Distanzierung KVS: Falschinformation bei impfkritischem Text in Freiberger Arztpraxen

Eigentlich sollten Ärzte ihre Patienten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aufklären und behandeln. Zwei Praxen in Freiberg verbreiten Texte von Impfkritikern. Das hält die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) für problematisch und distanziert sich. Meinungsfreiheit auch zu einer Impfpflicht stehe aber jedem zu, erklärte die KVS zugleich.

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Kritik an nutzbringenden Schutzimpfungen durch ausgebildete Mediziner hält die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen für problematisch. Bildrechte: Imago

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) hat sich von einem impfkritischen Text distanziert, der unter anderem in zwei Freiberger Arztpraxen verbreitet wird. In diesem bundesweit in Umlauf gebrachten Text werde die einrichtungsbezogene Impfpflicht im Gesundheitswesen kritisiert, so die KVS. In der Begründung würden die Coronavirus-Impfstoffe als nicht "vollständig erprobt" bezeichnet und die Unterzeichner solidarisierten sich darin mit den "Impfkritikern". Die KV Sachsen bewertet diesen Text nach eigenen Angaben "in Teilen als eine Verbreitung von Falschinformationen".

KVS: Impfstoffe unter ständiger Überprüfung

Alle in der EU zugelassenen Impfstoffe – so auch die Coronavirus-Impfstoffe – durchlaufen ein standardisiertes Zulassungsverfahren, in welchem Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse geprüft werden. Zudem wird die Gefahr von Neben- und Folgewirkungen in Europa - insbesondere bei den mRNA-Impfstoffen - im Rahmen umfangreicher und globaler Datenerhebungen auch fortlaufend überprüft.

Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Nationale und internationale Gremien mit Fachleuten werteten diese Daten regelmäßig aus und passten die Impfstrategie an, so die KVS.

Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand
Ärzte sollten die Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung trotz Meinungsfreiheit nicht befeuern, fordert die KVS. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Jeder Bürger und "damit natürlich auch jeder Arzt" habe zwar das Recht, "eine Minderheitenmeinung zu vertreten". Problematisch werde es dann, wenn gegenüber Außenstehenden - in diesem Fall Patienten - diese offensiv verbreitet werde und so die Akzeptanz der Impfungen durch die deutliche Mehrheit in Abrede gestellt und "damit die schon bestehende erhebliche Verunsicherung der Bevölkerung noch einmal verstärkt wird". Außerdem sei "es auch äußerst unkollegial, dem überwiegenden Teil der Ärzteschaft damit – zumindest indirekt – ein unverantwortliches Handeln zu unterstellen".

Ärztevereinigung dennoch kritisch bei Impfpflicht

Die Kassenärztliche Vereinigung betont, sie halte "die Impfung der vulnerablen Gruppen, das heißt zumindest aller über 50-Jährigen, allerdings für sehr sinnvoll". Man fordere die Sachsen deshalb auf, diesen Schutz vor schweren Verläufen in Anspruch zu nehmen.

Davon unabhängig vertrete die KVS die Meinung dass

  • eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland nicht beschlossen werden sollte
  • auch die bereits beschlossene einrichtungsbezogene Impfpflicht unbedingt - besonders unter dem Aspekt der neuen Erkenntnisse zur Wirkung bei der Omikron-Variante - noch einmal intensiv und ergebnisoffen hinterfragt werden muss.

"Gegenseitige Schuldzuweisungen und eher wenig sachliche Argumentationen" seien jedoch generell "nicht zielführend". Die Vertretung der Kassenärzte im Freistaat erklärte: "Schließlich müssen alle auch in einer Zeit nach Corona wieder miteinander arbeiten und leben können."

Quelle: MDR (lam)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 21. Januar 2022 | 07:30 Uhr

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