Verkehrswende Protest gegen Autobahnausbau: Fahrradkorso an der A4

Der geplante Ausbau der A4 bei Dresden ist vielen Umweltschützern ein Dorn im Auge. Immer wieder gibt es dagegen Proteste. Bereits im Juni dieses Jahres wollte ein Fahrradkorso über ein Teilstück der A4 bei Dresden fahren, um gegen deren Ausbau zu demonstrieren. Damals untersagte die Versammlungsbehörde das Vorhaben. Für die Neuauflage dieser Demonstration sah es lange nach einem Erfolg aus, bis das Oberverwaltungsgericht den Initiatoren einen Strich durch die Rechnung machte. Demonstriert wurde trotzdem.

Teilnehmer einer Fahrraddemonstration der Initiative Verkehrswende Dresden fahren auf dem Elberadweg über eine Autobahnbrücke neben der Autobahn 4.
Hunderte Menschen haben sich an dem Fahrradkorso beteiligt. Bildrechte: dpa

Sonntagmorgen, 7:45 Uhr: Das Thermometer zeigt einen frostigen Grad, der Himmel ist blau und die Sonne versteckt sich noch hinter den Häusern. Dennoch füllt sich der Schlesische Platz vor dem Dresdner Bahnhof Neustadt zusehends mit Menschen und ihren Fahrrädern. Etwa 150 Radfahrerinnen und Radfahrern folgen dem Aufruf der Initiative "Verkehrswende Dresden". Zum zweiten Mal in diesem Jahr protestieren sie gegen den Ausbau der Autobahn 4. Ihr Motto: "Stoppt den Ausbau der A4! Sozial-ökologische Verkehrswende jetzt!".

Sachsen

Initiative Verkehrswende Dresden Erneute Fahrraddemo gegen den Ausbau der A4 bei Dresden

In Dresden haben Radlerinnen und Radler gegen den Ausbau der A4 protestiert. Sie fordern stattdessen sichere Radwege und einen besseren öffentlichen Nahverkehr.

Impressionen von der Fahrraddemo Verkehrswende Dresden
Start der beiden Demonstrationen war der Vorplatz des Dresdner Bahnhof Neustadt. Bildrechte: Konstantin Henß
Impressionen von der Fahrraddemo Verkehrswende Dresden
Start der beiden Demonstrationen war der Vorplatz des Dresdner Bahnhof Neustadt. Bildrechte: Konstantin Henß
Impressionen von der Fahrraddemo Verkehrswende Dresden
Gegen die Kälte wurde warmer Tee an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verteilt. Bildrechte: Konstantin Henß
Impressionen von der Fahrraddemo Verkehrswende Dresden
Mehr als 150 Leute folgten dem Aufruf um 8 Uhr. Bildrechte: Konstantin Henß
Impressionen von der Fahrraddemo Verkehrswende Dresden
Bei knackigen 1-5 Grad hieß es warm anziehen für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bildrechte: Konstantin Henß
Impressionen von der Fahrraddemo Verkehrswende Dresden
Die Route führte durch die Leipziger Vorstadt, Pieschen, Mickten, Übigau, Kemnitz, Cotta und die Friedrichstadt. Bildrechte: Konstantin Henß
Impressionen von der Fahrraddemo Verkehrswende Dresden
"Höhepunkt" der Demonstration war das Überqueren der Elbebrücke in Kaditz Bildrechte: Konstantin Henß
Impressionen von der Fahrraddemo Verkehrswende Dresden
Auch bei der zweiten Demonstration waren eine Vielzahl von Leuten mitsamt ihrer Fahrräder anwesend. Bildrechte: Konstantin Henß
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Unmut über verfügte Änderung der Demoroute

Hinter der Initiative stehen die Bündnisse Fridays for Future, BUND und Nabu. Eigentlich wollten sie an diesem Sonntag ein Teilstück der A4 befahren. Doch das Oberverwaltungsgericht Bautzen hat das am Freitagabend untersagt und damit dem Einspruch der Autobahn GmbH entsprochen. In den Redebeiträgen machen sich die Organisatoren des Korsos Luft darüber, dass sie nun neben statt auf der Autobahn fahren dürfen. Für Mitinitiator Tom Knebel ist es "unfassbar", dass die Autobahn GmbH "am Ende doch wieder gewonnen hat."

Es wurde immer argumentiert, dass Gefahr für Leib und Leben bestehe, wenn ein Stau entstehen würde, weil dann Auffahrunfälle passieren könnten. Und da sagen wir: Wie oft entsteht eigentlich auf Autobahnen in Deutschland Stau? Nach dieser Argumentation dürften wir ja gar keine Autobahnen bauen, denn die sind ja viel zu gefährlich, wenn da Stau entstehen kann.

Tom Knebel Initiative Verkehrswende Dresden

Klingeln und Läuten bei sonnigem Wetter

Gegen 8:30 Uhr setzen sich Radfahrerinnen und Radfahrer unter ständigem Läuten ihrer Fahrradklingeln in Bewegung. Über die Hansastraße geht es bis zur Maxim-Gorki-Straße in Richtung Mickten. Wirklich nah kommen die Demonstranten der Autobahn nicht. Bis auf die Elbebrücke zwischen Kemnitz und Kaditz, wo zahlreiche Fahrzeuge an dem Korso vorbeirauschen. Gegen den Lärm werden Sprechchöre angestimmt, die eine "längst überfällige Verkehrswende" fordern.

Zweiter Korso fährt Richtung Hellerau

Unter den Radelnden ist auch Christian, Physiker aus Dresden. "Der Ausbau der A4 ist ein ganz klarer Weg, um mehr Verkehr auf diese Autobahn zu bringen", meint er. "Also nicht, dass da weniger, sondern noch mehr Stau entsteht." Eine Verkehrswende halten er und viele andere Teilnehmer für dringend notwendig. Wie zum Beispiel die beiden Studentinnen Anna und Alina. Ihrer Ansicht nach müsse der öffentliche Personennahverkehr stärker gefördert werden und vor allen Dingen brauche es mehr Radwege in der Stadt.

Auf der südlichen Elbseite angekommen, biegt der Korso auf die Meißner Landstraße hinunter in Richtung Messe. Auf dem Schlesischen Platz übergeben die Teilnehmer den Staffelstab an einen zweiten Korso, der sich um 12 Uhr in Bewegung setzen wird und mit geänderter Streckenführung in Richtung Hellerau fährt.

Gerichtliches Tauziehen um Demoroute Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen hat am späten Freitagabend einem Widerspruch der Niederlassung Ost der Autobahn GmbH stattgegeben. Zuvor sollte der Fahrradkorso nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden von der Anschlussstelle Flughafen bis zur Anschlussstelle Hellerau neben dem Autoverkehr auf anderen Fahrspuren, bei reduzierter Höchstgeschwindigkeit und abgetrennt durch eine gesperrte Fahrspur, stattfinden. Die Autobahn GmbH hielt die Begründung den Angaben zufolge für lebensfremd, dass eine Autobahn parallel durch den fließenden Verkehr und einen Fahrradkorso genutzt werden könne. Dem folgte das Oberverwaltungsgericht.

Ausbau der A4 ie A4 soll in vier Teilabschnitten sechs- bzw. achtspurig ausgebaut werden. Sachsen hat dazu folgende Anträge beim Bund eingereicht:

* achtstreifiger Ausbau der A4 vom Autobahndreick Nossen (A14) bis zum Autobahndreieck Dresden-West (A17) mit einer Länge von 18,2 Kilometer und geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 233,9 Mio. Euro (Antrag September 2018)
* achtstreifiger Ausbau der A4 vom Autobahndreieck Dresden-West (A17) bis zum Autobahndreieck Dresden-Nord (A13) mit einer Länge von 14,2 Kilometer und geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 487,1 Mio. Euro (Antrag September 2018)
* sechstreifiger Ausbau der A4 vom Autobahndreieck Dresden-Nord (A13) bis zur Anschlussstelle Pulsnitz (S95) mit einer Länge von 15,3 Kilometer und geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 145,3 Mio. Euro (Antrag September 2018)
* sechsstreifiger Ausbau der A4 zwischen der Anschlussstelle (AS) Pulsnitz und der AS Bautzen-Ost mit einer Länge von 38 Kilometer und geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 366,2 Mio. Euro (Antrag Mai 2019) Quelle: Sächsisches Wirtschaftsministerium

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 10. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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