Lehrermangel GEW Sachsen zum Schulstart: mindestens 3.000 Stellen offen

Große Sorgen kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in Sachsen, denn es fehlen weiterhin Lehrkräfte. Aussicht auf Besserung gibt es bisher nicht, sagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die personelle Lage an den Schulen habe sich sogar weiter verschlechtert.

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit «Sp» am Anfang an eine Tafel.
In Kürze gehen in Sachsen die Sommerferien zu Ende und das neue Schuljahr beginnt. Ein Start mit Sorgen, es fehlen weiterhin viele Lehrerinnen und Lehrer. Bildrechte: dpa

Der anhaltende Lehrermangel lässt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit großer Sorge auf das neue Schuljahr blicken. "Ich habe kaum ein Schuljahr erlebt, was personell so schlecht beginnt wie dieses Schuljahr", sagte GEW-Chefin Uschi Kruse in Dresden. Licht am Ende des Tunnels sei ohne Änderungen der bisherigen Schulpraxis, ohne neue Ideen und ohne eine grundsätzliche Korrektur am Entwurf des Haushaltsplanes nicht möglich. Die Hoffnung auf Besserung sei außerordentlich gering.

Ich habe kaum ein Schuljahr erlebt, was personell so schlecht beginnt wie dieses Schuljahr.

Uschi Kruse Chefin Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Personalsituation noch mehr verschlechtert

Nach Worten Kruses verschlechtert sich die personelle Situation an den Schulen im Vergleich zum vergangenen Schuljahr noch einmal deutlich. Schon zu Beginn des Schuljahres 2021/2022 habe man die Stundentafel in keiner Schulart abdecken können. Damals hätten etwa 1.000 Lehrkräfte gefehlt. Dieses Minus nehme man mit ins neue Schuljahr. Die Bedingungen würden sich nun weiter verschlechtern.

Eine Schulklingel steht auf dem Lehrertisch.
Dringend Lehrkräfte gesucht: Gewerkschaft befürchtet, dass Stunden ausfallen und der Unterricht weiterhin nicht in vollem Umfang stattfinden kann. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Zu Beginn des dritten "Corona-Schuljahres" würden allein für die Minimalausstattung 3.000 Stellen fehlen. "Das ist bildungspolitisch eigentlich ein Offenbarungseid", sagte die GEW-Chefin weiter. Selbst der Bedarf in Dresden und Leipzig sowie an Gymnasien könne nicht mehr gedeckt werden. Die an Oberschulen und Förderschulen geplanten Einstellungen seien dieses Mal nur zu 31 Prozent gelungen.

Tausende offene Lehrerstellen - Besserung nicht in Sicht

Man könne nicht einmal mehr die von Lehrern altersbedingten Abgänge kompensieren. Kruse rechnet damit, dass Schulen ihre Stundentafel kürzen und beispielsweise auf eine Sportstunde verzichten. Auch würden Lehrer von einer Klasse in die anderen pendeln müssen. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass der Ausfall von Unterricht steigen wird.

Eine Schülerin hält bei einer Demonstration in Erfurt ein Plakat mit der Aufschrift «Lehrermangel» in Händen.
Schon im vergangenen Schuljahr hätten etwa 1.000 Lehrkräfte gefehlt. Dieses Minus nehme man nun mit ins neue Schuljahr. Bildrechte: dpa

Laut Kruse braucht Sachsen einen "Befreiungsschlag", um den Lehrerbedarf langfristig zu sichern. Die Verbeamtung habe die Probleme augenscheinlich nicht gelöst. Allerdings sei die Lehrerverbeamtung in der Zwischenzeit alternativlos geworden. Ohne Verbeamtung wäre das Ausmaß der Mangel vermutlich noch viel größer.

Runder Tisch soll Lösungen aufzeigen

Die GEW-Vorsitzende schlug einen Runden Tisch vor, um die "Schwarmintelligenz" vieler zur Lösung der Probleme zu nutzen. Es gehe auch um die Frage, wie man Lehrerinnen und Lehrer motiviert, um sie bei der Stange zu halten. Das sächsische Kultusministerium wird sich am Donnerstag, den 25. August, zum neuen Schuljahr äußern. Der Unterricht beginnt am Montag, 29. August.

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 24. August 2022 | 14:00 Uhr

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