FUNiño Neue Regeln im Kinderfußball

Für die sechs bis elfjährigen Nachwuchsfußballer gibt es auch in Thüringen bald neue Regeln. Im Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei werden sich die Kinder zukünftig messen. Weniger Erfolgsdruck und mehr Individualität schreibt sich der DFB mit den neuen Regeln vor. Vielleicht bilden wir so unsere kommenden Weltmeister aus. Doch von den Vereinen hagelt es Kritik gegen das Diktieren neuer Regeln, die Anschaffung von Toren und wegen fehlender Torhüter.

Kinder spielen Fußball
Mehr Tore durch mehr Tore? Der DFB ändert die Regeln im Kinderfußball. Bildrechte: imago/Avanti

Fußball ist immer noch eine der beliebtesten Sportarten für Kinder. Gemeinsam mit den Kumpels auf den Sportplatz zu gehen hat viel Tradition. Tore zu erzielen ist einer der Gründe, warum Kinder so viel Freude am Fußball haben. Eine neue Spielform bietet allen Kindern die Möglichkeit, aktiver am Spiel teilzunehmen.

FUNiño so heißt die neue Spielform, die nun auch in Thüringen eingeführt wird. Der Ballbesitz und die Anzahl der Tore sollen gesteigert werden. Im März 2022 beschloss der DFB die Umsetzung bis zur Saison 2024/2025. Ronny Zimmermann, der DFB-Vizepräsident, nannte die Entscheidung "konsequent und logisch". Die Kinder sollen aktiv am Spiel teilnehmen und möglichst viele Tore schießen.

"Wir müssen wie Kinder denken, nicht wie Erwachsene. Nur Kinder, die Spaß und Freude am Spiel entwickeln, werden dem Fußball erhalten bleiben." Die neuen Spielformen fördern das Selbstbewusstsein der Kinder und minimieren den Einfluss der Trainerinnen und Trainer. Auch Eltern sollen weniger Einfluss auf ihre Kinder während des Spiels nehmen können. Und Kopfbälle werden mit dem neuen Spielmodus reduziert, ohne dabei ein Verbot auszusprechen.

Nur Kinder, die Spaß und Freude am Spiel entwickeln, werden dem Fußball erhalten bleiben.

Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident

Die neuen Regeln

Die veränderten Spielformen beziehen sich auf die Altersklassen G-, F- und E-Jugend. Die Kinder sind in diesen Altersklassen zwischen sechs und elf Jahren alt.

In der G-Jugend (U6/U7) wird im Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei gespielt und zwar auf vier Minitore und ohne Torhüter. Jede Mannschaft verteidigt zwei Tore. Das Spielfeld ist 20 Meter lang und 16 Meter breit. Erst ab der Mittellinie dürfen Tore erzielt werden. Zusätzlich hat jedes Team zwei Wechselspieler. Nach jedem erzielten Tor wechseln beide Mannschaften einen Spieler oder eine Spielerin.

In einer Art "Spielnachmittag" können acht bis zwölf Teams in einem Turniermodus antreten. Je nach Anzahl der Teams sollen dann zehn Minuten gespielt werden. Die Spiele finden parallel statt. Nach jedem Durchgang gehen die Gewinnerteams ein Spielfeld weiter. Die Verliererteams gehen ein Spielfeld zurück. So ergibt sich ein ausgewogenes Leistungsniveau.

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Spielfeldaufbau G-Jugend Bildrechte: DFB

Bei der F-Jugend (U8/U9) wird ein Drei-gegen-Drei gespielt. Alternativ ist auch ein Fünf-gegen-Fünf möglich. Dieses soll sich etablieren.

Bei der E-Jugend (U10/U11) kann auch ein Sieben-gegen-Sieben auf zwei Tore gespielt werden.

Alle Spielformen integrieren ein Rotationsprinzip mit festen wechseln. So sollen alle Mitspieler dieselbe Spielzeit erhalten. Thomas Schmidt vom KFA Mittelthüringen unterstützt diese Regel: "Wir minimieren also die Spieleranzahl und es wird versucht möglichst vielen Spielern viel Einsatzzeit zu geben."

Kinderturnier in Weimar

Beim Schöndorfer SV 1949 Weimar wird am deutschlandweiten Tag des Kinderfußballs ein FUNiño-Turnier ausgetragen. Zwölf Mannschaften aus der Region Mittelthüringen nehmen teil. Gespielt wird nach den neuen Regeln beim Kinderfußball. Für die Kinder steht der Spaß im Mittelpunkt. Sie freuen sich über die neuen Regeln, weil es zu mehr Torschüssen kommt und das Feld deutlich kleiner ist.

Kinder in blauen und weißen Trikots
Schöndorfer SV beim Kinderturnier in Weimar. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vorteile bei den Bambinis

Verantwortliche und Kindertrainer sehen Vorteile und Nachteile bei den neuen Regeln. In der G- und F- Jugend wird das neue System als sinnvoll erachtet. "Kinder spielen dort ohne Ergebnisdruck und es kommt zu vielen Ballaktionen und Torabschlüssen", so Markus Schakau vom FC Motor Zeulenroda. Seit etwa zwei Jahren wird die Spielform dort im Training schon angewendet. Dies deckt sich mit dem Training vieler Fußballvereine in Thüringen. Das Zweikampfverhalten und Dribbling wird bei dieser Spielform besonders gut trainiert.

Kinder-Teams auf einem Fußballplatz
Zwölf Mannschaften traten beim Kinderturnier des Schöndorfer SV an Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kinder sollen Leistungsgedanken entwickeln

Im Bereich der E-Jugend wünschen sich viele Trainer eine Mischform. Ab einem gewissen Alter sollen Kinder einen Leistungsgedanken entwickeln, so auch die Meinung von André Demme, Trainer des SV Pfiffelbach. "Bei der E-Jugend denke ich, dass die Kinder schon weiter sind und auch dieses Verständnis im Halbfeld haben. Und ich persönlich würde es schade finden, wenn man ihnen das nehmen würden."

Ein Mann mit Brille
André Demmer, Kinder-Trainer, SV Pfiffelbach Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch an ein größeres Feld, wie es in der D-Jugend gespielt wird, müssen die Kinder herangeführt werden. Einige Vereine Fragen sich, wer dann in der D-Jugend die Position des Torhüters übernehmen soll, wenn eine Altersklasse darunter ohne gespielt wird.

So auch Peggy Taubmann vom 1. Suhler SV 09: "Wir sind uns zwar bewusst, dass Kinder in den betroffenen Altersklassen sich auf verschiedenen Positionen ausprobieren sollen und müssen. Dennoch bleibt die Befürchtung, dass die zweifellos auch notwendigen Kenntnisse über die Defensivarbeit künftig schlechter zu vermitteln sind." Hier wünschen sich die Verantwortlichen der Vereine, dass der DFB ihnen entgegenkommt.

Bei der E-Jugend denke ich, dass die Kinder schon weiter sind und auch dieses Verständnis im Halbfeld haben. Und ich persönlich würde es schade finden, wenn man ihnen das nehmen würden.

André Demme, Kinder-Trainer beim SV Pfiffelbach

Vereine sorgen sich wegen Geld

Einige Trainer sehen den Aufwand kritisch: "Man braucht zu viele Minitore, Umkleidekabinen und Betreuer um einen Spielenachmittag bei sich im Verein zu organisieren", so Kerstin Merkel vom SV 59 Fortuna Frankendorf. Für sie gibt es viele ungeklärte Fragen zum Platzbedarf, mangelnder Umkleidekabinen und ausreichend Minitore für die Turnierform.

Auch Achim Kohls, der Vorsitzende des Jugendausschusses, bezweifelt, dass ein Verein genügend Minitore für ein Turnier stellen könne. Bei einem Turnier von zwölf Mannschaften würden 24 Minitore benötigt. Der TFV sei aktuell dabei, jedem Verein, der eine F-Jugend oder Bambini Mannschaft hat, vier Tore zu stellen.

Für ein Turnier reicht das jedoch noch lange nicht. Somit bliebe den Vereinen nur eine Option. Die fehlenden Tore müssen gekauft werden. "Natürlich eine Kostenfrage für die Vereine", so Pierre Vogt vom KFA Eichsfeld-Unstrut-Hainich. Man könne sich auch billige Tore beschaffen. Die halten aber nicht lange und gehen schnell kaputt.

Natürlich eine Kostenfrage für die Vereine.

Pierre Vogt, KFA Eichsfeld-Unstrut-Hainich Vorsitzender des Jugendausschusses

Richtig populär wirkt der Schritt zu den neuen Regeln im Kinderfußball nicht. Als Trainingsmethode wird die Spielform in allen Altersklassen befürwortet. Aber als Spielbetrieb für die E-Junioren wird es in den Fußballkreisen überwiegend abgelehnt. Trainerinnen und Trainer erhoffen sich einen Kompromiss für die E-Jugend. Ein fester Torhüter oder eine Torhüterin sei hier wünschenswert. Einige offene Fragen zum Spielbetrieb sollten sich im Laufe der aktuellen Saison klären. Der Thüringer Fußball-Verband sei gerade dabei feste Regeln zu definieren.

MDR (ifl)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. September 2022 | 19:00 Uhr

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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