Hintergrund Saumäßige Preise und schlechte Stimmung bei Sachsens Schweineproduzenten

Deutschlands Schweineställe sind voll, die Verkaufspreise für Schweinefleisch aus konventioneller Haltung niedrig. Die Schweinepest drückt zudem auf Exportquoten. Und der Blick auf die Entwicklungen der Bio-Marktanteile hilft auch nur begrenzt weiter.

Eine Grafik zeigt mit rotem Baklken den Preis, den Bauern für ein Kilogramm Schweinefleisch im Verkauf bekommen. Die rote Linie, die einen Zeitraum von zehn Jahren verdeutlicht, steigt an und fällt steil ab, wie bei einem Faltengebirge. Aktuell sind die Preise im Keller und die rote Lionie sinkt.
Ein ständiges Auf und Ab: Die rote Linie zeigt den Verlauf der Verkaufspreise für Schweinefleisch aus herkömmlicher Landwirtschaft in den vergagenen zehn Jahren. Bildrechte: imago

Drei Tage lang haben die Agrarministerinnen und-minister der Länder in Dresden konferiert. Dabei spielte die gemeinsame Agrarpolitik der EU wieder eine Rolle, aber auch der Kampf gegen die Schweinepest und Verkaufspreise für Landwirte. Viel Grund zur Klage haben die Schweinezüchter, nicht nur wegen der Afrikanischen Schweinepest, die Sachsen und Brandenburg bekämpfen. Das Agieren des Bundeslandwirtschaftsministeriums unter der Führung von Julia Klöckner (CDU) kritisierte Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther scharf.

Am Rande der Herbsttagung in Dresden sagte der Grünen-Politiker, der ein Jahr lang den Vorsitz der Agrarministerrunde inne hatte, über die Bundesministerin: "Frau Klöckner hat jüngst zu einem Schweinegipfel eingeladen, bei dem ausgerechnet Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern außen vor waren. Wir sind das Bollwerk gegen die Afrikanische Schweinepest. Einen Gipfel zum Thema ohne uns zu machen, ist absurd", so Günther.

Preise im Keller

Sachsens Schweineproduzenten belasten noch andere Sorgen. Denn der Preis für Schweinefleisch an Verkaufstheken steigt zwar für die sächsischen Verbraucherinnen und Verbraucher, davon merken die Landwirte im Verkauf von Schlachtschweinen nichts. Das betrifft vor allem Bauern mit konventioneller Landwirtschaft. Aktuell bekommen sie für ein Kilo Schlachtfleisch 1,32 Euro. Ein Kilogramm Schweinefleisch an der Fleischtheke kostet Kunden durchschnittlich 7,13 Euro. Preise und Stimmung sind nach Einschätzung des Landesbauernverbandes im Keller.

So haben sich die Schweinefleischpreise pro Kilogramm bundesweit entwickelt
Jahr Verkauf aus konventioneller LW Verkaufspreis Theke/kg Jahr Verkaufspreis Bio-S chwein Verkaufspreis Theke Bio-Schwein/kg    
09/2012 1,91 € 6,46 € 08/2012 3,23 € 9,41 €    
09/2019 1,88 € 5,80 € 08/2019 3,77 € 11,67 €    
09/2021 1,32 € 7,13 € 08/2021 3,96 € 11,94 €    

Drei Hauptgründe für Preisverfall

"Der Schweinefleischpreis schwankt von Jahr zu Jahr sehr stark", sagt Tim Koch, Fleischwirtschaftsexperte beim Marktbeobachter Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Mehrere Faktoren drückten zur Zeit auf den Verkaufspreis. Seit einem Jahr importiert China als wichtigster Abnehmer für deutsche Produzenten kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland wegen der Afrikanischen Schweinepest, die in Ostdeutschland nachgewiesen wurde, erklärt Koch. "Seit dem ersten Corona-Lockdown ist der Schweinefleischverbrauch zurückgegangen, nachdem Kantinen und Gastrobetriebe schlossen."

Bio-Schweinefleisch seit 2019 knapp

Insgesamt ging der Fleischverbrauch der Bundesbürger im Corona-Jahr leicht zurück. Aber wenn zu Hause Schweinefleisch auf den Küchentisch kam, wollten die Verbraucher Bio-Fleisch, weiß Kochs Kollegin vom Bereich Öko-Landbau, Marktexpertin Diana Schaack. Die Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch sei "stark gestiegen, auch die Handelsketten wollen es listen". Aber:

Der Markt für Bio-Schweinefleisch ist seit 2019 sehr knapp. Es gibt zu wenige bio-aufgezogene Ferkel im Land, weil es zu wenige Biobauern gibt, die Sauen halten.

Diana Schaack Marktanalystin

Der Import für Bio-Ferkel sei aber auch schwierig, weil dann die Herkunft des Schweins als deutsches Bio-Schwein nicht mehr gegeben sei. Außerdem versuchen nach Schaacks Einschätzung die großen Einzelhandelsketten den Preis für Bioschweinefleisch gering zu halten, damit die Ware neben dem konventionellen Schweinefleisch in den Regalen nicht als so teuer hervorsticht.

Eine Auswahl an derbem Fleisch und Wurst auf einer Steinplatte.
Bildrechte: imago/Panthermedia

Der Deutschen liebstes Fleisch - 2020 aß jeder Erwachsene in Deutschland rund 57,33 Kilo Fleisch, am häufigsten Schweinefleisch.
- Das waren im vorigen Jahr 32,8 Kilo Schweinefleisch je Bundesbürger.
- Tendenziell sinkt der Fleischkonsum: 2013 hat jeder Bundesbürger durchschnittlich noch rund 60 Kilo Fleisch verzehrt, zuletzt waren es 2,7 Kilo weniger pro Jahr.
- Die beliebteste Fleischware für die Deutschen ist verarbeitete Wurst.
- 25,4 Millionen Schweine grunzen in deutschen Ställen.

(Quelle: Statista, Zahlen von 2020)

Magerer Bio-Anteil in Sachsens Schweineproduktion

In Sachsen produzieren die meisten Schweinemastbetriebe in konventioneller Weise, der Bio-Anteil liegt weit unter einem Prozent:

  • Von 649 Betrieben wirtschafteten im vorigen Jahr 40 in ökologischer Weise.
  • Von den insgesamt 642.844 Schweinen in Sachsen grunzten 4.145 Schweine auf ökologisch wirtschaftenden Höfen. Der Anteil entspricht 0,64 Prozent.
  • Vier Jahre zuvor gab es noch 862 Betriebe mit Schweinehaltung (davon 34 Öko-Betriebe).
  • 2016 zählte man in Sachsen 654.271 Schweine. Damals betrug der Anteil der Schweine, die auf ökologisch wirtschaftenden Höfen heranwuchsen nur 0,4 Prozent, nämlich 2.619 Tiere.

Quelle: Landesamt für Statistik Kamenz

Blick auf Exportzahlen aus Sachsen

Schweine und Schweinefleisch aus Sachsen wird auch in andere Länder exportiert. Dabei wird zwischen lebenden Tieren und bereits geschlachtetem Schweinefleisch unterschieden. Die Ausfuhr lebender Tiere schwankte in den vergangenen zehn Jahren sehr stark.

  • 2012 wurden beispielsweise 59.187 Schweine exportiert. Davon die meisten unter 50 Kilogramm Gewicht (Ferkel).
  • 2016 waren es nur 1.155 Export-Schweine, die Sachsen verließen.
  • Im Corona-Jahr 2020 gingen dann wieder 12.155 lebendige Tiere unter 50 Kilo je Tier in den Export.
  • Am häufigsten exportierte Sachsen Schweine und Schweinefleisch zuletzt nach Polen, Tschechien und Rumänien.
  • Vor zehn Jahren lieferten sächsische Produzenten u.a. auch nach Italien, in die Niederlande, Ukraine, nach Dänemark, Russland, Kroatien und in die Schweiz.

Schweine schauen in die Kamera
Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Quelle: MDR/kk/dpa

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