Bilanz 2021 Zahl der neu angekommenen Geflüchteten in Sachsen mehr als verdoppelt

Die Landesdirektion Sachsen hat in ihrer Geflüchteten-Bilanz für 2021 einen starken Anstieg derer festgestellt, die Schutz suchen. Über 9.000 Menschen, vor allem aus Syrien, dem Irak und Afghanistan kamen nach Sachsen. Der Konflikt zwischen dem autoritär regierten Belarus und der Europäischen Union um Sanktionen könnte die Situation verschärft haben. Dadurch war auch die Lage an der deutsch-polnischen Grenze angespannter. Die Zahlen illegaler Grenzübertritte sind jüngst jedoch wieder gesunken.

Mehrere Gemarkungsschilder an der Grenze zu Polen in Zittau.
An der deutschen Grenze zu Polen hat in den vergangenen Monaten der Geflüchteten-Verkehr zugenommen. Grund dafür ist der Konflikt zwischen der EU und Belarus an der Grenze Polens zu dem von Lukaschenko autoritär regierten Land. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Sachsen hat in diesem Jahr einen starken Anstieg neu eingetroffener Asylbewerberinnen und Asylbewerber registriert. Nach Angaben der Landesdirektion kamen bis Ende November 9.342 Menschen in den Freistaat. Im gesamten Jahr 2020 waren es 4.463. Damit hat sich die Zahl binnen eines Jahre mehr als verdoppelt. 2019 hatten 6.645 Flüchtlinge im Freistaat Asyl beantragt. Der Anstieg beruht auch auf einer verstärkten Migration über die Belarus-Route.

Konflikt zwischen EU und Belarus

Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, gestikuliert, während er bei einer erweiterten Sitzung der Verfassungskommission spricht.
Alexander Lukaschenko. Bildrechte: dpa

Polens Regierung und die EU werfen dem autoritären belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, Menschen aus Krisenregionen wie Afghanistan und dem Irak einfliegen zu lassen, um sie dann in die EU zu schleusen. Lukaschenko hatte im Frühjahr als Reaktion auf westliche Sanktionen erklärt, er werde Migranten auf dem Weg in die EU nicht mehr aufhalten.

Zuletzt weniger illegale Übertritte an den Grenzen

Die Zahl irregulärer Grenzübertritte an den EU-Außengrenzen zu Belarus sowie an der deutsch-polnischen Grenze nimmt seitdem stark zu, ging zuletzt aber wieder zurück. Ende November lebten 23.630 Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Sachsen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es 21.608.

Syrien als Herkunftsland noch immer vorn

Laut sächsischer Landesdirektion stammen die bis Ende November eingetroffenen Asylbewerberinnen und Asylbewerber aus folgenden Ländern:

  • Syrien (1.753 Menschen)
  • Irak (1.319 Menschen)
  • Afghanistan (705 Menschen)
  • Georgien (563 Menschen)
  • Venezuela (421 Menschen)
  • Pakistan (311 Menschen)
  • Libyen (ohne Angabe)

Erstaufnahmeeinrichtungen zur Hälfte belegt

Nach Angaben der Landesdirektion gibt es derzeit 4.255 Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen. Davon waren kurz vor Weihnachten 2.296 belegt, was einer Quote von 54 Prozent entspricht. Bislang war die Zahl neu ankommender Flüchtlinge im Freistaat in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen.

Zahlen seit Jahren im Vergleich zu 2015 niedrig

2014 waren knapp 12.000 Menschen nach Sachsen gekommen, die in Deutschland Schutz suchten. Ein Jahr später trafen rund 70.000 Personen ein. 2016 kamen noch etwa 15.000 Asylsuchende, in den Jahren darauf zwischen 8.000 und 9.500. 2019 sank die Zahl auf 6.645. 2020 waren es durch die Corona-Pandemie noch weniger.

Quelle: MDR/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 24. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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