Raumfahrtforschung Anika Mehlis aus Plauen plaudert über simulierte Mars-Mission

Waren Sie schon mal auf dem Mars? Nein? Anika Mehlis aus dem sächsischen Plauen schon. Sie hat an einer simulierten Marsmission teilgenommen und befand sich dafür in vierwöchiger Isolation. Wie sie zu der Mission kam, was sie dort gemacht hat und welche Eindrücke sie gesammelt hat, das hat sie MDR SACHSEN erzählt.

Die analoge Astronautin Anika Mehlis (l.) wurde beim Außeneinsatz von Carmen Köhler, einer älteren analogen Astronatin (r.) unterstützt
Die analoge Astronautin Anika Mehlis (l.) wurde beim Außeneinsatz von Carmen Köhler, einer erfahrenen analogen Astronatin (r.) unterstützt. Bildrechte: MDR, Florian Voggeneder, OeWF

Einmal auf dem Mars wandern: Für private Raumfahrtunternehmen und -behörden ein Zukunftsmodell und SpaceX will am liebsten noch dieses Jahrzehnt dorthin. Schneller war eine Frau aus dem sächsischen Plauen. Anika Mehlis befand sich gemeinsam mit fünf weiteren Raumfahrt-Begeisterten vier Wochen auf einer Marsmission.

Biologin Anika Mehlis
Die Biologin und analoge Astronautin Anika Mehlis. Bildrechte: ÖWF/Voggeneder

Natürlich war es keine echte Marsmission auf den derzeit rund 370 Millionen Kilometer entfernten Planeten. Sie befanden sich auf einer analogen Marsmission, die vom Österreichischen Weltraumforum ÖWF auf der Erde simuliert wurde. Mehlis und die restliche Besatzung der Amadee-20 Mission befanden sich dabei in Isolation, haben Experimente durchgeführt, sind mit Raumanzügen in der israelischen Negev-Wüste Proben sammeln gegangen und waren auf Erkundungstour. Der Missionsname soll übrigens an den weltbekannten österreichischen Komponisten Wolfang "Amadé" Mozart erinnern. Aber wie kommt man zu so einer Mission?

Von der Zeitung zum analogen Astronautentraining

Mehlis konnte sich als Kind nicht entscheiden, was sie später einmal werden will. Sie habe Vieles interessiert. "Ich habe nicht als Kind gedacht, ich will Astronautin werden. Aber ich habe mich generell sehr für Raumfahrt und Technik interessiert", erzählt sie. Schließlich wurde sie Mikrobiologin, Umweltingenieurin und Forscherin im Bereich Gesundheitswissenschaften (Public Health).

2018 blätterte sie in der Zeitung und las von einer analogen Raumfahrtmission, für die das Österreichische Weltraumforum neue Gruppe von "Analog-Astronauten" suchte. Mehlis schaute sich die Webseite genauer an und war sofort Feuer und Flamme. Sie schickte die Bewerbung los, ohne große Hoffnung, dass es klappen wird. 

Die analoge Astronautin Anika Mehlis (l.) wurde beim Außeneinsatz von Carmen Köhler, einer älteren analogen Astronatin (r.) unterstützt 7 min
Bildrechte: MDR, Florian Voggeneder, OeWF

Dann kam die Zusage. "Ich weiß noch, dass ich in die Luft gesprungen bin, gejubelt und mich sehr gefreut habe." Bei den Auswahlgesprächen hatte sie zunächst gehörig Respekt vor ihren Mitstreitern. Sie erzählt von "lauter krassen Menschen mit sonst was für Titeln und Erfahrungen". Doch letztlich kam es auch auf die Soft Skills an: Wie geht man mit Stresssituationen um? Kann man die Führung übernehmen, wenn der Zeitpunkt es verlangt? Oder kann man die Führung auch abgeben? "Man durfte weder ein totaler Mitläufer noch ein Alphatier sein", beschreibt es Mehlis. Bei dem Verfahren wurde nach einem Team gesucht und in dieses hat die Sächsin gepasst. 

Aufbruch zum Basistraining

Es folgte ein mehrmonatiges Basistraining. "Es waren dann immer mal so drei, vier Tage, wo wir ein ganz, ganz breit gefächertes Curriculum hatten: Sowohl Sporttraining, körperliche Sachen, aber auch von Planetologie, sehr viel Geologie über Orientierung, Funk, Sprache, Erste Hilfe, Orientierung am Sternenhimmel, Teamtrainings, ja auch Psychologievorlesung." Zum Abschluss mussten die angehenden analogen Astronauten eine Prüfung absolvieren.

Analogastronautin Anika Mehlis
Alleine kommt man in den Raumanzug nicht. Dafür braucht die analoge Astronautin Anika Mehlis Hilfe von ihren Kollegen. Bildrechte: ÖWF/Donning

Vier Wochen Isolation beginnen

Schließlich begann das Abenteuer und es ging in den sogenannten Ramon-Krater in der israelischen Wüste. An den ersten Tagen begleiteten Medienvertreter den Aufbau in dem 1.300 Quadratmeter großen Habitat. "Man war noch nicht so allein und isoliert", so Anika Mehlis. "Aber dann war es eigentlich so, dass wir uns gefreut haben, dass es endlich losgeht und sich die Tür hinter uns schließt." Ähnlich wie auf der Internationalen Raumstation ISS waren die Tage vom Aufstehen bis zum Abendessen in 15-Minuten-Takte eingeteilt und jeder im Team kannte seine Aufgaben. Im Mittelpunkt standen die zahlreichen experimente. "Auch wenn dort viele Aufgaben parallel erledigt werden mussten, hat sich das für mich sehr gut angefühlt, mich da so konzentrieren zu können", erzählt die Vogtländerin. Außerdem habe man gemeinsam viel gelacht und hatte abends noch etwas Freizeit.

Experimente innerhalb und außerhalb des Habitats

Nach draußen mit einem nur 50 Kilogramm schweren Raumanzug durfte Mehlis bereits sehr früh. Wobei der Raumanzug noch nicht alle Funktionen erfüllte, die in Zukunft auf dem Mars vorhanden sein müssten. "Wir hatten jetzt keine Luftflaschen hinten auf dem Rücken und keinen Druck in den Anzügen. Die werden mit Umgebungsluft belüftet", erörtert sie. Wären noch Batterien und andere Teile verbaut wurden, wäre der Anzug viel schwerer geworden.

Ohne Druck hätte der Anzug schlabbernd an den analogen Raumfahrenden heruntergehangen. Auf dem Mars würde man "jetzt wie so ein Michelin-Männchen aufgepumpt sein und müsste dann mit Kraft dagegen arbeiten. Um das zu simulieren, haben wir ein Exoskelett angehabt". Das schränkte die Bewegungsfreiheit ein. 

Die Arbeitsabläufe sollten den Begebenheiten auf dem Mars und Mond weitestgehend nachempfunden werden. Um das Krebsrisiko durch die gefährliche Weltraummstrahlung auf der Mars-Oberfläche nicht zu erhöhen, waren Fragen wichtig, wie: Wo kann man Proben entnehmen? Wie kommt man am besten dahin? "Am Ende mussten die Astronauten rausgehen und vieles sehr autonom entscheiden." Denn: Lieber Fehler auf der Erde machen, als Probleme auf dem Mars bekommen.

Bildergaleri Außeneinsatz bei der analogen Marsmission

Bei der analogen Marsmission Amadee-20 vom Österreichischen Weltraumforum ÖWF simulieren Teilnehmende, wie es wäre, wenn man auf dem Mars leben würde. Neben Laborexperimenten gehören auch Außeneinsätze zur Mission.

Die analogen Astronauten João Lousada (l.) und Anika Mehlis (r.) beim Außeneinsatz
Die analogen Astronauten João Lousada (l.) und Anika Mehlis (r.) beim Außeneinsatz. Bildrechte: MDR, Florian Voggeneder, OeWF
Die analogen Astronauten João Lousada (l.) und Anika Mehlis (r.) beim Außeneinsatz
Die analogen Astronauten João Lousada (l.) und Anika Mehlis (r.) beim Außeneinsatz. Bildrechte: MDR, Florian Voggeneder, OeWF
Die analoge Astronautin Anika Mehlis (l.) wurde beim Außeneinsatz von Carmen Köhler, einer älteren analogen Astronatin (r.) unterstützt
Anika Mehlis (l.) wurde beim Außeneinsatz von Carmen Köhler, einer älteren analogen Astronatin (r.) unterstützt. Bildrechte: MDR, Florian Voggeneder, OeWF
Analoge Astronauten sammeln Proben bei ihrer simulierten Marsmission ein
Auch Proben mussten bei der analogen Marsmission eingesammelt werden. Bildrechte: MDR, Florian Voggeneder, OeWF
Analoger Astronaut sammelt Bodenprobe ein
Hier sieht man, wie umständlich das Sammeln von Proben sein kann, wenn man einen schützenden Raumanzug trägt. Bildrechte: MDR, Florian Voggeneder, OeWF
Sonnenuntergang am Ramon-Krater in Israel mit einem der analogen Astronauten der Mission des Österreichischen Weltraumforums ÖWF.
Sonnenuntergang am Ramon-Krater in Israel mit einem der analogen Astronauten der Mission des Österreichischen Weltraumforums ÖWF. Bildrechte: FlorianVoggender / OeWF
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Mehlis bleibt der Raumfahrt treu

Mehlis hatte viel Spaß bei diesem Raumfahrt-Abenteuer und die 40-Jährige bleibt dem ÖWF als analoge Astronautin erhalten. Ob sie noch einmal ins Habitat geht oder vom Mission Control Center in Innsbruck aus agiert? Offen ist sie für beides. Und wie sieht es mit einer richtigen Mars-Mission aus? 

Zur ISS oder generell mal in den Orbit oder ins All würde ich definitiv, das würde ich sofort machen. Zum Mars zu fliegen, wo man acht, neun Monate in so einer Blechkapsel ist, mit höchster Konzentration, hohen Risiken und dann wieder die lange Zeit der Rückreise - ich müsste mir das extrem gut überlegen.

Anika Mehlis analoge Astronautin aus Plauen

Vielleicht wird es ja was mit der ISS, denn Mehlis hat sich auf die Astronaut:innen-Ausbildung der europäischen Raumfahrtbehörde ESA beworben. Mehr kann sie noch nicht sagen, derzeit läuft die Auswahl der Kandidaten und Kandidatinnen. Falls sie es in den Kader schafft, könnte sie auch zum Mond fliegen. "Dauert vier Tage hinzufliegen, oder? Könnte ich mir schon vorstellen", erzählt sie und fängt an zu lachen.

Analogastronautin Anika Mehlis 2 min
Die analoge Astronautin Anika Mehlis. Bildrechte: ÖWF/CStix
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Anika Mehlis kommt aus Plauen und schickt uns eine Grußbotschaft aus der Isolation ihrer analogen Mars-Mission Amadee-20.

MDR FERNSEHEN Fr 22.10.2021 13:16Uhr 02:21 min

https://www.mdr.de/wissen/mensch-alltag/audio-grussbotschaft-anika-mehlis100.html

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