Wirtschaft Nach "schlaflosen Nächten": Wie Gastronomen die erste Woche mit 3G bewerten

Seit einer Woche gilt in Thüringen in der Gastronomie nicht mehr 2G, sondern 3G. Dennoch stagnieren die Gästezahlen auf niedrigem Niveau. Die Beschlussvorlage des Bundes über einen Stufenplan für umfassende Lockerungen gibt nun Hoffnung.

Geschäft mit der Aufschrift: Zutritt nur nach 3G Regeln
Trotz der Lockerung auf die 3G-Regel kommt die Gastronomie noch nicht richtig in Fahrt. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Die Umstellung von 2G auf 3G hat sich für den Meininger Cafébetreiber Falko Hertling nicht bemerkbar gemacht. Die Gästezahlen seien in der vergangenen Woche weiter auf niedrigem Niveau herumgedümpelt.

"Ich denke, Ungeimpfte haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass sie nicht ins Café oder Restaurant gehen können", so die Einschätzung des 61-Jährigen. Die Hürde, sich vorher erst in ein Testzentrum zu begeben, sei zu hoch.

Gastronomie: Vor allem Gruppen fehlen

Auch bei Thomas Schäfer, Inhaber der "Suhler Weiberwirtschaft", läuft es seit 3G nicht wirklich besser. Zwar kämen mittlerweile wieder mehr Touristen in den Thüringer Wald, aber für einen guten Umsatz fehlten ihm größere Gruppen, wie Vereine, Stammtische oder Familienfeiern. Laut dem Thüringer Hotel und Gaststättenverband Dehoga gilt dies für die gesamte Branche. Der Verband drängt daher auf grundsätzliche Öffnungen.

Rentenvorsorge in Gefahr

Für Falko Hertling zählt jetzt jede Woche: "Ich muss ja meine Rente über das Geschäft absichern." Die vergangenen Jahre hätten ein riesiges, finanzielles Loch in seine Vorsorgepläne gerissen. Die sich ständig ändernden Regeln hätten zusätzliche Probleme verursacht.

Ich muss meine Rente über das Geschäft absichern.

Falko Hertling Café-Betreiber in Meiningen

Um mehr Sitzplätze an der frischen Luft zu schaffen, hat Hertling zum Beispiel mehrere Tausend Euro in den Außenbereich investiert. Am Ende galt da dann auch 2G und die Plätze blieben oft leer. "Das alles hat mir viele schlaflose Nächte beschert", berichtet Hertling. Es sei für ihn unverständlich, warum die Branche in der Krise so hängen gelassen worden sei. "Wir haben doch seit zwei Jahren funktionierende Abstands- und Hygienekonzepte."

Falko Hertling, Betreiber des Lava Java in Meiningen
Café-Betreiber Falko Hertling sorgt sich um seine Zukunft. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Corona-Maßnahmen könnten bald fallen

Aktuell gilt: Staatliche Hilfen gibt es, wenn der Umsatz um mindestens 30 Prozent eingebrochen ist. Hertling öffnet sein Café derzeit eigentlich nur, um das nachweisen zu können. Im Dezember hatte er wenige Euros zu viel verdient, um Anspruch auf Unterstützung zu haben. Der Gastronom beschreibt seine Situation mit dem Worten: "Zu viel, um zu sterben, zu wenig, um zu leben."

Mit den jüngsten Plänen des Bundes könnten bald wieder bessere Zeiten für die Gastronomie anbrechen. Laut der Beschlussvorlage sollen ab dem 20. März die viele Corona-Maßnahmen fallen. Der Vorschlag soll am Mittwoch bei einem Treffen von Bund und Ländern diskutiert werden.

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Februar 2022 | 06:00 Uhr

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