Wegen Corona Sächsische Kinder häufig nicht fit für Schulanfang

Psychologen und Kinderärzte warnten früh in der Pandemie vor den Folgen von Lockdowns für Kinder. Experten hielten Entwicklungsstörungen bei den Jüngsten sogar für unaufholbar. Bei den Schulaufnahmeuntersuchungen in der Coronazeit sehen sich sächsische Schulärzte bei den ABC-Schützen nun mit Defiziten wie Übergewicht, Sprech- und Haltungsschwächen konfrontiert. Schulbehörden steuern gegen. Doch viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Kleinen für den Schulstart am 29. August fit zu machen.

Ein Kind macht den Hörtest zur Einschulungsuntersuchung
Teil der Schuleingansuntersuchung für jedes Vorschulkind: der Hörtest. Bildrechte: imago/JOKER

Etwa jeder vierte Schulanfänger in Sachsen habe coronabedingte Einschränkungen in seiner Entwicklung, schätzt Dr. med. Melanie Ahaus. Die Kinderärztin beobachtet in ihrer Leipziger Praxis vielseitige Defizite vor allem bei Sprachentwicklung und Motorik. "Kinder kommen mit Übergewicht und zu schwacher Muskulatur, um den Ranzen zu tragen. Weil sie in der Pandemie zu wenig Bewegungsanreize hatten.

Meine Kollegen und ich beobachten auch geringere motorische Fähigkeiten. Bei der für die Schule wichtigen Feinmotorik hapert es beispielsweise an der Stifthaltung oder Kinder können nicht mit der Schere basteln", schildert Ahaus, gleichzeitig Sprecherin für den Landesverband Sächsischer Kinder- und Jugendärzte. Hinzu kämen "Probleme im Sozialverhalten, wie Ängstlichkeit, eingeschränkte Konzentration und geringe eigene Aktivität."

Jeder zehnte Schulanfänger übergewichtig

Das Sozialministerium stellt "im Vergleich zu den Schulaufnahmeuntersuchungen im Schuljahr 2019/2020 einen Anstieg des Anteils übergewichtiger und adipöser Kinder für Sachsen von 9,3 auf einen neuen Höchstwert von 11,9 Prozent fest." Bei Problemen mit der Körperkoordination stieg der Anteil um 1,3 Prozentpunkte auf 19,9 Prozent. Wie vor der Pandemie kämpfte gut ein Drittel der Schulanfänger mit Sprachproblemen.

Nur 14 Prozent der Dresdner Vorschüler ohne Befund

In der Stadt Dresden verschlechterten sich bis auf das Hörvermögen alle anderen Testergebnisse der im ersten Coronajahr untersuchten rund 5.600 Vorschüler. Nicht eingerechnet sind psychosoziale Verhaltensauffälligkeiten, die nicht erfasst wurden. Nur 14 Prozent der heutigen Dresdner Erstklässler kamen komplett ohne Auffälligkeiten durch den Schulaufnahme-Check.

Im Jahr davor waren 16,6 Prozent der Dresdner ABC-Schützen beschwerdefrei. Der Gesundheitsamtsleiter der Stadt Dresden Dr. Frank Bauer betont, dass die Werte sich nur "um einen geringfügig erhöhten Prozentsatz" verschlechterten. Für tiefere Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Pandemie bräuchte es "mehr wissenschaftlicher Studien".

Symbolfoto - Mutter und kleine Tochter spielen gestikulierend miteinander. 3 min
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Mit Kindern viel im Alltag üben

Gut zu wissen: Nicht jeder Befund in den Schuleingangsuntersuchungen ist gleich ein Fall für den Arzt. 43 Prozent der Dresdner Vorschüler mit untherapierten Sprech- und Sprach-Problemen wurde laut Gesundheitsamt der Gang zum Logopäden empfohlen.

Es ist zu betonen, dass auffällige Werte in einem Screeningverfahren nicht bedeuten, dass medizinische Befunde vorliegen oder eine Behandlungsindikation besteht.

Dr. Frank Bauer Leiter Amt für Gesundheit und Prävention der Stadt Dresden

Obwohl Familien in der Pandemie besonders stark belastet sind, sollten sie sich Eltern viel Zeit für ihre ABC-Schützen nehmen, rät Kinderärztin Ahaus. Auch um ausgefallenen Vorschulunterricht in Kitas auszugleichen. "Eltern sollten Bewegungsanreize schaffen. Dies fördert die Lernfähigkeiten. Das geht zu Hause, indem man Kinder aktiv in den Alltagsablauf einbindet wie beim Tisch decken, Wäsche aufhängen, Gemüse schneiden oder Spülmaschine ausräumen."

Auch nach Schulstart kann aufgeholt werden. Bis Klasse zwei hätten "Grundschullehrkräfte einen großen Spielraum, um die Kinder mit ihren Stärken und Schwächen kennenzulernen und individuelle Fördermaßnahmen in den Schulalltag zu integrieren", sagt eine Sprecherin im Sächsischen Kultusministerium auf MDR-Anfrage und verweist zusätzlich auf das Programm "Aufholen nach Corona".

Schuluntersuchung dient Kinderschutz

Pflicht und Ablauf der Vorschul-Checks schreibt das Sächsische Schulgesetz vor. "Die Kinder durchlaufen bei uns eine sachsenweit standardisierte fachärztliche Untersuchung und ein Entwicklungsscreening", erklärt Gesundheitsamtsleiter Bauer dem MDR. Dies und der "neutrale Blick" der Amtsärzte sorgten für "ein hohes Maß an Qualität und Einheitlichkeit."

Zudem werde ein Kinderschutzauftrag erfüllt. "Leider bekommen nicht alle Kinder die ausreichende Chance auf eine kinderärztliche Versorgung." Jedes Jahr gäbe es "Kinder, die ohne die Schulaufnahmeuntersuchung nicht ausreichend öffentlich in Erscheinung getreten wären."

Quelle: MDR (wm)

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