Südharz Holztransporte aus dem Harz: Dörfer leiden unter Lkw-Plage

Orkane, Trockenheit und Borkenkäfer haben den Wäldern im Harz in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt. Riesige Mengen Holz von umgestürzten und kranken Bäumen liegen dort herum und müssen abtransportiert werden. Dafür sind seit Monaten Hunderte Lkw unterwegs. Für einige Orte im Südharz-Landkreis Nordhausen sind diese Lkw zur echten Plage geworden.

Holztransporter kurz vor Rottleberode
Holztransporte kurz vor Rottleberode im Landkreis Mansfeld-Südharz Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Für die Bürger von Buchholz, Stempeda, aber auch Neustadt und Harzungen im Landkreis Nordhausen ist es inzwischen eine echte Plage: Täglich, auch sonntags, feiertags und nachts fahren durch ihre Orte unzählige Holztransportlaster. Nach der letzten Zählung sind es 241 Holz-Lkw pro Tag, die mit Anhänger durch die engen Ortskerne fahren. Eine Geschwindigkeitsanzeigetafel im zu Nordhausen gehörenden Bucholz hat in nur 14 Tagen fast 19.000 Durchfahrten gezählt - das sind alle Fahrzeuge, die den Ortsteil passierten. An eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h halten sich die wenigsten.

Anwohner sind verzweifelt

Die Anwohner sind verzweifelt. In Buchholz haben sie Kinderfahrräder und Rollstühle an Straßenlaternen gebunden, damit die Laster wenigstens das vorgeschriebene Tempo 30 einhalten. Denn in Buchholz gibt es nur sehr schmale Fußwege. Begegnen sich die oft im Konvoi von drei Lkw fahrenden Holzlaster im Ort, weichen sie auch mal auf die Fußwege aus.

Annette Gerlach aus Buchholz berichtet, dass sie schon Risse in ihrem Haus festgestellt habe. Wenn die Polizei mal mit Blitzern kontrolliert, spricht sich das per Funk schnell unter den Lkw-Fahrern herum. Ein bis zwei Fahrer werden mit überhöhter Geschwindigkeit erwischt, mehr nicht.

Zehnmal so viele Fichten geschlagen wie üblich

Doch wo kommen die Lkw her? Sie kommen aus dem Südharz, aber auch aus dem Hochharz bis nach Torfhaus mit ihren Fuhren Fichtenholz. Gerd Thomsen, Forstamtsleiter in Bleicherode, sagt, dass allein im vergangenen Jahr im Revier seines Forstamtes Bleicherode-Südharz zehnmal soviele Fichten geschlagen wurden wie sonst. 200.000 Kubikmeter, fast die Hälfte des Gesamtbestandes an Fichten. Durch den Borkenkäferbefall muss das Holz so schnell wie möglich abtransportiert werden, um weitere Schäden im Wald zu minimieren und um wenigstens noch etwas Geld für das Holz zu bekommen. Dafür fahren hunderte Laster fast ohne Pause. Auch die zulässige Tonnage von 40 Tonnen wurde auf 44 Tonnen heraufgesetzt. Es ist eine Ausnahmesituation, sagt Thomsen.

Straße in Sachsen-Anhalt für Holzlaster gesperrt

Und wo wollen sie hin? Ziel ist Rottleberode in Sachsen-Anhalt, nur wenige Kilometer von Buchholz und seinem Nachbarort Stempeda entfernt.

Holzverladebahnhof in Rottleberode
Holzverladebahnhof in Rottleberode Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Dass auch die Lkw aus dem Hochharz, aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen nun über Buchholz fahren, hat aber noch einen weiteren Grund. Der eigentlich kürzere Weg über die Bundestraße 242 bei Stiege ist nicht mehr nutzbar. Im weiteren Verlauf Richtung Rottleberode bei Breitenstein ist eine Brücke den schweren Holzlastern nicht gewachsen und nur noch bis 7,5 Tonnen zugelassen. Zudem soll es dort einen Erdfall unter der Hauptstraße geben. Die für dieses Jahr geplante Sanierung hat die Straßenbauverwaltung Sachsen-Anhalt nun auf 2023 verschoben.

Was vielleicht gut ist für Breitenstein in Sachsen-Anhalt, ist schlecht für Buchholz und den kleinen Nachbarort Stempeda in Thüringen. Auch dort bröckelt schon die Brücke, sagt Anwohnerin Anette Gerlach.

Keine Toiletten für Lkw-Fahrer am Verladebahnhof

Rottleberode ist Endpunkt und Ausgangspunkt weiterer Holztransporte. Dort gibt es das riesige Sägewerk der europaweit tätigen Firma Ante-Holz - und einen Verladebahnhof: Vor den Werkstoren werden hunderte Meter lange Züge mit Holz beladen. Lkw mit Kennzeichen aus halb Europa stehen dort. Ein Lkw-Fahrer erzählt, er komme aus Schleswig-Holstein, fahre hier von montags bis freitags Holz im Akkord. Wenn wir etwas über die Situation hier berichten sollten, dann, dass es für die Lkw-Fahrer keine sanitären Anlagen gebe. Die Firma Ante-Holz erklärte am Freitag, sich in der kommenden Wochen zu den Problemen zu äußern, die die Holztransporte verursachen.

Holzlagerplatz der Firma Ante-Holz in Rottleberode
Holzlagerplatz der Firma Ante-Holz in Rottleberode Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Tempo 30 gilt in Buchholz erst seit Anfang Juli - erlassen von der Verkehrsbehörde der Stadt Nordhausen. Allerdings erst, nachdem es im letzten Herbst zwei gefährliche Unfälle mit Holzlastern zwischen Buchholz und Stempeda gab. In der Gemeinde Harztor zeigt sich, dass die Behörden wenig Problembewusstsein haben. Auch dort fahren die Holz-Lkw. Bürgermeister Stephan Klante hatte beim Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr ebenfalls eine Tempo-30-Zone in den Orten Harzungen und Neustadt beantragt. Das wurde ihm aber für Harzungen nur in einer Fahrtrichtung genehmigt, so Klante. Dabei fahren von Rottleberode auch Fahrzeuge in Richtung Thüringen. Denn auch dort gibt es eine kleine Holzverladung am Bahnhof von Niedersachswerfen.

Der Bleicheröder Forstamtsleiter Gerd Thomsen hat denn auch nur einen kleinen Trost für die geplagten Bürger: Im nächsten Jahr würden die Transporte deutlich weinger.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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