Mittelbau-Dora Geschändeter Baum von KZ-Gedenkstätte erinnerte an französischen Häftling

Unbekannte haben im Gedenkhain des ehemaligen KZ Mittelbau-Dora in Nordhausen eine Birke zerstört. Der auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände stehende Baum wurde abgesägt. Er erinnerte an einen französischen Häftling, der als Elektriker untertage arbeiten musste.

Ein abgesägter Baumstumpf neben einer Erinnerungstafel.
Die Birke erinnerte an den 2010 verstorbenen KZ-Überlebenden Maurice Cadinot aus Frankreich. Bildrechte: KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Unbekannte haben im Gedenkhain der Gedenkstätte Mittelbau-Dora eine Birke abgesägt. Wie die Polizei mitteilte, wurde die Tat an der Frauenberger Stiege in der Altstadt Nordhausen am Sonntagmorgen festgestellt.

In dem Gedenkhain auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände waren 2011 insgesamt 53 Birken gepflanzt worden, um die Erinnerung an die Häftlinge wachzuhalten. Die Polizei ermittelt zu den Hintergründen. Es werden Zeugen gesucht.

Ein abgesägter Baumstumpf neben einer Erinnerungstafel.
Eine von 53 gepflanzten Birken fehlt nun. Bildrechte: KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Baum erinnerte an französischen Häftling

Wie eine Sprecherin der Gedenkstätte MDR THÜRINGEN mitteilte, erinnerte die Birke an den 2010 verstorbenen KZ-Überlebenden Maurice Cadinot. Der französische Elektriker war im Juli 1943 zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden. Im November 1943 wurde er verhaftet und ins Lager Dora gebracht, wo er mit anderen Häftlingen untertage leben und elektrische Arbeiten im Stollen verrichten musste.

Anfang April 1945 wurde Cadinot auf einen Räumungstransport gezwungen. In Bergen-Belsen angekommen, wurde er am 15. April befreit und konnte bald nach Frankreich zurückkehren. Dort arbeitete er ein Jahr später wieder als Elektriker in seiner Heimatstadt Lillebonne.

Konzentrationslager berüchtigt für Zwangsarbeit

Das 1943 eingerichtete KZ Mittelbau-Dora war berüchtigt für die Zwangsarbeit in Stollenanlagen, in denen die Häftlinge unter unmenschlichsten Bedingungen Raketen und andere Rüstungsgüter herstellen mussten. Jeder dritte der rund 60.000 Häftlinge überlebte dies nicht.

Ein Haufen Schrott liegt in einem Tunnel.
In einem dieser Stollen musste Maurice Cadinot für die Nazis in Mittelbau-Dora Zwangsarbeit leisten. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Gedenkstättenleiter fürchtet Nachahmungstäter

Der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sieht in dem weiteren abgesägten Gedenkbaum für KZ-Opfer einen Angriff auf die deutsche Erinnerungskultur. "Ich glaube nicht, dass das einfacher Vandalismus war", sagte Wagner am Montag der "Deutschen Presse-Agentur".

Gleichzeitig fürchtet er eine mögliche Nachahmungstat mit Blick auf die Zerstörung mehrerer Buchen bei der Gedenkstätte Buchenwald: "Einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den beiden Taten sehe ich", sagte Wagner. An den Bäumen in Nordhausen und Buchenwald ständen Gedenktafeln mit Informationen zu den Häftlingen, an die erinnert werde. "Wer diese Bäume absägt, weiß, was er tut."

Erneute Schändung nach Buchenwald

Erst vor wenigen Tagen waren an der Gedenkstätte des KZ Buchenwald bei Weimar sieben Erinnerungsbäume für KZ-Opfer von Unbekannten abgesägt worden. Kurz darauf waren bei Schöndorf, einem nahe dem Lager gelegenen Ortsteil von Weimar, zwei Bäume umgeknickt und bei drei weiteren Rindenteile entfernt worden.

MDR (dst), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 07. August 2022 | 12:30 Uhr

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