Zurück zur Uni Ängste, Freude und 3G: Sachsens Hochschulen auf dem Weg in eine Normalität

An Sachsens Hochschulen sollen so viele Präsenzveranstaltungen gehalten werden wie möglich. So hieß es zum Semesteranfang vom Wissenschaftsministerium. Wie geht's Studierenden damit, vor allem den Erstsemestern, die ihr Abitur in der Homeschooling-Zeit absolviert hatten? Und was sagen Dozenten nach drei Semestern Online-Arbeit?

Pflastersteine mit Schriftzug Corona, Menschen im Hintergrund
An sächsischen Hochschulen gelten für alle die 3G-Regel und Corona-Hygienebestimmungen. Die sind Grundlage für die Rückkehr zur Präsenzlehre. Wie geht es Studierenden und Lehrenden damit? Bildrechte: dpa

Die Wahl ihres Studiums und den Studienort Leipzig hat Medizinstudentin Leonie Neumark nach dem ersten Monat Uni noch nicht bereut. "Es ist recht viel zu tun, mehr als ich erwartet habe, aber es ist schön, dass ich mich mit anderen über Probleme austauschen kann", sagt die 19 Jahre alte Erstsemesterin. Anfangs sei es für sie ungewohnt gewesen, mit vielen Leuten im Hörsaal zu sitzen. "Gleichzeitig war es auch schön. Man muss sich daran gewöhnen, sich wieder ohne Angst zu begegnen", meint die Studentin.

Präsenzangebote ein "Privileg"

Die Uni Leipzig hat das Wintersemester mit Präsenzlehre begonnen, sagt aber: "Einige Veranstaltungen in einem Modul können auch komplett digital oder hybrid , also in Präsenz mit Zuschaltmöglichkeit, stattfinden. Vorlesungen mit hoher Belegungszahl werden überwiegend digital angeboten." Dass "ungefähr 40 Prozent" von Leonie Neumarks Veranstaltungen, Übungen und Praktika zum Beispiel, in Präsenz stattfinden, empfindet sie als "Privileg". Nachdem die junge Hessin in Frankenberg bei Marburg für ihr Abitur ein Jahr lang immer wieder im Homeschooling lernen musste, genießt sie jetzt den persönlichen Austausch und das Studentenleben in der neuen Dreier-WG - mit Hund.

Ich mache mir Sorgen wegen der steigenden Infektionszahlen und hoffe wirklich sehr, dass die Präsenzveranstaltungen fortgeführt werden.

Leonie Neumark Medizinstudentin im 1. Semester

Eine junge Frau steht an einem Eingang, neben dem Eingang hängt rechts en Schild, das auf eine Bibliothek der Universität Leipzig hinweist. Die Frau ist Studentin im ersten Semester Medizin in Leipzig und heißt Leonie Neumark.
Leonie Neumark hat sich Leipzig als Studienstadt ausgesucht, weil "die Stadt sehr viel Grün hat und mir gefällt". Bildrechte: privat

Leonie Neumark hat festgestellt, dass sich ältere Medizin-Semester in Leipzig "sehr für uns Neue engagieren und darum kümmern, dass wir in Kontakt kommen". Sie überlegt nun, sich auch in der Mediziner-Fachschaft zu engagieren.

Nicht noch mehr Online-Kurse

"Ich bin Fan von Präsenzveranstaltungen", sagt Hans-Christian Paul. Er studiert an der Hochschule Mittweida Media and Acoustical Engineering. Der 38 Jahre alte Erstsemester und gelernte Mediengestalter hat sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg absolviert. Nach einem Jahr Homeschooling gefällt es ihm "ganz gut", dass in Mittweida 70 Prozent der Veranstaltungen auf dem Campus stattfinden sollen und 30 Prozent online. "Mir kommt das etwas mehr vor, Fifty-Fifty schätze ich. Das ist akzeptabel. Noch mehr Online-Anteile fände ich aber bedauernswert", meint Paul.

Bei den meisten Dozentinnen und Dozenten habe er Erleichterung über die Rückkehr zur Präsenzlehre festgestellt. "Die sind auch froh, dass man sich persönlich sprechen kann. Viele waren es leid, bei Online-Vorlesungen auf schwarze Kacheln auf dem Bildschirm zu sehen."

Zurück zum Studieren "in echt"

Direkt "erholsam" fand Prof. Dr. Richard Börner den Start ins neue Semester. Er hat an der Hochschule Mittweida die Professur für Biophotonik/Physikalische Technik inne und freut sich über jeden Präsenztermin. "Ich habe den Kontakt zu den Studierenden wirklich vermisst. Klar, an die Online-Lehre habe ich mich gut gewöhnt, das klappte gut", blickt der Physiker auf die vergangenen drei Semester unter Corona-Einschränkungen zurück. Aber: "Es ist superschön, wenn man direkt miteinander spricht, auch mal einen Scherz machen kann und an den Augen sieht, ob das, was ich gesagt habe, auch verstanden wurde."

Ein Mann im Anzug lbikt mit offenem Lächeln in die Kamera. Es ist der Physiker und Professor Richard Börner, der an der Fachhochschule Mittweida lehrt
Bildrechte: FH Mittweida

Ich wünsche mir sehr, dass wir keinen weiteren Lockdown haben werden, dass wir in Sachsen alle zusammenhalten und die schwierige Situation meistern.

Prof. Richard Börner Physiker und Lehrstuhlinhaber FH Mittweida

Leute wieder auf den Campus holen

Der Hochschul-Lehrer hat allerdings bemerkt, dass die Studierenden, "Erstsemester ausgenommen, für sie ist ja alles neu und ihre Neugier überwiegt", gefördert werden müssten, auf den Campus zurückzukehren. Er meint speziell die Drittsemester. Die hätten monatelang ausschließlich online studiert und mussten besondere Lernsituationen meistern. "Jeder war sehr auf sich allein gestellt. Aber jetzt wollen wir wieder in Teams arbeiten. Da muss man sich auf zwei, drei Leute verlassen und kann viel miteinander erledigen. Das macht ein Studium ja auch aus", wirbt Richard Börner für den Uni-Alltag abseits von PC und WG-Sofakante .

Noch kein Normalzustand in Chemnitz

Vom Verhältnis 70:30 oder 50:50 bei Präsenzveranstaltungen wie in Mittweida sind die rund 9.500 Studierenden an der TU Chemnitz noch weit entfernt. Dort finden rund 25 Prozent aller Veranstaltungen in Präsenz statt, ein Achtel gilt als hybride Lehre und drei Fünftel aller Angebot sind digitale Veranstaltungen, erklärt TU-Sprecher Mario Steinebach.

Wir sind leider noch nicht im Normalmodus. Das hat mit den Abstandsregeln und dem vorhandenen Platz in den Räumen zu tun.

Mario Steinebach Sprecher der TU Chemnitz

Für rund 1.800 Erstsemester hat die Hochschulausbildung im Oktober begonnen, auch für sie gilt die 3G-Regel. Bis 16. Dezember bietet die TU kostenlose Corona-Schnelltests im Testzentrum im Hörsaalgebäude an. Ein Service, den auch die FH Mittweida anbietet, andere Hochschulen in Sachsen jedoch nicht oder nur noch kostenpflichtig.

Hörsaal Studentenreihen
Nach monatelangem Homeschooling für Abiturienten können sie nun als Erstsemester auch im Hörsaal studieren. Bildrechte: dpa

Online-Lehre weiter nutzen

Die digitale Infrastruktur und die Erfahrungen der Online-Lehre seit dem Frühjahr 2020 sollen in Chemnitz auch künftig genutzt werden. "Es ist ja auch praktisch für einzelne Studierende, die nicht hier am Ort sein können, aber weiter studieren wollen", meint Sprecher Mario Steinebach.

Quelle: MDR/kk

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