Corona-Krise Nach Hilferuf in Meißen - Freiwillige packen mit an zur Entlastung für Klinikpersonal

Mit einem dramatischen Hilferuf hatte der Landkreis Meißen die Öffentlichkeit um Unterstützung gebeten. In der von Corona-Infektionen schwer betroffenen Region arbeiten die Krankenhäuser seit Monaten am Limit und das Klinikpersonal weit über die Belastungsgrenze hinaus. 500 Patienten hat das Team der Intensivstation seit Pandemiebeginn versorgt. Der Aufruf erreichte einige interessierte Helfer, die sich gemeldet haben.

Die Situation ist äußerst dramatisch: So hatte es der Vorstand der Elblandkliniken, Rainer Zugehör, Mitte November Alarm geschlagen. Der Landkreis Meißen kämpft gegen konstant hohe Corona-Infektionszahlen. Für das Personal in den Kliniken ist das eine enorme Dauerbelastung, sagt Landrat Ralf Hänsel (CDU). Er hatte zwischenzeitlich sogar überlegt, den Katastrophenvoralarm auszulösen. Gemeinsam entschieden sich die Verantwortlichen dann für eine Aufruf, um auf die Lage aufmerksam zu machen. Sie hofften, damit beispielsweise Pflegepersonal im Ruhestand oder Ehrenamtliche ohne medizinische Vorkenntnisse zu finden. Alle helfenden Hände, die das medizinische Fachpersonal irgendwie entlasten können, wurden gesucht: ob fürs Essen austeilen oder Reinigungsarbeiten.

Jede helfende Hand willkommen

Gabriele Fänder ist eine von 40 Freiwilligen, die sich auf den Aufruf beim Elblandklinikum Meißen meldeten. Sie hatte lange Zeit als Fachkrankenschwester gearbeitet. Weil das ein körperlich anstrengender Beruf ist, hatte sie vor 25 Jahren die Branche gewechselt. Doch nun verstärkt sie seit Anfang Dezember das Team auf der Intensivstation. Zunächst für vier Wochen, weil sie keine Vertretung für ihren Beruf als Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Meißen gefunden hat und zurück muss. Die Klinikarbeit sei hart, doch sie habe immer gern Patienten geholfen, erzählt sie. An der jetzigen Situation mit Covid19-Erkrankten beeindruckt Gabriele Fänder aber der Pflegeaufwand für die Patienten.

Hut ab vor dem Fachpersonal, das Tag aus, Tag ein so viel leistet. Die Arbeit ist der Hammer! Die Bauchlagerung, die Beatmung mit all den Schläuchen, die aufwändige Schutzkleidung und das zusätzliche Pflegepersonal, der Aufwand ist enorm.

Gabriele Fänder freiwillige Helferin

Die freiwillige Helferin Gabriele Fänder (links) mit ihren neuen Arbeitskollegen auf Zei, dem ITS-Team der Elblandkliniken Meißen, um Oberarzt Thomas Melzer (2. von links) und der Stationsleiterin Bianca Vogel (rechts).
Freiwillige Helferin Gabriele Fänder (links) mit dem ITS-Team der Elblandkliniken Meißen, um Oberarzt Thomas Melzer (mitte links) und Stationsleiterin Bianca Vogel (rechts) Bildrechte: MDR/Bettina Wobst

90 Prozent der Intensiv-Patienten in Meißen ungeimpft

Die Freiwilligen sind eine willkommene Hilfe: Im Elblandklinikum Meißen konnten zudem weitere elf Fachkräfte für eine dauerhafte Arbeit auf den Intensivstationen gewonnen werden - ein Bereich, der während der Pandemie Fachkräfte verliert. Hier hofft man, dass sich mehr Menschen impfen lassen. Denn mehr als 90 Prozent der Patienten auf der ITS sei nicht geimpft.

Die Beschäftigten reagierten "mit Bedauern und Unverständnis" darauf, dass sich so viele Menschen nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Trotz aller Bemühungen der Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger stirbt jeder dritte Corona-Patient auf der Meißner Intensivstation, sagt Oberarzt Thomas Melzer.

Aktuell werden im Landkreis 184 Covid19-Patienten stationär behandelt, davon sind 160 ungeimpft. 5.152 positiv getestete Personen befinden sich im Landkreis Meißen in behördlich angeordneter Quarantäne. (Stand: 20. Dezember)

Quelle: MDR/fh/kk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 20. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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