Ein ganzes Jahr beim Landwirt Sonnenblumen: Öl-Lieferanten und lebender Kompass

Sonnenblumenfelder sind ja aktuell die optischen Highlights in der Thüringer Landschaft. Auf den Äckern der "Geratal Agrar" bei Andisleben stehen in diesem Jahr besonders viele Sonnenblumen. Und kurioserweise schauen sie meist in dieselbe Richtung. Warum? Das klärt MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder bei einem Besuch der Agrargenossenschaft Geratal in der Serie "Ein Jahr beim Landwirt".

Sonnenblumenfeld 2 min
Bildrechte: MDR/Alex Zielinski
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Warum schauen die großen, gelben Blüten der Sonnenblume eigentlich alle in eine Richtung? Das klärt MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder bei einem Besuch der Agrargenossenschaft Geratal.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 20.07.2022 05:00Uhr 01:36 min

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Sonnenblumenfelder sehen einfach toll aus, und, wenn wir ehrlich sind, verleiten sie manchmal auch zum Sonnenblumen-Diebstahl - heimlich am Feldrand. Es stehen ja noch genügend da. Doch das sehen die Landwirte nicht so gern.

Wie auch immer, ob jetzt beim genussvollen Beobachten oder beim "Sonnenblumen-Mopsen", vielleicht haben Sie sich danach gefragt: Warum schauen die großen, gelben Blüten allesamt in eine Richtung? So als ob da jemand mit einem riesigen Kamm alle schön in Reih‘ und Glied gebürstet hätte.

Sonnenblumenfeld
Warum nur schauen die alle zu mir? Sonnenblumen richten sich oft alle in dieselbe Richtung aus. Bildrechte: MDR/Alex Zielinski

Ein Argument ist dann schnell zur Hand: die Sonnenblumen drehen sich immer mit der Sonne. Ist doch völlig klar, wenn man Sonnenblume heißt. Ganz so einfach ist es dann nicht, wir müssen differenzieren: zwischen jungen Sonnenblumen, die noch im Wachstum sind, und den etwas älteren, den reifen Sonnenblumen.

Warum junge Sonnenblumen ihre Blütenköpfe drehen

Die jungen Sonnenblumen, die im Pubertätsalter, drehen wirklich ihre kleinen Blütenköpfe der Sonne entgegen. Tag für Tag, immer schön von Ost nach West. Und in der Nacht wird wieder nach Ost zurückgedreht, damit es dort am nächsten Morgen wieder losgehen kann. Fachleute nennen das "Heliotropismus". So können sie das Sonnenlicht viel effektiver nutzen, Stichwort Photosynthese. Denn wenn wir uns mal an den Ausgangspunkt zurückdenken: Aus einem kleinen Sonnenblumenkern wird eine menschengroße Pflanze, da braucht es eine ganze Menge Sonnenenergie.

Sonnenblumen von hinten auf einem Feld
Ganz vorn, mit dem Rücken zu Ihnen, das sind die jungen Sonnenblumen. Bildrechte: MDR/Alex Zielinski

Jetzt zu den erwachsenen Sonnenblumen. Ihnen geht es ähnlich wie uns, wenn wir älter oder reifer werden. Sie lieben es ruhiger und tun sich den Stress mit dem Köpfchendrehen nicht mehr an. Wachstum und Photosynthese war gestern. Stattdessen schauen sie den ganzen Tag mehr oder weniger Richtung Osten. Man kann sie also auch ganz gut als Kompass verwenden.

Sonnenblumenfeld
Der "Bio-Kompass": Die ausgewachsenen Sonnenblumen schauen Richtung Osten. Bildrechte: MDR/Alex Zielinski

Mehr Sonnenblumen als Reaktion auf Speiseöl-Knappheit

Also einfach mal genau hinschauen und ausprobieren beim nächsten Sonnenblumenfeld, das Ihnen über den Weg läuft. In diesem Jahr gibt es recht viele davon in Thüringen. Das liegt einfach daran, dass im zeitigen Frühjahr in Deutschland das Sonnenblumenöl knapp war. Die Landwirte witterten gute Preise und säten spontan ein paar Sonnenblumenkerne mehr aus. Die große Weltpolitik hat eben auch Auswirkungen auf die Thüringer Felder.

Mann steht zwischen hoch gewachsenen Sonnenblumen in einem Feld.
Wer ist größer? Reporter Jens Roder verschwindet im Sonnenblumen-Feld. Bildrechte: MDR/Alex Zielinski

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MDR (mab)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 20. Juli 2022 | 05:00 Uhr

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