07.05.2019 | 14:35 Uhr Restaurator legt mit Skalpell übermaltes Vermeer-Gemälde frei

Wenn die Dresdner Restauratoren mit Jan Vermeers berühmten Gemälde der "Brieflesenden" 2020 fertig sind, wird das Bild so zu sehen sein, wie man es noch nie in Dresden gesehen hat - und zuletzt wohl vor Jahrhunderten in Delft.

 Röntgenfluoreszenzanalyse Johannes Vermeer, Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster, um 1657-1659, Öl auf Leinwand
83 Zentimeter hoch und 64,5 Zentimeter breit ist das Bild des Malers Vermeer, das für Restaurierungszwecke in ein Röntgenfluoreszenzanalyse-Gerät eingespannt wurde. Bildrechte: Maria Körber

Das weltbekannte Gemälde das "Brieflesende Mädchen am offenen Fenster" von Jan Vermeer wird derzeit von einer Übermalung befreit. Der Hintergrund soll von einem anderen Künstler übermalt worden sein. Das haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bei Restaurierungsarbeiten entdeckt. Künftig soll das Bild des Delfter Künstlers wieder so zu sehen sein, wie es vor 350 Jahren sein Atelier verlassen hatte. Als das Gemälde 83 Jahre später - im Jahr 1742 - nach Dresden kam, sei der Hintergrund des Bildes bereits verändert gewesen.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hätten sich mit einer internationalen Expertenkommission beraten und entschieden, die übermalte Schicht abzunehmen, sagte der Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, Stephan Koja. Die Experten vermuten demnach, dass die Farbschicht einige Jahrzehnte nach Entstehung des Bildes (um 1657-1659 ) von einem unbekannten Maler aufgetragen wurde. Dass der Hintergrund übermalt wurde, war bereits bei früheren Röntgenuntersuchungen aufgefallen. Jetzt belegten Laboruntersuchungen zweifelsfrei, dass diese Malschicht nicht von Vermeer stammt.

Was sieht man auf dem Bild - und wann? Vermeer hatte eine junge Frau im Profil gemalt, die vor einem offenen Fenster steht und einen Brief in der Hand hält. In der bekannten Version füllt rechts ein grünlicher Vorhang das Bild.
Dieser Vorhang verdeckt teilweise einen nackten Knaben, der an der Wand im Hintergrund zum Vorschein kommt (siehe Foto rechts oberer Teil ). Der Dresdner Restaurator Christoph Schölzel legt den Jüngling derzeit mit einem feinen Skalpell unter einem Mikroskop frei. Die Schicht trägt er mechanisch ab. Nach Museumsangaben sind bereits Kopf und Schulter des Knaben zu sehen.

Das Gebäude der Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau wird derzeit saniert und ist nur zum Teil zugänglich. Die Wiedereröffnung ist für Dezember geplant - allerdings noch ohne das "Brieflesende Mädchen". Das Bild wird noch mindestens ein weiteres Jahr lang restauriert.

Am Mittwoch, 8. Mai eröffnet eine Ausstellung zur Restaurierung des "Brieflesenden Mädchens" in der Gemäldegalerie Alte Meister. Sie ist bis zum 16. Juni zu sehen, täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr.

Quelle: MDR/kk/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.05.2019 | 19:00 Uhr

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