Einrichtungsbezogene Impfpflicht 8.700 ungeimpfte Beschäftigte in Thüringer Gesundheitswesen gemeldet

Seit Mitte März gilt auch in Thüringen eine einrichtungsbezogene Impfpflicht gegen das Coronavirus. Das Gesundheitsministerium meldete einen Zwischenstand über die Zahl der ungeimpften Beschäftigten im Gesundheitswesen. Frühestens im Juni werde es Konsequenzen geben.

Eine Frau erhält eine Impfung.
Dem Thüringer Gesundheitsministerium wurden seit Beginn der Impfpflicht rund 8.700 ungeimpfte Beschäftigte im Gesundheitswesen gemeldet. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Thüringen sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit dem Start der einrichtungsbezogenen Impfpflicht Mitte März bislang rund 8.700 ungeimpfte Beschäftigte gemeldet worden. Dabei handle es sich noch um einen Zwischenstand, sagte eine Ministeriumssprecherin. Grund seien personelle Engpässe oder technische Probleme.

Impfpflicht: Noch keine Personalengpässe im Gesundheitswesen

Vor rund zwei Wochen hatte allein Gera über 500 ungeimpfte Beschäftigte im Gesundheitswesen gemeldet. Im Weimarer Land waren es gut 100. Der Landkreis Nordhausen rechnet sogar mit 1.000. Das hatte eine Umfrage von MDR THÜRINGEN ergeben.

Daraus ging auch hervor, dass es noch keine Einbußen beim Personal gibt. Frühestens im Juni könnten Betretungsverbote für ungeimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgesprochen werden.

Allein in den Thüringer Akutkrankenhäusern sind nach amtlicher Statistik mehr als 31.000 Ärzte und Ärztinnen sowie Pfleger und Pflegerinnen tätig. In Rehabilitationskliniken sind es mehr als 3.000. In der Altenpflege arbeiten mehr als 33.000 Beschäftigte in Heimen oder ambulanten Diensten. Hinzu kommen die Beschäftigten etwa in Arzt- und Zahnarztpraxen.

Arbeitgeber dürfen keine ungeimpften Mitarbeiter mehr einstellen

Die Impfpflicht für Personal in Kliniken, Pflegeheimen und -diensten, Arztpraxen, Hospizdiensten, Rettungsdiensten und mehreren anderen Bereichen gilt seit Mitte März. Arbeitgeber müssen seitdem ungeimpfte Beschäftigte den Gesundheitsämtern melden. Sie dürfen auch keine Ungeimpften mehr einstellen.

Beschäftigte ohne Immunisierung gegen das Coronavirus müssen mit Bußgeldern rechnen, im letzten Schritt drohen Arbeitsverbote. Einige Ämter rechnen laut Ministerium damit, dass sich die Zahlen noch ändern, wenn für Beschäftigte nach einer Corona-Infektion im vergangenen Quartal demnächst der Genesenen-Status entfalle.

Thüringer CDU fordert Umdenken bei Impfpflicht

Die Thüringer CDU hat angesichts der veröffentlichten Zahlen ein Umdenken der Landesregierung bei der einrichtungsbezogenen Impfpflicht gefordert. Die Einzelfallprüfungen sollten so großzügig wie möglich ausgelegt werden, sagte der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Thadäus König.

Seiner Ansicht nach sind vor allem die Betretungsverbote nicht angemessen. Grundsätzlich erwarte er jedoch, dass sich Angestellte mit Blick auf ihre Patienten impfen lassen, so der CDU-Politiker. Zuvor hatte bereits die Landeskrankenhausgesellschaft gefordert, die einrichtungsbezogene Impfpflicht auf den Prüfstand zu stellen.

FDP für Ende der einrichtungsbezogenen Impfpflicht

Auch die FDP im Thüringer Landtag fordert ein Ende der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Sie sei weder gesundheitspolitisch geboten noch juristisch haltbar, teilten die Liberalen mit. Bleibe es bei der Impfpflicht, könne es zu einem Zusammenbruch der Versorgung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in Thüringen kommen.

Linke: Ungeimpfte sollen sich impfen lassen

Von der Linken heißt es, die Landesregierung habe die Rahmenbedingungen geschaffen, dass die Gesundheitsämter großen Handlungsspielraum haben und Engpässe bei der Versorgung vermieden würden. Das Beste wäre trotzdem, wenn sich die bisher ungeimpften Beschäftigten impfen ließen und damit sich selbst und die Menschen in den Einrichtungen schützten, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Ralf Plötner.

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MDR (jhi/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 28. April 2022 | 08:30 Uhr

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