Pandemie-Lage Omikron-Variante in Leipzig nachgewiesen - ohne Auslandskontakt

Klappt der sächsische Wellenbrecher? Ein Mobilitätsforscher sieht erste Effekte, Intensivmediziner können das noch nicht bestätigen und erwarten in zwei Wochen bis zu 800 Intensivpatienten mit Covid-19 in Sachsen. Unterdessen ist die neue Omikron-Variante in Sachsen angekommen. Sie wurde bei einem Mann in Leipzig nachgewiesen.

Omikron-Variante
Die zuerst im südlichen Afrika nachgewiesene Corona-Variante Omikron ist in Sachsen angekommen. Eine Verbindung ins Ausland ist nicht nachvollziehbar. Bildrechte: IMAGO / Steinach

Die neue Corona-Variante Omikron ist in Sachsen angekommen. Wie die Leiterin des Leipziger Gesundheitsamtes, Regina Krause-Döring, am Montagabend in einer Online-Konferenz zur pandemischen Lage in Sachsen mitteilte, ist ein 39 Jahre alter Mann betroffen, der weder im Ausland war noch Kontakt zu jemanden hatte, der aus dem Ausland zurückgekehrt ist.

Krause-Döring zeigte sich angesichts der Lage in Sachsen besorgt. Sie schließe sich den dramatischen Schilderungen der Mediziner an. Sie könne von allen Gesundheitsämtern in Sachsen berichten, dass die Erfassung aller Corona-Infizierten und deren Kontaktnachverfolgung nicht mehr händelbar ist. Es gebe Rückstände bei den Meldungen an das Robert Koch-Institut. "Die Fallzahlen liegen wohl durchaus höher", räumte sie ein.

Leipzig steigt in kommunale Impfstellen ein

Positiv wertete sie die Entwicklung bei den Impfungen. Durch die Einführung der 2G- und 3G-Regelungen komme "Bewegung ins Impfverhalten". Vor allem habe man in Leipzig eine deutliche Zunahme bei den Erstimpfungen zu verzeichnen. Kraus-Döring kündigte zugleich an, dass sich die Stadt Leipzig beim Aufbau kommunaler Impfstellen beteiligen werde. Dafür hatte die Landesregierung am Montag Gelder freigemacht. Impfwillige würden aber nur per Terminvergabe geimpft werden, so Krause-Döring. Damit soll verhindert werden, dass sie sich stundenlang anstellen müssen.

Prognose: 800 Intensivpatienten in zwei Wochen

Unterdessen ist unklar, ob der aktuelle "Lockdown light" in Sachsen bereits Wirkung zeigt und die vierte Welle wirkungsvoll brechen kann. In den Krankenhäusern ist zumindest aktuell noch keine Entspannung absehbar. Sachsens Krankenhauskoordinator Michael Albrecht erwartet auch weiter steigenden Patientenzahl auf Sachsens Intensivstationen. Die Prognose für den 13. Dezember lasse eine Patientenzahl von knapp 800 erwarten, so der Mediziner. Bislang hatten sich diese Hochrechnungen als weitestgehend zutreffend erwiesen. Ist das dieses mal wieder so, würden 250 bis 300 Intensivbetten fehlen.

Ein Arzt untersucht einen Patienten auf einer Covid 19 Intensivstation
Für die Behandlung von schwerstkranken Intensivpatienten ist hochqualifiziertes medizinisches Personal notwendig. Pflegekräfte und Ärzte arbeiten aber am Limit - ein Ende ist nicht abzusehen. Bildrechte: dpa

Albrecht verwies darauf, dass die Hauptfrage sei, woher man hochqualifiziertes Pflegepersonal bekomme. Es sei auf Intensivstationen nicht möglich, Schwerstkranke von "helfenden Händen" ohne entsprechende Ausbildung versorgen zu lassen. Der Krankenhauskoordinator erklärte, dass derzeit etwa zehn bis zwölf Intensivpatienten pro Tag in andere Bundesländer verlegt werden können. Das seien weniger als neue dazukommen. Da sich die vierte Welle der Pandemie jedoch westwärts ausbreite, würden auch dort die Intensivbetten in absehbarer Zeit ausgelastet sein.

Datenexperte: Erste Effekte des Wellenbrechers sichtbar

Prof. Dirk Brockmann
Der Physiker Dirk Brockmann erkennt aus seinen Daten, dass der sogenannte Wellenbrecher offenbar zu weniger Mobilität bei den Sachsen führt. Bildrechte: imago images / teutopress

Krankenhauskoordinator Albrecht sagte, er habe in der Stadt Dresden persönlich nicht den Eindruck, dass eine Kontaktbeschränkung greife. Nach seinen Beobachtungen sorge beispielsweise die Schließung der Gastronomie um 20 Uhr dazu, dass sich zwischen 18 und 20 Uhr alle diejenigen Gäste drängten, die sich sonst über den Abend verteilen würden.

Der Physiker Dirk Brockmann, der im Auftrag des Robert-Koch-Instituts die Mobilitätsentwicklung und Kontakte in der Pandemie auswertet, kann nach eigenen Angaben anhand seiner Daten hingegen erste Effekte der sächsischen Notfallverordnung ausmachen. Mobilität und Kontakte seien verringert worden, sagte er. Auffällig sei dies insbesondere an Werktagen, was Brockmann unter anderem auf verstärktes Homeoffice zurückführt. Ob die Entwicklung aber ausreicht, um die Infektionszahlen zu reduzieren, sei derzeit nicht mit Sicherheit zu sagen - zumal an Wochenenden die Sachsen weiterhin mobil und viel unterwegs sind. Die Bewegungsdaten stammen aus anonymisierten Mobilfunkdaten.

Aktuelle Zahlen zum Ansteckungsverhalten

Brockmann betonte, dass nur mit Impfungen und Kontaktbeschränkungen die Corona-Pandemie überwunden werden könne. "Je größer die Impflücke, umso stärker müssen Kontakte reduziert werden." Er präsentierte während der Online-Diskussion aktuelle Zahlen, um die Notwendigkeit von Impfungen zu unterstreichen. Demnach

  • stecken 9 von 100 Geimpften Geimpfte an
  • stecken 25 von 100 Ungeimpften Geimpfte an
  • stecken 15 von 100 Geimpften Ungeimpfte an und
  • stecken 51 von 100 Ungeimpfte Ungeimpfte an.

Handel beklagt Umsatzrückgänge

Der sächsische Handel muss seit Einführung des sogenannten Wellenbrechers Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent verkraften. Das sagte der Centermanager der Dresdner Altmarktgalerie, Jens Preißler. Seit Einführung der 2G-Regel habe sich die Zahl der Kunden um 20 Prozent verringert. Allein am Rabatt-Tag "Black Friday" am vergangenen Wochenende seien im Vergleich zum Jahr 2019 ohne jegliche Einschränkungen 65 Prozent weniger Kunden gezählt worden.

Maskenpflicht in der Fußgängerzone
Der Handel beklagt, dass durch die 2G-Regel Kunden fernbleiben und Händler mit Umsatzeinbußen leben müssen. Bildrechte: IMAGO / Christian Grube

Kretschmer: Feuerwerk zu Silvester unmöglich

Sachsen ist Schlusslicht bei den Immunisierungen in Deutschland und hat den höchsten Wert bei der Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche aller Bundesländer. Laut der Statistik des Robert Koch-Instituts waren am vergangenen Freitag erst 58 Prozent der Bevölkerung ab zwölf Jahren vollständig geimpft und 7,5 Prozent haben bisher eine Auffrischungsimpfung erhalten. Die niedrige Impfquote gilt als eine der Hauptursachen für die hohen Inzidenzwerte.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat angesichts der angespannten Pandemielage die Hoffnung auf eine schnelle Lockerung der Beschränkungen gedämpft. Mit Blick auf Silvester sprach er von einer "Unmöglichkeit von Feuerwerken" und Fußballspielen in vollen Stadien. Zugleich verwies er darauf, dass zum Stand am Montagabend die rechtliche Grundlage für den sächsischen Wellenbrecher am 15. Dezember auslaufe. Das weitere Vorgehen soll am Montag mit den anderen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sowie Vertretern der amtierenden und designierten Bundesregierung besprochen werden. Kretschmer appellierte am Ende der breit angelegten Diskussion zu mehr Impfungen.

Impfen ist der Weg, die Pandemie zu beenden.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Wo es eine höhere Impfquote gibt, sei die Lage weniger angespannt. Wer sich nicht impfen lässt, müsse sich "zurücknehmen", fordert Kretschmer und verweist auf die 2G-Regel.

Quelle: MDR/lam/dk

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 30. November 2021 | 19:00 Uhr

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