Energiekrise Egapark muss Strom sparen und sortiert Pflanzen aus - wie auf der Arche Noah

Im Egapark stehen mehr als 1.000 Kübel- und Topfpflanzen. Jedes Jahr im Oktober werden sie ins Warme gebracht, um sie vor dem Winter zu schützen. Doch auch der Egapark muss Strom sparen. Manche Pflanzen müssen um ihren Platz im Warmen bangen.

Ein Mann steht neben zwei Palmen in Kübeln in einem Park.
Ega-Betriebsleiter Chris Lange und sein Team erstellt eine Liste, welche Pflanzen besonders schützenswert sind und welche unter Umständen abgegeben oder nachgekauft werden könnten. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Sie steht gleich am Eingang: die wertvollste und älteste Palme des Egaparks. Rund 300 Jahre alt ist die Kanarische Dattelpalme, zehn Meter hoch und wiegt 2.100 Kilogramm. Das Exemplar kam einst aus dem Schlosspark Sanssouci nach Erfurt. "Den Potsdamern war sie zu groß geworden", erzählt Ega-Betriebsleiter Chris Lange die Geschichte dieser Rarität. Sie genießt VIP-Status und wird auch im kommenden Winter in jedem Fall ins Überwinterungsgewächshaus einziehen.

Andere müssen um ihren Platz im Warmen bangen. Denn der Egapark muss Strom sparen und will diesmal ein Gewächshaus vom Netz nehmen. Bleiben nur zwei - und da wird es eng. "Ist nur für diesen Winter, da müssen wir durch. Wichtig ist, dass wir die historischen Sammlungen erhalten und die wertvollsten Pflanzen retten."

Neben einem Weg im Egapark stehen mehrere Topfpflanzen.
Alles muss im Herbst rein - kann aber nicht – denn in diesem Jahr wird es eng in den Winterquartieren des Ega-Parks. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Palmen kommen in neues Überwinterungsgewächshaus

Im Egapark stehen mehr als 1.000 Kübel- und Topfpflanzen. Im Oktober beginnt alljährlich das große Rücken. Normalerweise werden auch die 750 Fuchsien, die Dutzenden Pelargonien, so wie sie sind, ins Winterquartier geräumt. Doch die großen Kübel nehmen jede Menge Platz weg und das Fuchsien-Gewächshaus wird in diesem Winter stillgelegt. "Das werden wir uns in sparen."

Also müssen alle ins Anzucht- und ins neugebaute Überwinterungsgewächshaus. Letzteres wurde zur Bundesgartenschau 2021 eröffnet und hat eine Fläche von 1.100 Quadratmetern. Das klingt viel, aber schon die Palmen beanspruchen einen Großteil der Fläche.

Palmen stehen in einem Gewächshaus.
Die zur Bundesgartenschau neu errichtete Überwinterungshalle muss in diesem Winter deutlich mehr Pflanzen aufnehmen als geplant. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Egapark gehört zu deutschlandweitem Netzwerk

"Es ist ein bisschen wie auf der Arche Noah. Wir gucken, welche Sorten unbedingt erhalten werden müssen, und so wird es nicht jede Pflanze schaffen, aber von jeder Sorte wenigstens eine", erklärt Chris Lange. Die Gärtner erstellen gerade Listen, welche Pflanzen besonders schützenswert sind, welche die Ega erhalten muss und will - und welche Pflanzen abgegeben oder später nachgekauft oder getauscht werden können.

Der Park gehört dem "Netzwerk Pflanzensammlung in Deutschland" an, ist ein Hort für historische Fuchsien und Pelargonien. Innerhalb des Netzwerks laufen gerade Gespräche, welche Sorten vielleicht woanders untergestellt werden können und welche nicht überwintert werden.

Ein Mann steht in einem Blumenbeet im Egapark in Erfurt.
Die historische Fuchsiensammlung soll gerettet werden, aus Platzgründen können die Töpfe nicht alle ins Winterquartier einziehen. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Aktuell spielen die Gärtner einen Stellplan durch. Manche Pflanze wird nur als Steckling und nicht in ihrer ganzen Pracht, Fülle und Bereite überleben. Das betrifft zum Beispiel die hängenden Fuchsien. "Das verjüngt die Pflanzen aber auch" kann der Ega-Betriebschef der Situation sogar etwas Gutes abgewinnen. Die Stecklinge überwintern in kleinen Töpfen, werden im Frühjahr dann aber nicht für die sonst gewohnte Farbenpracht und -fülle sorgen.

Auch Egapark muss Energie sparen

Auf die Energiekrise müsse der Egapark reagieren, auch wenn es seit 2014 bereits ein Energiesparkonzept gibt und das Klima-Zonenhaus "Danakil" mit seiner modernen Bauweise mit vergleichsweise wenig Energie auskommt. Dennoch: Der Egapark verbraucht im Jahr eine Million Kilowattstunden Strom. Wie viel eingespart wird, wenn ein Gewächshaus kalt bleibt, ist noch nicht errechnet. Der Park hat aber auch weiteres Sparpotenzial erkundet.

Ein leeres Gewächshaus.
Das Gewächshaus für die Fuchsien bleibt in diesem Winter leer – es soll nicht beheizt werden, um Strom zu sparen. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

So können die Laptops der Mitarbeiter in den Büros per Kippschalter in den Pausen ausgeschaltet werden, sprudeln die Springbrunnen jetzt früh erst eine halbe Stunde später und im Winter wird wohl die Wüste im Klimazonen-Haus "Danakil" kaltgestellt. "Das funktioniert bei den Wüstenpflanzen, bei den Urwaldpflanzen werden wir maximal auf 18 Grad runterdrehen."

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. Juli 2022 | 19:00 Uhr

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