DDR-Relikt 32 Meter hoher Antennenturm gibt dem Eigentümer viele Rätsel auf

Unweit von Sollstedt im Unstrut-Hainich-Kreis steht seit 1978 ein Antennenturm. 32 Meter hoch, achteckig, aus Stahl und Beton mit einer sieben Meter hohen Antenne, gibt das DDR-Relikt Rätsel auf. In der DDR soll es mehr als 300 derartige Bauwerke mit unterschiedlicher Nutzung gegeben haben. In Thüringen sind vermutlich noch fünf erhalten; einer davon steht im Unstrut-Hainich-Kreis - und ein Mann hat sich seiner angenommen.

Ein Antennenturm steht auf einer Wiese.
Der Turm steht mitten in einem kleine Wald unweit von Sollstedt im Unstrut-Hainich-Kreis. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

30 von 500 Platten der Fassade fehlten, als Detlef Zimmermann den Turm vor zwei Jahren gekauft hat. Die Liebe zu hohen Bauwerken sei für den Erwerb ausschlaggebend gewesen. Drei Kilometer von seinem Heimatort Eigenrode sei er fündig geworden; gesucht habe er auch schon in Brandenburg. Rund 30 Jahre ist an dem Turm nichts mehr gemacht worden. Verdreckt war er; schubkarrenweise habe Zimmermann den Taubenkot herausgeholt, sagt er. Mehrere der zehn Etagen waren morsch, Rost am Stahlgerüst und kaputte Fenster.

 Ein Mann schaut durch eine Luke eine Treppe hinab.
Detlef Zimmermann ist schon Hunderte Male die 144 Leitersprossen hinaufgestiegen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

100 Tonnen schweres Fundament

Die zehn Holzetagen stehen auf einem 100 Tonnen schweren Fundament; davon sind 50 Kubikmeter im Boden. Das Fundament habe er bereits nachgegosssen, so Zimmermann. Viele Stangen des Stahlkorsetts waren verrostet; scheinbar nie zweifach - wie vorgeschrieben - mit Korrosionsschutz gestrichen. Das holt Zimmermann jetzt nach.

Nachholbedarf habe er auch zur Geschichte des Turmes. Leider fehlen die Unterlagen; auch im Nachlass von Baumeister Karl Marusch aus Hoyerswerda fand Zimmermann nur einen Hinweis zum Sollstedter Turm. Er weiß, dass eine Hüpstedter Firma das Fundament gebaut hat. Zeitzeugen zu finden, werde immer schwieriger.

Man weiß mehr über 3.000 Jahre alte Pyramiden als über diesen Turm.

Detlef Zimmermann, Turmbesitzer

Baujahr 1978

Erbaut wurde er im Jahr 1978 für das Verkehrskombinat Erfurt; zwei Jahre später gab es einen Rechtsträgerwechsel zur Bezirksdirektion des Straßenwesens. Der Richtfunk wurde für den Winterdienst verwendet. "Heute nicht mehr vorstellbar", sagt Zimmermann. Es werde auch spekuliert, dass die Staatssicherheit oder die Polizei den Turm genutzt hat. Beweise dafür fehlen; Zeitzeugen behaupten so etwas, andere widersprechen diesen Aussagen. Auch alte Fotos hat Zimmermann bisher nicht gefunden.

In 480 Metern Höhe

Die Stahlkonstruktion ist achteckig, hat Platten aus Asbest, drei Meter hohe Plattformen und eine kleine Antenne mit einer Höhe von sieben Metern. Wegen der Höhe des Standortes durfte der Turm nicht höher als 32 Meter sein. Er ist so ausgelegt, dass er in 480 Metern Höhe auch bei Minusgraden vereisen kann. Den Sturm spürt man oben auf der Plattform unterm Dach sehr deutlich; es wackelt bei jedem Windstoß. Um auf die drei Meter breite Plattformen zu gelangen, muss man Holzleitern benutzen mit insgesamt 144 Sprossen.

Detlef Zimmermann, ganz oben im Turm
Oben in der zehnten Etage hat man einen tollen Blick bis zum Inselberg. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Den Turm gibt es nur noch im Flachland von Brandenburg.

Detlef Zimmermann sucht in jedem Urlaub nach solchen Türmen.

1990 ging das Licht aus

1990 ging das Licht im Turm aus, sagen die Sollstedter. Dann blieb er fast 30 Jahre unberührt stehen. Ein Großbauer hatte den Turm nach der Wende von der Treuhand gekauft. Er und ein weiterer Eigentümer vor Zimmermann hätten nie ernsthaftes Interesse am Erhalt des Turmes gezeigt, vermutet der neue Besitzer. Vor zwei Jahren hat er ihn gekauft. Er möchte den Turm über die nächsten 50 oder 100 Jahre bringen.

Anstrengende Baustelle

Zimmermann spricht von einer anstrengenden Baustelle. Hat er etwas vergessen, muss er 144 Stufen wieder nach unten. Und weil das schon oft passiert ist, bleibt es unvergessen. Unten am Turmfuß möchte er an die Geschichte des Turmes auf sieben Tafeln erinnern; mit Bauzeichnungen, einem Grundbuchauszug von 1978 und einem Foto von Baumeister Marusch. Auch in den Etagen sollen abgebaute oder ersetzte Teile des Turmes wie Neonröhren von der Hindernisbefeuerung ausgestellt werden.

Ein rotes Gewicht hängt in einem Turm.
Das rote Gewicht ist Anfang der 1980er nachgerüstet worden, um den Turm stabiler zu machen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Abends leuchtet der Turm

Die Neon-Leuchten aus DDR-Zeiten hat er durch LED ersetzt. Der Turm soll Wind und Wetter trotzen; zu einem Denkmal soll er nicht werden. Die unteren zwei Etagen sind saniert: Rost entfernt, Fundament nachgearbeitet und verkleidet, der alte Putz ist erneuert worden. Dass der Turm achteckig ist, sei völlig ungewöhnlich. Normalerweise müssen solche Türme viereckig oder rund sein. In diesem Jahr will Zimmermann das Dach erneuern. Zink statt dopppelte Teerpappe, sagte er. Das Erscheinungsbild des Turmes soll bleiben: die abendliche Beleuchtung und besonderes Licht zu Feiertagen.

Waldkäuze und Insekten

Im Turm haben auch schon Insekten und Tauben gewohnt. Aktuell brütet ein Waldkauz-Paar. Über eine Kamera im Nistkasten kann Detlef Zimmermann die Vögel beobachten.

MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 06. März 2022 | 14:15 Uhr

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