kampagne Freiberg wehrt sich gegen Imageschaden durch Corona-Gegner

Nachdem seit Wochen sogenannte Montagsspaziergänge in Freiberg teilweise hunderte Teilnehmer angezogen haben, fürchtet die Stadt einen bleibenden Imageschaden. Eine Kampagne soll das andere Gesicht der Stadt zeigen.

Zwei Schriftplakate: "Freiberg hat 39.661 Einwohner. Über 98 Prozent davon mögen keine Spaziergänge." /  "Wir sind 4G. Geimpft.Genesen.Getestet.Gegen Radikalisierung."
Mit solchen Motiven stellt sich Freiberg im Internet, aber auch auf Plakaten dar, um seine Position zu den Corona-Protesten zu zeigen. Bildrechte: Stadtverwaltung Universitätsstadt Freiberg

Mit der Kampagne "#WirliebenFreiberg" will sich die Stadt gegen die Vereinnahmung durch Corona-Proteste jetzt stärker wehren. Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) sagte am Dienstag, dass es nicht sein könne, dass eine ganze Stadt wegen einer Minderheit in Verruf gerate.

Das Ausmaß ist entsetzlich: Freiberger Produkte werden jetzt schon gemieden, Urlaubsreisen zu uns in Größenordnung storniert.

Sven Krüger Oberbürgermeister der Stadt Freiberg

Dem Verruf müsse man gemeinsam etwas entgegensetzen. Die Kampagne setzt auf Botschaften, die von der Hompage der Stadt als Plakatmotive heruntergeladen und weiterverbreitet werden sollen.

Stadt, Universität und Wirtschaft stehen hinter der Kampagne

Bei der Vorstellung der Imagekampagne hatte sich Oberbürgermeister Krüger auch Unternehmer und die Bergakademie an die Seite geholt. Der Geschäftsführer des Freiberger Solarunternehmens "Meyer Burger" Gunter Erfurt sagte, dass die Wirtschaft nicht mehr einfach nur zuschauen wolle. "Man bekommt sonst den Eindruck, in Freiberg gibt es nur Spaziergänge und eine Ablehnung aller Maßnahmen. Wir wollen gerne wachsen und Arbeitskräfte nach Freiberg holen. Dafür brauchen wir eine solche Kampagne, die der Welt zeigt, was die Stadt eigentlich ist."

Urs Peuker von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg hofft, dass sich junge Leute nicht durch das derzeitige Bild der Stadt abschrecken lassen und auch weiterhin in Freiberg studieren wollen. "Es kommen immer wieder Fragen, was ist denn los sei bei uns und ob es wirklich so schlimm sei."

Man sieht, dass die Wellen bis Australien, die USA und Südamerika schlagen.

Urs Peuker Professor an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg

Peuker glaubt, dass die Kampagne ein wichtiger Punkt sei um zu zeigen, dass Freiberg nicht nur Corona-Gegner habe. "Wir haben auch eine starke Zivilgesellschaft. Und ich hoffe, dass negative Berichterstattungen und Ereignisse entsprechend verdrängt werden."

Oberbürgermeister Sven Krüger ergänzte. "Es sind tolle Menschen, die hier leben. Wir möchten diese Menschen, die offen und warmherzig sind, die gern Gastgeber sind, in den Vordergrund dieser Kampagne stellen."

Sven Krüger
Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger geht davon aus, dass der Stadt durch die illegalen Corona-Proteste ein großer Imageschaden entsteht. Bildrechte: imago/Uwe Meinhold

Das ist nicht das, wofür unsere Stadt seit mehr als 850 Jahren steht. Wir sind anders und wir wollen an dieser Stelle ein Bild vom wirklichen Freiberg zeigen.

Sven Krüger Oberbürgermeister der Stadt Freiberg

Freiberg war mehrfach Ziel von "Spaziergängern"

Freiberg gehörte in den vergangenen Wochen zu den Brennpunkten der Proteste von Gegnern der Corona-Politik in Sachsen. Angeheizt werden diese vermeintlichen Spaziergänge von der rechtsextremen Bewegung "Freie Sachsen". Auch am Montag versuchten nach Angaben der Polizei mehrere Hundert Menschen in Freiberg, einen illegalen Aufzug zu veranstalten. Anfang Dezember hatten deswegen bereits engagierte Bürger einen Offenen Brief verfasst, den inzwischen mehr als 5.000 Menschen unterzeichnet haben. "Lasst Freiberg nicht zum Abenteuerspielplatz der Rechtsextremen und Corona-Leugner werden!", heißt es darin. "Wir fordern die Spaziergänger auf, dieses weitere Befeuern der Pandemie zu unterlassen. Von der Politik erwarten wir, diese illegalen Demonstrationen nicht länger zu dulden."

Vor einem Supermarkt haben sich viele Menschen im Dunkeln versammelt. Ihnen stehen auf der strßae Polizeibeamtein Schutzmontur gegenüber. So sah esam Montagabend, 13. Dezember 2021 in Freiberg in Sachsen aus.
Freiberg war schon mehrfach Schauplatz von "Spaziergängen" gegen die Corona-Politik. Bildrechte: xcitepress

Mehrere sächsische Städte mit ähnlichen Aktionen

Ähnliche Initiativen gibt es auch in anderen sächsischen Städten. Den Vorstoß aus Freiberg nahm etwa ein Demokratie-Bündnis in Zwickau zum Anlass für eine ähnliche Initiative, die inzwischen Hunderte Unterzeichner gefunden hat. Eine Online-Petition aus Bautzen hat bisher fast 14.000 Unterstützer gefunden. Das Netzwerk "Chemnitz für Menschlichkeit" hat in einem offenen Brief die sächsische Staatsregierung aufgefordert, konsequent gegen die wöchentlich stattfindenden Demonstrationen vorzugehen.

Quelle: MDR/tfr/ds/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 22. Dezember 2021 | 16:30 Uhr

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