Fernwärme Heizwerk in Erfurt mit neuen Gasturbinen - Wärmeversorgung für dieses Jahr gesichert

MDR-Autorin Antje Kirsten
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine warme Wohnung, heißes Wasser aus dem Hahn - für uns ist das selbstverständlich. Aktuell sorgen sich aber viele, wie das weitergeht, immerhin bezieht zum Beispiel auch das Heizwerk in Erfurt 55 Prozent seines Erdgases aus Russland. Das Heizwerk ist in den vergangenen beiden Jahren für 42 Millionen Euro modernisiert worden - auch um mehr Strom und Wärme aus dem Rohprodukt Erdgas zu gewinnen.

Schaltraum des Heizwerks Erfurt
Das Erfurter Heizwerk wurde kürzlich modernisiert. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Der erste Winter mit den funkelnagelneuen Gasturbinen ist fast geschafft. "Wir haben die Testphase gut überstanden, es gab keine größen Ausfälle", freut sich Marco Türke. Er ist der Kraftwerksleiter bei der SWE Energie GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Erfurt. Stolz ist er auf "sein" Heizwerk. "Das muss man erstmal hinkriegen, bei einer solchen Großinvestition von geplanten 50 Millionen Euro acht Millionen einzusparen und wir haben nichts weggelassen."

Marco Türke, Kraftwerksleiter bei der SWE Energie
Kraftwerksleiter Marco Türke ist stolz auf das Erfurter Heizwerk. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Nur die Motoren mussten getauscht werden

Kluge und gezielte Ausschreibung und gute Pflege hätten das bewirkt. So mussten bei den Gasturbinen dank guter Wartung nur die Motoren und nicht auch noch das Getriebe und der Generator getauscht werden. Die alten Gasturbinen waren rund 20 Jahre alt und hatten eine Laufzeit von 155.000 Stunden hinter sich.

Die neuen Gasturbinen haben nun mit 85 Prozent auch einen höheren Wirkungsgrad. Sprich: Aus dem wertvollen Rohstoff Erdgas kann mehr Strom und Wärme erzeugt werden. "Bei der Menge, die wir im Jahr erzeugen, machen zwei, drei Prozentpunkte sehr viel aus", rechnet Marco Türke vor. So produziert das Heizwerk der Stadtwerke 550 Gigawattstunden Strom im Jahr und etwa 650 Gigawattstunden Wärme. "Das sind riesengroße Zahlen, kann man sich schlecht was darunter vorstellen. Beim Strom könnten wir mit der Menge ganz Deutschland für acht Stunden versorgen."

Eine Gasturbine
Blick in eine Gasturbine Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Im Kesselhaus ist es laut. Die Mitarbeiter tragen Gehörschutz. Den Lärm erzeugt der Hochdruckdampf, der durch die Rohre gepeitscht wird. Bevor es in den Wohnstuben der Erfurter kuschlig warm wird, muss erstmal das Erdgas ankommen. Das fließt, damit es auch jeder erkennt, durch gelbe Rohre, zur Gasturbine. Dort wird es verfeuert. Die Turbinen treiben dadurch Generatoren an, die Strom erzeugen.

Das Besondere einer Gas- und Dampfturbinenanlage ist es, dass der 500 Grad heiße Dampf nicht einfach in die Luft abgelassen wird, sondern über einen Abhitzekessel erfolgt eine Wärmeübertragung auf ein Rohrleitungssystem. Der Dampf strömt zu einer separaten Dampfturbine, die noch einmal Strom erzeugt.

Fernwärme für 48.300 Haushalte und drei Betriebe

Der Heizwerk mit seinen 32 Mitarbeitern versorgt 48.300 Haushalte - das sind etwa 80.000 Erfurter - mit Fernwärme, außerdem drei Industriebetriebe: die Teigwarenfabrik, das Milchwerk und die Malzwerke. Bei der Modernisierung über zwei Jahre hinweg wurde am offenen Herzen operiert sozusagen - denn das Werk konnte ja nicht vom Netz genommen werden. Inzwischen ist der Testlauf abgeschlossen. "Es läuft gut", sagt Türke. Die Turbinen laufen rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.

Im Inneren des Heizwerks Erfurt
Das Erfurter Heizwerk versorgt 48.300 Haushalte und Firmen im Osten, Süden und Norden der Stadt  - durch die massigen Rohre wird der Abdampf der Gasturbine auf den Heizkondensator geleitet  - der funktioniert wie ein Kochtopfkessel - im Heizkondensator erfolgt eine Wärmeübertragung auf das Fernwärmeheizsystem. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Erdgasmix aus mehreren Ländern

Es wird nicht kalt werden in den Erfurter Wohnungen, in diesem und nächsten Jahr auf keinen Fall, sagt Karel Schweng, Geschäftsführer der SWE. "Die Erdgasspeicher der Lieferanten sind noch gut gefüllt und es sind auch Ersatzlieferungen über verflüssigtes Erdgas möglich." Auch die Erfurter Stadtwerke beziehen einen Erdgasmix, wie alle Energieversorger in Deutschland. 55 Prozent des Erdgases liefert Russland, der Rest kommt aus Norwegen, Deutschland, den Niederlanden. "Aktuell ist die Versorgung gesichert", so Schweng.

Trete der eher unwahrscheinliche Fall einer sogenannten Gasmangellage ein, dann wird der "Notfallplan Gas" ausgelöst. In diesem Augenblick übernimmt die Bundesnetzagentur die Verteilung des Gases über einen Krisenplan. Da die privaten Haushalte wie auch Energie- und Lebensmittelerzeuger sowie Krankenhäuser zu den sogenannten geschützten Kunden gehören, würden sie auch in einer Gasmangellage nicht vom Netz genommen, so Schweng.

Sorge bereite ihm allerdings die Kosten- und Preisentwicklung. Das würden die Kunden schmerzhaft im nächsten Jahr spüren.

MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 06. März 2022 | 18:00 Uhr

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