Baustart 2026 geplant Großforschungszentrum in Delitzsch soll Wandel der Chemieindustrie begleiten

Ralf Geißler - MDR-Wirtschaftsredakteur
Ralf Geißler - MDR-Wirtschaftsredakteur Bildrechte: mdr

Die Stadt Delitzsch bekommt ein neues Großforschungszentrum für den Wandel der Chemieindustrie. Die Bundesregierung fördert das Großprojekt mit 1,2 Milliarden Euro als Entschädigung für den Kohleausstieg. Das Zentrum soll die Chemie revolutionieren und sie nachhaltig und klimaneutral machen. 2026 sollen die Bauarbeiten endlich beginnen.

Gelände des zukünftigen Großforschungszentrums in Delitzsch
Auf diesem Gelände soll das Forschungszentrum entstehen. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Noch ist nicht viel zu sehen. Eine Industriebrache in Delitzsch, auf der Reste einer Zuckerfabrik stehen: alte Silos, Gestrüpp, ein Hügel aus Schlackeresten. Manfred Wilde steht vor einem verschlossenen Metalltor, weil das Gelände noch Leipziger Investoren gehört.

Der Oberbürgermeister von Delitzsch, Manfred Wilde, kann sich hier schon den Chemie-Campus vorstellen: "Es gibt schon einiges an historischer Bausubstanz, so zum Beispiel das alte Kesselhaus aus dem Jahre 1891. Da gibt es erste Überlegungen, dass die Vorhabenträger sagen, wir wollen die historische Bausubstanz durchaus miteinbeziehen." Wichtig ist es laut dem Bürgermeister, dass das mit Beton versiegelte Gelände aufgebrochen und einen Renaturierung durchgeführt wird.

Dass Delitzsch Keimzelle für die Chemie der Zukunft werden soll, ist für Wilde Auszeichnung und Aufgabe zugleich. Der Oberbürgermeister sagt, der Flächennutzungsplan müsse angepasst und mit den jetzigen Eigentümern besprochen werden. Delitzsch brauche Unterkünfte für Forscher aus aller Welt und Kindergärten mit englischsprachigem Personal.

Erste Bauphase 2028 abgeschlossen

Schnell geht nichts. Erste Bauarbeiten seien 2026 zu erwarten, sagt der Initiator des Großforschungszentrums, Prof. Peter Seeberger: "Es ist eine dreijährige Projektphase. Das heißt, in diesen drei Jahren wird alles fertiggemacht, um dann am 1. Januar 2026 wirklich loslegen zu können. Mir wäre es natürlich viel lieber vorher, das ist uns allen klar. Es ist eine wichtige Aufgabe, die wir erfüllen müssen. Aber es ist nun mal so vorgegeben. Wir haben die erste Bauphase in Delitzsch abgeschlossen 2028 und jeweils zweijährig würde es ausgebaut werden." Wir möchten natürlich schnellstmöglich was tun."

Am Ende sollen in Delitzsch 700 Forscherinnen und Forscher arbeiten. Für Praxisnähe soll es 300 weitere Arbeitsplätze in den Chemieparks Sachsen-Anhalts geben.

In Leuna geht man bereits erste Schritte Richtung Nachhaltigkeit. Die finnische Firma UPM baut dort für 750 Millionen Euro eine Fabrik, die Chemikalien aus Holz statt aus Erdgas extrahiert. Projektleiter Michael Duetsch will so Monoethylen-Glycol produzieren: "Das wird eingesetzt beispielsweise in Polyestern, in Textilien, in PET-Verpackungen. Das kennen Sie von den Getränkeflaschen, als Kühlmittel in Verbrennungsmotoren. Aber auch in flüssig gekühlten Batterien, Tesla und die ganzen anderen Elektroautos, die wir haben. Eigentlich sämtliche heute flüssig gekühlt Batterien." Monoethylen-Glycol sei auch ein Zwischenprodukt für vielfältige Anwendungen in der chemischen Industrie.

Neue S-Bahnhaltestelle für das Zentrum geplant

Duetsch sagt, das Großforschungszentrum sei eine riesige Chance. Und auch Initiator Seeberger, der immer vom CTC spricht, dem Center for the Transformation of Chemistry, argumentiert, es könne die bestehenden 40.000 Arbeitsplätze der mitteldeutschen Chemieregion vermehren. Delitzsch liege zwar nicht inmitten eines Chemieparks, passe an der Grenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt aber trotzdem gut: "Weil Delitzsch als Stadt heute mehr erneuerbare Energie produziert als es selbst verbrauchen kann. Wenn das CTC in der Vollausbaustufe mit 700 Leuten agiert, dann kann zum heutigen Zeitpunkt die Stadt Delitzsch bereits das komplette CTC mit erneuerbarer Energie versorgen."

Neubauten auf dem Gelände sollen mit Stromspeichern ausgestattet werden. Die Zugstrecke, die vorbeiführt, könnte einen S-Bahn-Haltepunkt bekommen. Delitzsch wird wachsen, obwohl die Stadt schon jetzt gut dasteht. Die kommunale Wohnungsgesellschaft, sagt Oberbürgermeister Wilde, habe weniger als drei Prozent Leerstand.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 07. November 2022 | 06:00 Uhr

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