Sicherheitsproblem Polizei Dresden wirft Dynamo lasche Eingangskontrollen vor

Die Dresdner Polizei hat Dynamo Dresden ungewöhnlich scharf kritisiert. Es geht um aus Polizeisicht eklatante Sicherheitsmängel, abgeklebte Kameras vor dem K-Block und Fans mit Arbeitskarte, die am Einlass kaum kontrolliert werden. Die Polizei befürchtet Ausschreitungen bei Relegationsspielen zum Saisonende hin, die denen vom Mai 2021 ähneln könnten.

Blick auf den K-Block, mit Zoom-In-Effekt, der SG Dynamo Dresden
Die Dresdner Polizei beklagt, dass im Dresdner Stadion Sicherheitskameras vor dem K-Block abgeklebt seien und der Verein sich darum nicht schere. Bildrechte: imago images/Dennis Hetzschold

Die Dresdner Polizei hat ungewöhnlich deutlich auf Sicherheitsmängel im Stadion des Vereins SG Dynamo Dresden hingewiesen und gleichzeitig den Verein für seine Gleichgültigkeit kritisiert. Polizeisprecher Thomas Geithner sagte, es gehe hierbei um Sicherheit in Notfällen und nicht in erster Linie um Identifizierung und Verfolgung möglicher Straftaten. Der Polizeisprecher nannte vielmehr Fluchtwege und das Leiten von Menschenmassen in Paniksituationen als Beispiele.

Geithner verwies in diesem Zusammenhang auf abgeklebte Sicherheitskameras vor dem K-Block, den die Polizei als "Problem-Block" bezeichnet. Die Polizei habe bei den beiden zurückliegenden Heimspielen den Verein auf den Missstand aufmerksam gemacht, ohne dass etwas geschehen sei.

Polizei macht Problem mit Arbeitskarten für Fans aus

Der Polizeisprecher verwies darauf, dass von Dresden-Anhängern unerlaubt Pyrotechnik gezündet worden sei. So seien beim jüngsten Heimspiel von Dynamo gegen Schalke 30.000 Menschen am Eingang kontrolliert worden, ohne dass etwas gefunden worden sei. Die Polizei habe beobachtet, dass Fans, die mit sogenannten Arbeitskarten vom Verein ausgestattet seien, "kaum oder gar nicht kontrolliert" worden waren, und "mit großen Taschen auf das Stadiongelände gekommen" seien.

Der DFB habe 150 rote Bengalos, 20 Höhenfeuerwerke und 50 weiße Blinker gezählt, die ins Stadion gebracht und gezündet worden sind. Laut Polizei ist das ein Beweis dafür, dass die Einlasskontrollen nicht funktionieren oder der Verein ein Problem mit dem Thema Arbeitskarten habe.

Die sogenannte Solidargemeinschaft "Schwarz-Gelbe Hilfe" erklärt im Internet, dass Pyrotechnik "kein Verbrechen" sei und beruft sich auf die Staatsanwaltschaft Dresden. Auf der Seite bekommen die Fans Tipps, wie sie sich bei Problemen mit Ordnungshütern verhalten sollen.

Interviewzone muss wegen Feuerzeug-Würfen verlegt werden

Die Polizei verweist unterdessen darauf, dass bei jüngsten Heimspiel auch Feuerzeuge auf Spieler der gegnerischen Mannschaft und auf die Interviewzone geworfen worden, die daraufhin verlegt werden musste, so der Polizeisprecher. Auch hier habe der Verein nicht reagiert, um dies zu verhindern oder Übertäter zu verfolgen. Geithner appellierte an die Verantwortung des Vereins und signalisierte Gesprächsbereitschaft der Polizei.

Polizeisprecher Dresden, vor Polizeipräsidium
Der Dresdner Polizeisprecher Thomas Geithner zeigt wenig Verständnis, dass die Vereinsführung von Dynamo in Sicherheitsfragen kaum mit der Polizei kooperiert. Bildrechte: MDR

Das sind alles Sicherheitsmängel, die zu Lasten von Leib und Leben und der Gesundheit gehen können. Im Ernstfall wird sich jemand verantworten müssen und das werden definitiv nicht wir sein.

Thomas Geithner Sprecher der Polizeidirektion Dresden

Die Situation zum Saisonende sei nicht allzu weit weg, von der des vergangenen Jahres. Es werde vielleicht ein "Alles-oder-Nichts-Spiel", möglicherweise auch mit Niederlage und Abstieg von Dynamo geben, gibt der Polizeisprecher zu bedenken - wieder mit vielen Emotionen. "Dann bin ich gespannt, wie der Mai dieses Mal aussehen wird", so Geithner.

Verein schweigt zunächst zu Vorwürfen der Polizei

Die Kommunikationsabteilung von Dynamo Dresden teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, man wolle sich "zunächst nicht dazu äußern" und verwies auf den Mai, wo bei einem Bilanz-Pressegespräch auch diese Thematik behandelt werden soll.

Am Mittwoch hatte die Polizei in Dresden und weiteren sächsischen Städten 27 Wohnungen von 28 Beschuldigten durchsucht. Sie gelten als Rädelsführer der Ausschreitungen vom Mai 2021, bei denen Polizisten und Journalisten verletzt worden waren. Die Polizei rechnet die Beschuldigten den Ultras zu. Ein 21-Jähriger aus Dresden, der bereits durch andere Gewalttaten bekannt gewesen sei, wurde festgenommen.

MDR (lam)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 14. April 2022 | 13:30 Uhr

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