Müll, Ruhestörung, Kriminalität Wie Torgau die Probleme in Nordwest angeht

Torgau ist für viele schöne Seiten bekannt: für die beschauliche Altstadt, das Schloss Hartenfels, die Ufer der Elbe. Doch die Stadt hat auch andere Ecken: Die Neubausiedlung Torgau-Nordwest gilt seit einiger Zeit als Problemviertel. Anwohner klagen über Müll auf der Straße, über Ruhestörung und Kriminalität. Seit zwei Jahren geht die Stadt verstärkt dagegen vor – mit ersten Erfolgen.

Ortseingangsschild von Torgau
Die Stadt Torgau wirkt auf den ersten Blick idyllisch – im Problemviertel Nordwest sieht es jedoch anders aus. Bildrechte: imago/Hanke

Mirko Waldleben grüßt auf seiner Runde viele Bewohner der Wohnblöcke in Torgau-Nordwest. Er arbeitet fürs Ordnungsamt und ist mit seinen Kollegen seit etwa zwei Jahren regelmäßig im Viertel unterwegs. Dabei sei er weniger Ordnungsbeamter als vielmehr Sozialarbeiter, sagt Waldleben. Mittlerweile habe er ein vertrauensvolles Verhältnis entwickelt zu den EU-Ausländern verschiedener Nationalitäten: Slowaken, Rumänen, Ungarn, Bulgaren. "Das hat sich sehr gut entwickelt. Die Leute kommen zu uns und sprechen uns an, wenn sie ein Problem haben", erzählt Waldleben.

Häufige Bewohnerwechsel führen zu Problemen

3.000 Menschen leben in Nordwest. Etwa ein Drittel davon sind EU-Arbeitsmigranten, vorwiegend aus Südosteuropa. Die meisten von ihnen arbeiten im Geflügelschlachthof im benachbarten Mockrehna. Einige von ihnen fielen in der Vergangenheit durch überbelegte Wohnungen und laute Feiern auf. Sie luden Müll und Sperrmüll auf der Straße ab.

Es seien zum Teil chaotische Zustände gewesen, sagt auch Waldleben. "Wir haben einen sehr häufigen Wechsel der Bewohner hier in diesen Blöcken – dadurch, dass die nicht lange bei den Arbeitgebern sind. Sie können sich – und wollen sich dann vielleicht auch nicht – in dem Maße integrieren, wie es notwendig wäre."

Lösung: Austausch zwischen alten und neuen Bewohnern

Aber auch deutsche Bewohner befeuerten den Ruf von Nordwest als Problemviertel: 2019 machte etwa ein versuchter Mord Schlagzeilen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner fühlten sich nicht mehr Wohl. Die Lage war mehrfach Thema hitziger Debatten im Stadtrat. Vor rund zwei Jahren zog die Stadt die Notbremse, vermietet Wohnungen nun nicht mehr an Arbeitsvermittler, setzt verstärkt Polizei und Ordnungsamt sowie Sozialarbeiter im Viertel ein.

Auch wenn noch nicht alle Probleme beseitigt seien, habe sich seitdem vieles verbessert, sagt Waldleben. Es gebe beispielweise weniger Beschwerden über Müll und Ruhestörung. Der Schlüssel sei der Austausch zwischen alten und neuen Bewohnern.

Stadtteiltreff in Torgau
Der Stadtteiltreff in Torgau soll bald ein breites Angebot ermöglichen. Bildrechte: Marc Zimmer

Den will auch Julia Klöppel fördern. Sie arbeitet im Stadtteiltreff, der mitten im Viertel liegt. Klöppel hat hier einiges vor: von Kaffeeklatsch und Kreativkursen über Nachhilfe und Büchertauschbörse bis hin zu Beratungsangeboten. "Wir wollen die Verbraucherzentrale wieder hier reinholen, die kommt im Januar. Die ist dann alle 14 Tage hier und hilft." Auch das Jobcenter wolle man wieder integrieren, Nachhilfe könnte angeboten werden, ebenso wie eine Suchtberatung. Auch stellt sich Klöppel kleine Veranstaltungen wie Lesungen vor.

Weitere Angebote und dezentrale Unterbringung geplant

Die Stadt wolle die Angebote des Stadtteiltreffs noch deutlich ausbauen, sagt Oberbürgermeisterin Romina Barth. Im Moment sei sie sehr optimistisch, was Nordwest angeht. Zufrieden ist sie aber noch nicht. "Es wird nie so sein, dass wir eine absolute Zufriedenheit in Nordwest haben. Und mir ist auch bewusst, dass wir immer wieder am Problem dranbleiben müssen." EU-Arbeitsmigranten seien manchmal nur ein halbes Jahr in Torgau beschäftigt. Dann würden neue kommen und Probleme könnten immer wieder aufs Neue entstehen.

Die Stadt wolle die Arbeitsmigranten künftig dezentraler unterbringen, sagt Barth. Auch mehr Sozialarbeiter und Deutschkurse soll es geben sowie eine neue Turnhalle als Ort der Begegnung. Alles mit dem Ziel, sagt Barth, die verschiedenen Kulturen im Viertel zusammenzuführen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Januar 2022 | 08:52 Uhr

Mehr aus Torgau, Halle und Wittenberg

Mehr aus Sachsen