Flugsicherung Erfurt wird jetzt vom Flughafen Leipzig/Halle aus gesteuert

Ab sofort werden Starts und Landungen nicht mehr aus Erfurt kontrolliert. Künftig überwachen Lotsen am Airport Leipzig/Halle den Flugverkehr in Thüringen. Damit endet knapp 100 Jahre nach Aufnahme des Flugbetriebs in der Stadt eine Ära.

Fluglotse im Tower
Die Fluglotsen in Leipzig/Halle sind jetzt auch für den Luftverkehr in Erfurt verantwortlich. Bildrechte: dpa

Der Flughafen Erfurt wird seit Donnerstag von den Fluglotsen in Leipzig/Halle überwacht. Am größten mitteldeutschen Airport betreibt die Deutsche Flugsicherung (DFS) ein sogenanntes Remote-Tower-Control-Center, das nun auch die Flugbewegungen im rund 100 Kilometer entfernten Erfurt kontrolliert.

Bessere Sicht bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit

Flugzeug am Flughafen Erfurt-Weimar
Flugzeuge am Flughafen Erfurt starten und landen künftig mit Hilfe aus Sachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Angaben der DFS haben die Lotsen in Leipzig/Halle mit Hilfe hochauflösender Videokameras einen Überblick über den Verkehr in der Luft und am Boden des Erfurter Flughafens. Mit den Kameras können sie sich außerdem in Echtzeit Details heranzoomen lassen. Durch die zusätzlich verbaute Infrarottechnik erhalten die Fluglotsen zudem eine deutlich verbesserte Sicht, vor allem bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) Die DFS überwacht den Flugverkehr im deutschen Luftraum in vier großen Kontrollzentralen in Langen, Bremen, München und Karlsruhe. Außerdem ist sie an allen 16 internationalen Flughäfen in Deutschland vertreten, wo sie die Starts und Landungen überwacht.

Zusätzlich erkennt das Remote-Tower-Control-System Bewegungen automatisch und hebt Flugzeuge in der Luft wie am Boden, aber auch Fahrzeuge auf den Monitoren hervor. Die startenden und landenden Flugzeuge lassen sich mit den beweglichen Kameras manuell oder automatisch verfolgen. Die Kameras liefern den Lotsen dadurch permanent ein 360-Grad-Bild des Airports.

Leipzig/Halle seit 2018 auch für Saarbrücken zuständig

Arndt Schoenemann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFS Deutsche Flugsicherung
Arndt Schoenemann ist Chef der Deutschen Flugsicherung. Bildrechte: dpa

Erste Erfahrungen mit der neuen Technik konnten die Fluglotsen bereits mit dem Flughafen Saarbrücken sammeln. Der Flughafen im Saarland wird schon seit Ende 2018 von Leipzig/Halle aus überwacht. "Seitdem wurden mehr als 36.000 Flüge kontrolliert und mehr als 600.000 Passagiere transportiert", erklärt Arndt Schoenemann, Vorsitzender der DFS-Geschäftsführung.

System in Erfurt ähnelt dem in Saarbrücken

Im Vergleich zu Saarbrücken sei das Erfurter System nur minimal angepasst worden. "Es war uns wichtig, nichts Gravierendes zu ändern. Grundsätzlich sollen beide Systeme möglichst identisch sein, um die Arbeit für die Lotsen zu erleichtern, die künftig für beide Flughäfen ausgebildet werden", so Schoenemann.

Ab Ende 2023 wird auch Flughafen Dresden ferngesteuert

Frühestens Ende 2023 soll auch der Flughafen Dresden von Leipzig/Halle aus kontrolliert werden. Dann würden die drei kleinsten internationalen Flughäfen Deutschlands ferngesteuert. Welche Flughäfen danach noch von Fluglotsen aus der Ferne kontrolliert werden könnten, teilte die DFS bislang noch nicht mit.

Norwegen, USA und Großbritannien setzen auf Remote Tower

Das von der DFS gemeinsam mit dem österreichischen Technologieunternehmen Frequentis entwickelte System ist den Angaben zufolge weltweit das fortschrittlichste seiner Art. Ähnliche Systeme gibt es seit einigen Jahren aber bereits in Norwegen und den USA. Auch der britische Airport London City wird inzwischen aus einem Remote Tower betreut.

MDR (Thomas Tasler, Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. April 2022 | 11:00 Uhr

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