Wohnen Minihaus aus Arnstadt ging in den Norden

Platzsparend und bei Bedarf mobil sollen "Tiny Houses" sein - also Minihäuser. Wir haben uns ein 40 Quadratmeter großes Beispiel aus Arnstadt angeschaut.

Veranda vor kleinem Holzhaus
Ein Arnstädter Startup-Unternehmen setzt auf "Tiny Houses" - das sind die Erfahrungen bei den ersten Schritten. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Leben auf weniger als 50 Quadratmetern und das vielleicht sogar auf Rädern, dafür aber im eigenen Heim und mit netten Nachbarn, die man sich aussuchen kann? Das geht mit "Tiny Houses". Diese Minihäuser sind ein Trend aus den USA, der auch immer mehr in Deutschland Fuß fasst. Das StartUp Unternehmen "TinyConcept" aus Arnstadt hat jetzt sein erstes Minihaus ausgeliefert.

Per Schwerlasttransport ging es in den Norden nach Wismar. Dort soll es als Ferienhaus genutzt werden. "Das erste gelieferte Haus ist immer was ganz Besonderes und das Gefühl ist phantastisch.", sagt Geschäftsführerin Lisa Gehlau. Lisa Gehlau ist in einer Tischlerfamilie groß geworden. Bereits in vierter Generation gibt es das Familienunternehmen. Laden- und Möbelbau wird seit 1949 betrieben. 18 Mitarbeiter gibt es.

Weil Vater Klaus Röhricht gerne nochmal ein neues Geschäftsfeld beackern wollte, kam seiner Tochter die Idee mit dem winzigen Haus. Das Knowhow der elterlichen Firma passte da perfekt. Von der Idee im Januar 2020 bis zum ersten fertigen Haus dauerte es gerade einmal anderthalb Jahre. Im Oktober 2020 gründete Lisa Gehlau die Vertriebsfirma "TinyConcept" als StartUp Unternehmen. Im März 2021 wurde das erste Mini-Haus dann vom Werkhof auf die Ausstellungsfläche umgesetzt.

Das war auch der erste Test für einen Transport mit dem Kran. Die großen Fragen waren: Hält das Haus im Ganzen den Transport aus? Zerbricht irgendwas? Geht an der Inneneinrichtung etwas kaputt? Wenn sich Lisa Gehlau daran erinnert, bekommt sie immer noch Gänsehaut. "Das war schon aufregend. Man hat versucht, an alles zu denken. Aber als es am Haken hing, hat man gedacht: Oh mein Gott hoffentlich hält das. Hoffentlich ist das Medienanschlussloch im Boden an der richtigen Stelle. Und dann war man stolz, dass alles richtig geklappt hat und funktioniert. Einfach begeisternd war das."

Schlafraum unter Giebel mit großem Fenster
Insgesamt sind es 40 Quadratmeter Wohnfläche Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Damals "flog" ihr Mann im Haus mit und war am Ende ebenso begeistert, wie der Rest der Mannschaft. Denn jeder Mitarbeiter brachte sich irgendwie ein in das neue Projekt und so war das Musterhaus am Ende ein Baby aller. Mit knapp 40 Quadratmetern Wohnfläche, zwei Zimmern, Küche, Bad und Schlafboden ist es ein vollwertiges Haus, in dem man das ganze Jahr wohnen kann. "TinyConcept" legt Wert auf ökologische Materialien wie Lehmputz, aber auch auf Solarheizung, ordentlich gedämmte Wände und dreifach verglaste Fenster.

Kreativ gebaut, wird jeder Kubikzentimeter optimal genutzt. Stauräume gibt es auch unter der Küchenzeile, wo man sie gar nicht vermutet. Hier kommt die jahrzehntelange Möbelbauerfahrung zum Tragen. Im Musterhaus sind fast alle Möbel im Betrieb der Eltern gebaut worden. Das Haus beruht auf Holzständerbauweise, ist mit Holz gedämmt, hat eine Fußbodenheizung und ein Klimagerät mit Heizfunktion. Wer will kann es als komplettes Holzhaus bekommen. Aber auch Kunststofffenster, Keramikfassaden und Designfußboden sind möglich. Auch die Wände sind verschiebbar in der Planung, ebenso die Fenster und Terrassentüren. Der Kunde kann mitplanen.

Keine Bodenversiegelung

Am Ende wiegt ein solches Haus 16 Tonnen und misst 3,5 mal zwölf Meter. Es kann auf einem Punktfundament oder auf sogenannten Steelroots aufgestellt werden. So wird Flächenversiegelung verhindert. Beim Innenausbau wird mit Unternehmen aus der Region zusammengearbeitet. Ob Sanitär-, Elektrofirma oder Dachdecker - alle haben ihren Sitz keine 20 Kilometer entfernt. Das Musterhaus lädt Neugierige direkt neben dem Firmensitz in Arnstadt zum Erkunden ein. Eine große Terrasse vorm Haus wirkt bereits "hyggelig", wie die Dänen sagen würden. Die Holzfassade strahlt gemütliche Wärme aus.

"Beim ersten Schritt ins Haus sind nicht wenige erstaunt, wieviel Platz in einem knapp 40 Quadratmetergroßen Haus ist." Lisa Gehlau hat das Häuschen gemütlich eingerichtet. Die Wohnküche mit Zugang zur Terrasse ist lichtdurchflutet. Über der Küchenzeile ist eine riesige Fensterfront. Wer hier kocht, hat das Gefühl im Garten zu stehen. Eine Treppe führt auf den Schlafboden. Dieser kann wahlweise auch als Abstellraum genutzt werden. Unter der Treppe befindet sich der Wirtschaftsraum mit Sicherungskasten und allen Medien. Gegenüber der Eingangstür geht es ins Bad. Bodentiefe Dusche, Waschtisch, Waschmaschinenanschluss und Toilette – auch das Bad wirkt unerwartet groß.

Küche mit großém Fenster und Blick ins Grüne
Licht war gefragt für die Küche Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Am Ende des kleinen Flures gibt es ein weiteres Zimmer. Es kann als Arbeits- und Gästezimmer oder als Schlafzimmer genutzt werden. Im Musterhaus hat es bodentiefe Fenster. Das ist aber individuell planbar, ebenso wie der Einbauschrank. Dessen Details zeigen, was Tischlerhandwerk zu leisten vermag. Darauf ist Lisas Vater Klaus Röhricht sichtlich stolz. Wer mag, kann in diesem Musterhaus sogar Probe schlafen. Von der Bestellung bis zur Lieferung dauert es ungefähr fünf Monate. Die Kunden brauchen eine Baugenehmigung, ein erschlossenes Grundstück und genügend Platz für Kran und Schwerlaster, die das Haus anliefern.

Auf Latten aufgebocktes graublaues kleines Holzhaus
Am Ende hat sich sechsstellig doch nicht vermeiden lassen. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Bei der Gründung der Firma ging Lisa Gehlau noch von 80.000 bis 90.000 Euro pro Haus aus. Inzwischen müssen Kunden einen sechsstelligen Betrag bezahlen. Die Coronapandemie und der Krieg in der Ukraine sind in der Kalkulation bereits spürbar geworden, sagt sie. Alles wird teurer. Aber "einfach war gestern". Dass sie den Schritt der Gründung gewagt hat, hat sie nicht bereut. "Ich springe gerne über Steine. Auch wenn sie riesig sind." Auch wenn das Haus keine Räder hat - es kann versetzt werden. Wen also die Liebe, der Beruf oder aber der Ruhestand an einen anderen Ort verschlägt, der kann einfach einen Schwerlasttransport bestellen und je nach Unternehmen und Entfernung kann das Haus für 5.000 bis 10.000 Euro umziehen.

Wer in ein kleines Haus zieht, muss sich reduzieren. Für viele Menschen ist es das Haus der Zukunft. Lisa Gehlaus Kunden sind bunt gemischt. "Angefragt haben junge und alte Paare, alleinstehende Frauen, aber auch Hotels, die Ferienhäuser anbieten wollen." Interessenten gibt es schon einige, ausgebremst werden die Bauprojekte oft noch durch die Bürokratie. Aber das Arnstädter StartUp will nun Fahrt aufnehmen. Nachgedacht wird inzwischen schon über einen weiteren Haustyp.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 09. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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