Erfurter Kreuz Europas größtes Batteriezellenwerk CATL kann starten

Im Oktober 2019 war Spatenstich auf einem leeren Feld. Jetzt steht dort eine 540 mal 220 Meter große Halle: Der weltgrößte Produzent von Lithium-Ionen-Zellen, CATL aus China, will schon bald mit der Produktion am Erfurter Kreuz beginnen. Nun wurde eine weitere Hürde genommen.

Luftaufnahme CATL-Werk
Mehr als einen halben Kilometer ist das neue CATL-Werk lang. Bildrechte: CATL/Paul-Philipp Braun

Am Erfurter Kreuz entsteht gerade Europas größtes Batteriezellenwerk. Der chinesische Batteriehersteller CATL investiert nach eigenen Angaben 1,8 Milliarden Euro. Im Spätsommer soll die Produktion starten. Voraussetzung dafür war auch die zweite Teilgenehmigung nach Emissionsschutzrecht. Die wurde am Montag von Thüringens Energie- und Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) an CATL-Europachef Matthias Zentgraf übergeben.

Am 18. Oktober 2019 war Spatenstich auf einem leeren Feld zwischen Arnstadt und Rehestädt. Über die Monate wuchs das Werk von einem Stahlgerüst hin zu einer jetzt riesigen Halle - 540 Meter mal 220 Meter groß. Mehr als 500 Mitarbeiter gibt es bereits am Standort - knapp 200 von ihnen sind Chinesen aus dem Stammwerk in Ningde. Sie gehören inzwischen zum Stadtbild in Arnstadt. Ebenso wie die Shuttlebusse mit den chinesischen Schriftzeichen in der Frontscheibe, die die Frauen und Männer ins Gewerbegebiet fahren.

Energieministerin Anja Siegesmund und CATL Europachef Matthias Zentgraf
Energieministerin Anja Siegesmund und CATL-Europachef Matthias Zentgraf: Mit der Übergabe der Betriebsgenehmigung kann mit der Produktion begonnen werden. Bildrechte: CATL/Paul-Philipp Braun

In den ehemaligen Solarworld-Gebäuden habe die Europazentrale von CATL ihren Sitz, sagt Europa-Chef Matthias Zentgraf. Seit Ende 2021 werden dort Batteriemodule gefertigt. Die Teile dafür kommen noch aus China. Die Corona-Pandemie habe auch CATL in Thüringen vor große Herausforderungen gestellt, so Zentgraf. Arbeitskräfte aus China konnten nicht nach Deutschland einreisen, Lieferketten waren unterbrochen, der gesamte Neubau sei teurer geworden. Und dennoch könne man nun wie geplant 2022 mit der Produktion starten.

Neuer CATL-Standort in der Mitte Europas

Dass CATL sich vor Jahren fürs Erfurter Kreuz entschieden habe, trotz hoher Lohn-, Energiekosten und Steuern, habe Gründe, sagte Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee am Montag bei der Übergabe der Genehmigung. Das Erfurter Kreuz sei ein Standort in der Mitte Deutschlands und Europas, Automobilproduzenten seien in der Nähe ebenso wie Forschungs- und Entwicklungsstandorte. Und die Ansiedlung von CATL strahle auch auf ganz Ostdeutschland aus, ist Tiefensee überzeugt. Unternehmen wie Tesla und Intel hätten nun auch in Ostdeutschland investiert. Zulieferbetriebe würden folgen, sagt er.

Das CATL-Werk am Erfurter Kreuz bei Arnstadt ist noch eine Baustelle. Rund um die Halle stehen unzählige Baucontainer übereinander gestapelt zu regelrechten Wänden. Überall sind Bauarbeiter in Schutzwesten und mit Bauhelmen zu sehen. Es herrscht reges Treiben. Von außen lässt sich nur erahnen, was in der Halle passiert. Der Zutritt ist nicht gestattet. Derzeit laufe der Innenausbau auf Hochtouren, heißt es.

Blick in die künftige Produktionshalle
Blick in die künftige Produktionshalle: Bis zu 2.000 Mitarbeiter sollen am Standort arbeiten. Bildrechte: CATL/Paul-Philipp Braun

Die Bedingungen in der Halle werden bald denen der Chip-Produktion gleichen - mit Reinräume und konstanter Luftfeuchtigkeit. Alles wird vorbereitet für die Maschinen, die bereits auf dem Weg von China nach Arnstadt sind. Anders als beim Tesla-Werk in Brandenburg seien die Genehmigungen vorm Produktionsstart da, sagte Thüringens Energie- und Umweltministerin Siegesmund. Der Elektroautomarkt boome. "Die Leute wollen umsteigen."

In Thüringen seien 2021 60 Prozent mehr Elektroautos angemeldet worden als noch ein Jahr zuvor. Die Übergabe der zweiten Teilgenehmigung an CATL am Erfurter Kreuz, in der es um emissionsschutzrechtliche Dinge geht, sei ein "Meilenstein" für eine der Zukunftstechnologien und der Start einer neuen Ära der Elektromobilität - und das mitten in Thüringen, so Siegesmund.

Energiehunger: Neues Umspannwerk samt 110 KV-Leitung

Das Batteriezellenwerk am Erfurter Kreuz braucht viel Energie. Neben dem Gelände wird deshalb ein Umspannwerk samt 110 KV-Leitung gebaut. Bis Jahresende soll die größte Batteriefabrik Europas für E-Mobilität hochgefahren werden auf eine Kapazität von acht Gigawattstunden.

Um bei der Herstellung der Batteriezellen möglichst wenig CO2 zu verbrauchen, setzt das Unternehmen auch auf erneuerbare Energien. Auf dem Hallendach befindet sich nach Angaben von CATL Deutschlands größte Fotovoltaikanlage auf einem Gebäude. Damit werde, so Siegesmund, "die Energie für die Batteriezellen-Herstellung frisch von der Thüringer Sonne geerntet". Das sei die Zukunft sauberer Antriebe, produziert in Thüringen.

Produktionsräume werden gebaut
Der Innenausbau ist in vollem Gange. Im Spätsommer will CATL mit der Produktion beginnen. Bildrechte: CATL/Paul-Philipp Braun

Bis zu 2.000 Mitarbeiter werden für den Standort gebraucht. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das nicht ganz einfach, weiß CATL-Europachef Matthias Zentgraf. Sein Unternehmen stehe im Wettbewerb mit anderen. Gebraucht würden für den Standort vor allem Maschinenbediener und interessierte Automotive-erfahrene Leute. Die sollen dann vor Ort geschult werden von ihren chinesischen Kollegen aus dem Stammwerk in Ningde. Zehn bis 15 Prozent der Mitarbeiter werden auch langfristig aus China kommen. Bis Ende 2023 sollen alle sechs Fertigungslinien in Betrieb genommen werden.

Da im Werk auch mit gefährlichen Stoffen gearbeitet wird, stand lange die Frage im Raum, ob eine Betriebsfeuerwehr für den Standort nötig sei. Zentgraf sagte, man habe gemeinsam mit den Behörden eine Lösung gefunden über sogenannte Emergency Response Teams (ERT). Ein Teil der Mitarbeiter habe eine Feuerwehrausbildung, so Zentgraf. Falls etwas Unvorhergesehenes passiere, können diese Leute im Ernstfall zuerst eingreifen, bevor dann die örtlichen Feuerwehren ankommen. Im bereits in Betrieb genommen ehemaligen Solarworld-Gebäude sei das schon Praxis.

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MDR (sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. April 2022 | 19:00 Uhr

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