Weihnachten Festtagsessen für Gäste der Dresdner Suppenküche "Mahlzeit"

Für Menschen mit wenig Geld bietet die Suppenküche in Dresden-Pieschen am ersten Feiertag ein Festessen mit Gänsebraten. "Viele von uns könnten sich solch‘ ein Essen niemals leisten", sind sich viele Stammgäste einig. Sie haben sich schon lange vorher für das Weihnachtsessen angemeldet. Doch die "Mahlzeit" gibt nicht nur Nahrung für den Körper, sondern auch für die Seele.

Gänsekeule mit Rotkraut und Klößen
Bildrechte: Colourbox.de

Armut wird sichtbarer, je mehr man hinschaut. Die Suppenküche "Mahlzeit" in Dresden-Pieschen, gehört um die Mittagszeit zu den frequentierten Läden in der Bürgerstraße. Menschen kommen im Zehn-Minuten-Takt, betreten leise den Raum, grüßen in die Runde und nehmen ihre Mützen ab. Viele Gäste kennen sich. Sie sind seit Jahren regelmäßig hier. Es gibt es immer warmes Essen, nicht "nur" Suppe. Für drei Euro – ein kleiner Preis, den die oft schmale Renten-oder Hartz IV-Kasse einigermaßen verkraften kann. Ein kleiner Preis war auch das Ziel Gunter Plewans, als er das Festessen kreierte. Stolz präsentiert der Küchenchef die Vorbestellungen, das Interesse ist groß.

Eine Frau sitzt am gedeckten Tisch.
Um Weihnachten Freude zu schenken, gibt es in der "Mahlzeit" einen Gänse-Festtagsschmaus für kleines Geld. Fürs ganze Menü bitte das Bild anklicken. Bildrechte: Gunter Plewan

Nahrung für Körper und Seele

Silvia kommt mit ihrem Mann Dietmar jeden Tag. "Seit zehn Jahren", sagt Silvia. Ihr Mann nickt. Das Ehepaar lächelt sich zaghaft an. "Wir sind froh, dass es diesen Ort gibt." Beide haben eine Rente von jeweils 700 Euro.

Suppenküche Dresden Festessen Weihnachten
Die Suppenküche "Mahlzeit" ist einer von vier Standorten des Vereins "Eibi", der Essen für Bedürftige anbietet.Trotz niedrigen Budgets gibt es Gänsebraten für die Gäste. Bildrechte: Katrin Tominski

Am Nachbartisch hat Petra ihre Tasche abgestellt und sich aus der Jacke geschält. Die 62-Jährige isst seit Jahren in der "Mahlzeit". "Für mich ist die Suppenküche unheimlich wichtig“, erklärt sie. Hier treffe sie ihre Freunde, habe ihre sozialen Kontakte. Überhaupt, man sei eine eingeschworene Gemeinschaft, helfe sich, höre zu. Die anderen Beiden am Tisch nicken. "Reden hilft immer", sagen sie und blicken gleich wieder schüchtern auf die Teller. Sie sind es nicht gewohnt, dass sie Öffentlichkeit bekommen.

Nur Petra willigt ein, ein Foto zu machen. Sie ist gelernte Fachverkäuferin und hat lange für die Heilsarmee gearbeitet. Nun braucht sie selbst Unterstützung, ihre Knie sind kaputt. Wahrscheinlich ist sie bis zur Rente auf Hartz IV angewiesen. "Ich bin froh, hier zu sein", sagt sie. "Ich glaube nicht, dass sich jemand von uns solch' ein Essen sonst leisten könnte"

Suppenküche Dresden Festessen Weihnachten
Petra hat lange für die Heilsarmee gearbeitet. Jetzt sind ihre Knie kaputt und sie ist auf Hartz IV angewiesen. Bildrechte: Katrin Tominski

Doch die "Mahlzeit" ist nicht einfach "nur" ein Ort, an dem es warmes Essen gibt. "Die Suppenküche gehört zu dem Verein 'Eibi'. Der versteht sich in erster Linie als Projekt der Erwachsenenbildung", erklärt Andrea Messerschmidt, seit 2004 Projektleiterin.

Es ist nicht immer leicht, aber eine sehr schöne Aufgabe.

Andrea Messerschmidt Projektleiterin der "Mahlzeit"

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Andrea Messerschmidt managt das Projekt. Dank ihr, Küchenchef Plewan sowie allen Mitarbeitern und Förderern bekommen viele Menschen etwas, das nicht selbstverständlich ist - ein warme Mahlzeit. Bildrechte: Katrin Tominski

Um die Arbeit in der Küche überhaupt stemmen zu können, würden beim Jobcenter gemeldete Personen zur Wiedereingliederung integriert. Ziel ist es, diesen Menschen, eine Tagesstruktur zu geben. Sowohl Ausbildungs- und Arbeitssuchende als auch Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge könnten sich als Ein-Euro-Jobber beim "Eibi" melden und in der Küche mitarbeiten.

Küchenchef: "Tolle Mannschaft"

Küchenchef Gunter Plewan kennt seine Leute ganz genau. "Wir haben eine tolle Mannschaft", sagt er und nickt zufrieden. Er hat hohe Ansprüche. "Wir wollen hochwertiges Essen anbieten", sagt er. Das Weihnachtsessen plante er schon Wochen vorher. Er hat die Gänsebrüste bestellt, eine Weihnachtsbrühe als Vorsuppe kreiert und eine Liste für Vorbestellungen ausgelegt.

Suppenküche Dresden Festessen Weihnachten
Für Küchenchef Gunter Plewan ist es eine Frage der Ehre. Selbst mit niedrigem Budget will er gutes Essen kochen. Zu Weihnachten serviert er seinen Gästen Gänsebraten. Bildrechte: Katrin Tominski

Das Weihnachtsessen soll etwas Besonderes sein.

Gunter Plewan Küchenchef in der "Mahlzeit"

Er selbst hat die Brühe schon am Donnerstag angesetzt und sich Heiligabend an den Herd gestellt. Schließlich sollte das Essen ja am ersten Feiertag pünktlich auf dem Tisch stehen.

Festessen für 3,50 Euro

Das Weihnachtsessen kostet inklusive Dessert 3,50 Euro. Wer noch eine Vorsuppe dazu möchte, zahlt insgesamt vier Euro. "Wir bekommen Lebensmittel- und Geldspenden", erklärt Plewan. Besonders eng sei die Kooperation mit dem Landesverband Sächsische Tafeln. Von dort komme vor allem frisches Gemüse. Sind die Spenden da, tüftelt er am Speiseplan. Nichts wird weggeschmissen, alles verarbeitet. Was fehlt, kauft er ein.

"Bei den Gänsebrüsten bin ich natürlich auf Nummer sicher gegangen, die habe ich schon lange vorher als Zukauf bestellt." Das Weihnachtsessen ist ihm eine Herzensangelegenheit. Er will mit Essen Freude bereiten. Die Küche ist seine Heimat. Dem gelernten Fleischermeister fällt immer etwas ein. "Durch meinen Beruf habe ich viele Ideen, Fleisch zu verarbeiten oder aus ganz wenig ganz viel zu machen", sagt Plewan nicht ohne Stolz.

Viele Partner - Spenden willkommen

"Wir haben viele Partner, die uns unterstützen und sind sehr froh darüber", so Projektleiterin Messerschmidt. Einerseits gebe es die Förderung durch das Sozialamt der Stadt Dresden und das Jobcenter, die die Arbeitskräfte stellt. Andererseits hülfen viele mit Spenden aus, darunter die Tafeln und Supermärkte. Jede Spende sei willkommen, erklärt die Sozialpädagogin. Selbst Farbe sei prima. "Dann könnten wir endlich mal wieder malern."

Suppenküche Dresden Festessen Weihnachten
Gäste warten in der Vorweihnachtszeit in der Suppenküche auf Ihr Essen. Bildrechte: Katrin Tominski

Die Suppenküche "Mahlzeit" in Dresden-Pieschen ist nicht der einzige Standort des Projekts. "Seit 1998 gibt die Suppenküche in der Kamenzer Straße Speisen aus", sagt Messerschmidt. Die Küche in Pieschen wurde 2007 eröffnet. Zudem gebe es noch Ausgabestellen für bedürftige Senioren bei der Volkssolidarität in Dresden-Trachenberge und in Dresden-Reick. Insgesamt 29 Mitarbeiter arbeiten im Wechsel an 365 Tagen im Jahr.

Wir haben immer geöffnet. Von 9 bis 18 Uhr gibt es jeden Tag warmes Essen, belegte Brötchen, Salate und Kaffee.

Andrea Messerschmidt Projektleiterin der "Mahlzeit"

"Unsere Gäste sind Senioren mit geringer Rente, Geringverdiener, Arbeits- und Obdachlose. Wir haben auch immer mehr Familien, die mit ihren Kindern kommen“, erklärt Messerschmidt. "Manchmal schauen Großeltern mit ihren Enkeln vorbei.“ Viele nutzten die Suppenküche als sozialen Treffpunkt, blieben auch länger da. Seit Corona müsse der Aufenthalt auf eine halbe Stunde beschränkt werden. Doch auch das klappe prima. "Die Menschen sind sehr dankbar."

Suppenküche Dresden Festessen Weihnachten
Küchenchef Plewan und seine Mitarbeiter sind auch in Corona-Zeiten gewappnet und für Ihre Gäste da. Bildrechte: Katrin Tominski

Quelle: MDR(kt)

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